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Viertel-Stunde:Ein Gläschen zur Stärkung

Athen 1896 - Spiridon Louis

Spiridon Louis war der erste Marathon-Olympiasieger der Neuzeit.

(Foto: dpa)

Der Spiridon-Louis-Ring taumelt quasi durch den Olympiapark, was eigentlich kein Wunder ist, denkt man an seinen Namensgeber, den ersten Marathon-Olympiasieger der Neuzeit

Glosse von Johannes Korsche

Der Spiridon-Louis-Ring führt nicht, sondern er taumelt durch den Olympiapark. Vom Ackermannbogen nimmt er eine weite Kurve nach links, dann eine nach rechts, so geht das immer hin und her nach Norden, bis sich dieser Weg am gerade verlaufenden Mittleren Ring entlang des Olympiaparks festhält.

Fast möchte man Louis deswegen eine gewisse Zuneigung zu alkoholischen Getränken unterstellen, oder den Architekten, die sich den wankenden Straßenzug einst erdacht haben. Doch ein anderes Bild ist wohl passender: das eines vollkommen entkräfteten Marathonläufers, der sich dem Ziel entgegenschleppt, obwohl sich seine Gliedmaßen schon seit Kilometern weigern, seinem Willen zu folgen. Spiridon Louis ist schließlich der erste Marathon-Olympiasieger der Neuzeit. 1896 kam der in der Nähe Athens geborene Grieche als Erster nach 2:58:50 Stunden ins Panathinaiko-Stadion. Wobei man sich da eine Anekdote erzählt, die den legendären Läufer doch noch mit Alkohol in Zusammenhang bringt.

Louis war einer von 13 griechischen Athleten, die an jenem historischen 9. April 1896 an den Start gingen. Die Silbermedaille, mit der damals die Sieger behängt wurden, sollte unbedingt einen griechischen Hals schmücken. Gerade einmal vier nichtgriechische Läufer quälten sich auf den berühmten 42 Kilometern zwischen Marathon und Athen, die der Bote Pheidippides in der Antike einst gelaufen sein soll, um von der siegreichen Schlacht gegen die Perser zu berichten. Angeblich soll der Bote vor Erschöpfung gestorben sein, nachdem er seine Kunde überbracht hatte.

Diesem Schicksal entging Louis, vielleicht auch weil er auf halber Strecke eine kleine Pause eingelegt haben soll. In einem Wirtshaus, um ein Glas Wein zu trinken, was wieder an den nach ihm benannten taumelnden Weg durch den Münchner Olympiapark denken lässt. Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass Louis' Enkel dieser Darstellung entschieden widerspricht. Es sei vielmehr ein Glas Cognac gewesen, stellte er richtig.

Der olympische Marathon 1896 blieb Louis' einziger Auftritt auf der internationalen Leichtathletikbühne. Zumindest als Sportler. Bei den Berliner Propagandaspielen von 1936 überreichte er als Ehrengast Adolf Hitler einen Olivenzweig. Als Zeichen des Friedens. Vier Jahre später, die Welt bekriegte sich, starb Louis in Maroussi, seinem Heimatdorf bei Athen.

© SZ vom 02.01.2021
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