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Viertel-Stunde:Die Madonna und der Saurier

Museumsareal in München, 2014

Alte Kunst, neue Kunst - in der Maxvorstadt nah beinander.

(Foto: Stephan Rumpf)

Geschichten aus dem Kunstareal

Wer "nur" die Gemälde, Skulpturen und Skelette im Kunstareal besucht, der mag sein enzyklopädisches Wissen mehren, doch das wirklich Spannende hat er verpasst. Was zum Beispiel Leonardo da Vincis "Madonna mit Nelke", 1475 vollendet und das einzige, dauerhaft in Deutschland zu sehende Gemälde des Universalgenies, mit einer schwäbischen Apotheke verbindet.

Doch bevor man die Nelken-Madonna besucht, sollte man zur Richard-Wagner-Straße, wo sich die Bayerische Staatssammlung für Paläontologie und Geologie hinter dem Lenbachhaus versteckt. Dort sind die wohl ältesten Exponate Münchens zu sehen. Unter anderem ein Archaeopteryx, der vor 150 Millionen Jahren durch das damals tropische Bayern geflogen ist, als erster Bayer im Himmel. Was gedanklich zum Museum Reich der Kristalle an der Theresienstraße und einem ehemaligen Direktor dieses Reichs führt: Franz von Kobell.

Der wiederum schrieb nebenbei noch die "G'schicht' vom Brandner Kasper", der seinen Platz als Bayer im Himmel inzwischen der Satirefigur von Ludwig Thoma überlassen hat. Das Archosaurierskelett bleibt also der einzige Himmelsbayer im Kunstareal. Kobell lichtete übrigens 1839 zusammen mit dem Physiker Carl August von Steinheil die Frauenkirche und die Glyptothek ab, die wohl ersten Fotografien Deutschlands.

Weil die Glyptothek aber gerade saniert wird, lieber in die Alte Pinakothek geschaut, um Leonardos Madonna zu besuchen. Und damit zur G'schicht' von der Nelken-Madonna. Sie tauchte etwa vier Jahrhunderte nach dem letzten Pinselstrich des Meisters wieder auf: in einer Günzburger Apotheke, auf halber Strecke zwischen Stuttgart und München. Ein Arzt ersteigerte sie dort 1889 für 22 Reichsmark und reichte sie, mit mäßigem Gewinn, für 800 Mark an die Alte Pinakothek weiter, obwohl der Schätzpreis bei 8000 Mark lag. Der Kunstmarkt trieb also schon verrückte Blüten, als es die Marke Kunstareal noch gar nicht gab.

Diese und weitere Informationen finden sich im "Kunstareal München - Guide", 9,90 Euro, Hirmer-Verlag.