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Viertel-Stunde:Aquarell vom Idyll

Die Gaststätte Huiras an der Fürstenrieder Straße.

(Foto: Aquarell: Peter Buriánek)

Gerade im Unglamourösen liege der Charme, sagt Peter Buriánek, und genau den will er in seinen Bildern mit sanften Tönen wiedergeben. Seine gemalten "Münchner Spaziergänge" sind nun in der Mohr-Villa zu sehen

Kolumne von Lea Hruschka

Maler Peter Buriánek blickt über das laute Treiben auf der Fürstenrieder Straße hinweg auf die Camerloherstraße - links ein rotes Gebäude, rechts ein graublaues Haus. Diese Szenerie wirkt in der Realität unscheinbar. Sie wird erst in Buriáneks Gemälde lebendig, strukturiert durch feine Hilfslinien, abstrahiert durch leuchtende Aquarellfarben.

Der 79 Jahre alte Architekt malt gezielt die versteckten Motive in München, bevorzugt auch jene aus Laim, wo er wohnt. Ein ungewöhnliches Motiv geben die kleinen Garagen hinter den Häusern der Lanzstraße ab. Nebeneinander stehend, säumen die flachen Blechgaragen den Weg. Der "Verhau", so der Maler, könnte so auch in Italien oder Brasilien stehen. Gerade im Unglamourösen liege der Charme, sagt Buriánek, und genau den will er auf seinem Bild mit sanften Aquarelltönen wiedergeben.

Zurück in der Lanzstraße schwärmt Buriánek von den Erkern der Häuserreihe, in der einst Eisenbahner wohnten. Vorbei am "nicht schicken, sondern schönen" Restaurant "Speisezimmer", erreicht der Maler die Gunzenlehstraße. Von der Reihenhaussiedlung, die Architekt Theodor Fischer gebaut hat, ist Buriánek angetan. Zwei Häuser wählte er als sein Motiv: Die grünen Türen und Fensterläden kontrastieren mit der bleichen, gelben Hauswand. Die Atmosphäre suggeriert: Hier ist die Welt noch in Ordnung.

Buriánek biegt von hier in einen schmalen Weg ein, der einen Blick auf die Gärten der Hausbesitzer gewährt. Blumenduft strömt in die Nase, ein älterer Herr sitzt auf einem Plastikstuhl im Garten. Die Tour durch Laims malwürdige Orte endet dort, wo sie angefangen hat, an der Fürstenrieder Straße. Die Idylle der Gunzenlehstraße ist zurückgeblieben, nun dominiert der Straßenlärm. Doch dreht man sich um und schaut auf die unscheinbaren Häuser, findet man sich in der Ruhe von Buriáneks Kunst wieder.

Seine Werke sind von Sonntag, 27. Juni, an im Kaminzimmer der Mohr-Villa, Situlistraße 75, zu sehen. In der Ausstellung mit dem Titel "Münchner Spaziergänge" werden neben den Laimer Winkeln auch Buriáneks Gemälde von Landschaften und Menschen gezeigt.

© SZ vom 19.06.2021
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