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Verwirrter Rentner:Mein Auto, meine Frau, mein Sohn - alles weg

Odyssee auf Oberfränkisch: Eigentlich wollte er nur einen Bagatellunfall melden, doch dann findet ein Mann nicht mehr zurück zu seinem Auto. Seine Familie wartet mindestens eine Nacht an der Autobahn - und die Polizei muss eingreifen.

Das größte Abenteuer an diesem Urlaub war die Rückreise: Ein 72-jähriger, offenbar verwirrter Rentner aus Oberfranken hat sein Auto samt Frau und behindertem Sohn auf einem Supermarkt-Parkplatz im Münchner Norden abgestellt - und anschließend nicht mehr zurückgefunden. Die Familie wartete nach Polizeiangaben mindestens eine Nacht lang auf die Rückkehr des Mannes, der eigentlich nur kurz einen Bagatellunfall hatte melden wollen.

Der Polizei ist es noch nicht gelungen, den Sachverhalt vollständig zu rekonstruieren. Bislang steht fest, dass die Familie aus Oberfranken Urlaub in Fischbachau (Landkreis Miesbach) gemacht hatte. Dorthin war sie bereits vor geraumer Zeit abgereist. Irgendwie waren die Drei dann versehentlich nach Frankreich gefahren, hatten dort einen Unfall gebaut und mussten die Heimreise schließlich mit einem Mietwagen antreten. Im Allacher Tunnel auf der A 99 touchierte der Mann mit seinem Leihfahrzeug die Leitplanke. Deshalb fuhr er bei der Ausfahrt Ludwigsfeld von der Autobahn, steuerte einen Supermarkt-Parkplatz an, stellte den Wagen ab und machte sich zu Fuß auf die Suche nach der Polizei.

Am Samstagabend gegen 22.40 Uhr entdeckte er eine Streife, die in Moosach gerade dabei war, einen Unfall aufzunehmen. Der 72-Jährige sprach die Beamten an und eröffnete ihnen, dass er ebenfalls einen Unfall gehabt habe. Als es darum ging, zu seinem Wagen zu gehen, konnte sich der leicht verwirrt wirkende Mann dann aber nicht mehr erinnern, wo er das Fahrzeug abgestellt hatte. Und auch nicht, was in den letzten Tagen geschehen war. Er wusste nur, dass in dem Wagen seine Frau und sein gesundheitlich beeinträchtigter Sohn saßen.

Die Tochter des Paares wurde in Oberfranken ausfindig gemacht, konnte aber auch nicht weiterhelfen. Die Autobahnpolizei suchte rund um München nach Unfallstellen. Beamte klapperten Pensionen in Moosach ab, um nachzusehen, ob der Wagen der Familie dort steht; Suchhunde versuchten herausfinden, auf welchem Weg der 72-Jährige zu der Polizeistreife gelaufen sein könnte; mögliche Reiserouten wurden abgecheckt und Rettungsleitstellen kontaktiert, doch alle Aktionen verliefen negativ. Das Auto mit Frau und Sohn blieb verschwunden. Die Nacht verging.

Auf gut Glück rief eine Polizistin bei der Pannenhilfe des ADAC an und erfuhr von dem Unfall und dem Leihwagen. Daraufhin schwirrten Streifen erneut aus und fanden den Wagen auf dem Supermarkt-Parkplatz an der Dachauer Straße. Wie lange die Ehefrau und der Sohn in dem Fahrzeug gewartet hatten, wussten die beiden selbst nicht.