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Verspätungen am Wochenende:Planmäßiges Chaos bei der Bahn

Von ihrer Dimension her ist die Aktion bundesweit einmalig: Die Freischaltung des neuen Stellwerks im Westen wird den Zugverkehr im Großraum München tagelang beeinträchtigen.

Katja Riedel

Für Reisende, aber auch für die Mitarbeiter der Deutschen Bahn werden es aufregende 78 Stunden: Von Freitagabend, 22 Uhr, bis Dienstagfrüh, 3 Uhr, werden in und um den Bahnhof Pasing fünf ältere Stellwerke abgeschaltet und durch ein elektronisches, computergesteuertes Zentralstellwerk an der Donnersbergerbrücke ersetzt. Weil vorher zwischen Lochhausen, Donnersbergerbrücke, Gauting und Obermenzing 415 Signale und 230 Weichen neu eingebaut und geprüft werden müssen, ist der Verkehr auf den Schienen in Pasing in dieser Zeit nur sehr eingeschränkt möglich.

S-Bahn am Pasinger Bahnhof, 2010

Nichts geht mehr: Im Münchner Westen werden Stellwerke ausgetauscht.

(Foto: Robert Haas)

Bis voraussichtlich Samstag, 16 Uhr, ist der Pasinger Bahnhof komplett vom Schienennetz abgeschnitten - was sich auf den Schienenverkehr im gesamten Großraum München auswirken dürfte.

Sowohl im Fern- und Regionalverkehr als auch bei der S-Bahn führen diese Arbeiten zu Umleitungen, Zugausfällen und erheblichen Verspätungen. Die S 1 und S 2 werden planmäßig fahren, auch die S-Bahnen, die aus Osten kommen, sollen im Plan fahren - zumindest bis Donnersbergerbrücke oder Laim. Ab Samstagnachmittag, 16 Uhr, werden auch die S 3 und die S 8 Pasing wieder anfahren, Regionalzüge aus Landshut oder Freising enden in Feldmoching.

Züge aus Augsburg fahren nicht über den Haupt-, sondern direkt zum Ostbahnhof, wer aus dem Allgäu kommt, muss in Puchheim oder Geltendorf auf den Bus umsteigen. Fahrgäste aus dem Werdenfelser Land steigen in Gauting in die Busse. Auch der Fernverkehr wird umgeleitet und ist deshalb mindestens 20 Minuten verspätet - manche Züge werden auch gar nicht bis München durchfahren.

Insgesamt hat die Bahn 150 Ersatzbusse im Einsatz. Um die Situation für die Kunden zu erleichtern, hat die Bahn pro Schicht jeweils etwa 80 Servicemitarbeiter abgestellt, die den Reisenden helfen und sie informieren sollen. Die Bahn empfiehlt Fahrgästen, die in den Münchner Westen wollen, bereits am Hauptbahnhof in die Ersatzbusse umzusteigen. Denn vor allem am Zentralen Omnibusbahnhof an der Hackerbrücke, der zur Drehscheibe wird, dürfte der Andrang groß werden.

Für die Bahn sei der Umbau die größte logistische Herausforderung, die es je in München gegeben habe, sagt Bahnmanager Heiko Hamann. Das neue Stellwerk kostete 130 Millionen Euro, 780 Kilometer Kabel wurden verlegt. Die Arbeiten für eines der größten elektronischen Stellwerke Deutschlands haben bereits 2007 begonnen.

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© SZ vom 11.08.2011/sonn
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