Verzicht auf erneute Kandidatur in Nürnberg Verständnis für Ulrich Malys Entscheidung

SZ-Leser hadern nicht mit dem Rückzug, sondern zollen dem fähigen Kommunalpolitiker viel Respekt für seine Leistung

"Allmächd" vom 18. März, "Nürnberger Schnellauswahl" vom 16. März und "Ein Mann, ein Wort" vom 13. März:

Alles erreicht

Dass Ulrich Maly nicht mehr für das Amt des Nürnberger Oberbürgermeisters kandidiert, ist völlig okay und akzeptabel. Er hat alles erreicht, was zu erreichen war, und vieles richtig gemacht. Folgerichtig und ein parteiübergreifendes Signal wäre, Kultur-Chefin Julia Lehner (CSU) mit vereinten Kräften zur Oberbürgermeisterin zu machen und Nürnberg so als europäische Kulturhauptstadt der 20er Jahre zu etablieren.

Dass Ulrich Maly sich der letzten großen Verantwortung entzieht, als Landeschef die SPD und die Demokratie in Bayern zu retten, aber ist total fatal. Er ist der einzige, der dies hätte leisten und Markus Söder auf Augenhöhe begegnen können. Man ist zeitlebens verantwortlich für das, was man sich vertraut gemacht hat, sagt der Fuchs zum kleinen Prinzen. Kein Hund in Franken wird mehr ein Stücklein Brot von ihm nehmen. Es wäre völlig okay und akzeptabel, wenn er sich das noch einmal überlegte. Heiner Weniger, Nürnberg

Respektable Souveränität

In unserer auf Geld und Karriere gebürsteten Gesellschaft ist es einfach nicht vorstellbar, dass einer wie etwa auch der Nürnberger Oberbürgermeister Ulrich Maly auf der Leiter nicht immer weiter nach oben, nach "Höherem" steigen will. So einer muss krank sein im Kopf oder am Körper, oder es muss sonst irgendwie einen "tieferen Grund" geben.

Karriereverzicht ist erklärungsbedürftig. Nun, den "tieferen Grund" gibt es tatsächlich: Maly ist eine "entwickelte Persönlichkeit", er ist "emanzipiert", das ist seine "Krankheit".

Karriere und Emanzipation sind Gegenspieler. Natürlich ist das eine gotteslästerliche Aussage, die selbstverständlich sofort von der Gedankenpolizei konfisziert werden muss ... Friedhelm Buchenhorst, Grafing

Respektable Leistung

Was war die vergangene für eine bewegte Woche für uns hier in Nürnberg! Die Entscheidung von Oberbürgermeister Ulrich Maly, bei den nächsten Kommunalwahlen nicht mehr anzutreten, bedauere ich sehr - wenngleich ich sie aus der Sicht Malys verstehen kann und auch konsequent finde. Und ich ziehe meinen Hut vor dieser Entscheidung! Wenn ich dann in anderen Leserbriefen Dinge lese wie "na der ist ja dann gerade mal 60 und kann doch noch arbeiten", finde ich es sehr bedauerlich. Denn wer es nicht begreift, was es bedeutet, 30 Jahre in der Kommunalpolitik und davon 18 Jahre als Oberbürgermeister tätig zu sein und sicherlich alles andere als eine 40-Stunden-Woche zu haben, der honoriert eine solche (Lebens-)Leistung leider nicht - schade.

Die SPD war sehr schnell und hat als möglichen Nachfolger Thorsten Brehm vorgestellt. Auch das finde ich eine mutige Entscheidung. Landauf, landab reden alle davon, dass endlich eine Verjüngung (auch in der SPD) stattfinden soll. Und die Entscheidung der Nürnberger SPD ist eine ganz klare, hin zu einem solchen Generationenwechsel. Thomas Grosser, Nürnberg

Wie vom Redagdöhr zu erwarten...

Ich hädde widder mal meine Hüddn verwedded, dass die Berichderschdaddung über den Nämmbercher OB Ulrich Maly leichd süffisand mit irchendeinem fränggischen Wordd garnierd wird. Haus und Hof wären aber geredded gewesen, weil das "Allmächd" sogar schon in der Didelzeile fiel. Liebe Audoren und Redagdöhre der "Süddeutschen", wenn das Fränggische für euch so exodisch isd, dass es dazu daugd, jeden Ardiggel über ein fränggisches Dhema damid zu deggorieren, zeuchd das von einem eher beschrängden Horizond. Er reichd bloß von München bis zur Donau. Das Interview mit Herrn Maly finde ich durchaus gelungen. Wäre aber Ulrich Maly der OB von München, hätte die Überschrift sicher nicht "Mingga woant" oder "Um Gods Wuin" gelautet. Also nix für ungut. Herzliche Grüße von einer leicht gekränkten Frankenseele, Elfriede Kraus, Bruckberg