bedeckt München

Verschiedene Interessen:Die Isar-Lobby

Ein Überblick über die zahlreichen Vereine und Initiativen, die sich mal für den Schutz, mal für die Nutzung des Gewässers einsetzen

Von Thomas Anlauf

Die Isar hat viele Freunde. Dazu zählen nicht nur die Spaziergänger, die Jogger, die Radler, die Badenden und die Feiernden. Auch zahlreiche Vereine und Verbände vertreten ihre Interessen. Die einen fordern mehr Schutz für den Fluss, die anderen fordern mehr Freiheit für die Menschen, die an der Isar leben. Ein Überblick über einige Interessengruppen und ihre Anliegen:

Der Bund Naturschutz (BN) bezeichnet sich selbst als viertgrößten Verein Münchens nach dem ADAC, dem FC Bayern und dem Deutschen Alpenverein. Eine mächtige Lobby also für die Umwelt: Regelmäßig meldet sich die Kreisgruppe auch zur Isar zu Wort. So beklagte Christian Hierneis, Vorsitzender des BN: "Die Attraktivität der Isar, die durch die Renaturierung erreicht wurde, geht gerade wieder verloren - und zwar genau wegen dieser Attraktivität." Er fordert den "größtmöglichen Schutz der Isar in und um München".

Ähnlich sieht das der Landesbund für Vogelschutz (LBV). Dessen Geschäftsführer Heinz Sedlmeier findet, die Münchner würden ihre Isar "zu Tode lieben". In einer gemeinsamen Erklärung von LBV und BN forderten die beiden Umweltverbände im Frühjahr, dass bei der Rahmenplanung für die innerstädtische Isar der Schwerpunkt auf Naturnähe und Erholung gelegt werden muss und eine klare Abgrenzung von Gebieten, in denen Feiern erlaubt ist und Gegenden, die ausschließlich der Renaturierung dienen. Ein Flussbad in der großen Isar kann sich der BN hingegen durchaus vorstellen, wenn ein Umweltverträglichkeitsgutachten erstellt wird.

Schwimmen für ein Flussbad: die Isar hat viele verschiedene Freunde.

(Foto: Catherina Hess)

Auch die Fischer verstehen sich als aktive Umweltschützer. Die Isarfischer sind ein anerkannter Naturschutzverein, der seinen Beitrag zur Isarrenaturierung leistet. Die Isarfischer kümmern sich darum, dass sich in der Isar und in den Seitenbächen heimische Fische ansiedeln und möglichst ungestört dort leben können. Die vielen Feiernden am Flaucher und an der kleinen Isar, wo das Baden ohnehin eigentlich tabu ist, sind den Fischfreunden natürlich ein Dorn im Auge. Einem Flussbad stehen sie kritisch gegenüber, weil sie befürchten, dass das negative Auswirkungen auf die Fische haben und noch mehr Menschen an den Fluss locken würde.

Seit 1902 setzt sich der Isartalverein, gegründet vom Münchner Architekten und Naturschützer Gabriel von Seidl, für den Schutz und die Pflege des Isartals ein. Ein Hauptziel ist die "kritische Begleitung bei Eingriffen jeglicher Art in das Ökosystem der Isar". Trotzdem soll der Fluss über ein Wegenetz für Fußgänger und Radfahrer erlebbar bleiben.

Die Isar-Allianz, die sich 1993 gegründet hat, war eine der treibenden Kräfte zur Renaturierung der Isar in München, aber auch für den gesamten Flusslauf von der Quelle bis zur Mündung. Da sich das Bündnis sehr heterogen zusammensetzt - vom Bund Naturschutz über den Bayerischen Kanu-Verband bis hin zum Münchner Forum, das sich seit fünf Jahrzehnten für die Stadtentwicklung einsetzt - finden sich unter den Zielen des Bündnisses auch die Themen naturverträgliche Naherholung und Freizeitnutzung.

Abfischen vor Bachauskehr in München, 2014

Die Isarfischer kümmern sich darum, dass sich im Fluß und den Seitenbächen heimische Fische ansiedeln.

(Foto: Robert Haas)

Auch Sportvereine und -verbände treten für die Isar ein, wenngleich mit etwas anderen Zielen als die klassischen Naturschützer. Da sind die acht Münchner Kanuvereine sowie der Bayerische Kanu-Verband. Dessen Fachreferent Rolf Renner hat sich nicht nur dafür eingesetzt, dass Kanuten künftig bis zur Reichenbachbrücke paddeln dürfen statt nur bis zur Thalkirchner Brücke. Auch für sogenannte raue Rampen macht er sich stark, damit nicht nur Kajakfahrer darauf hinunterrutschen, sondern auch Fische besser Schwellen überwinden können.

Die Fluss-Surfer, vertreten durch die Interessengemeinschaft Surfen in München (IGSM), wünschen sich naturgemäß mehr und vor allem stabile Wellen in der Isar und dem Eisbach. Aktuell werden sie darin durch mehrere Anträge der Stadtrats-SPD unterstützt.

Die Wiederbelebung des innerstädtischen Isarraums zwischen Reichenbachbrücke und Tivolibrücke hat sich der Verein Isarlust zum Ziel gesetzt. Der Verein will erreichen, dass der Fluss besser erreichbar ist, sei es durch breite Stufen zum Wasser, mehr Raum für Fußgänger und Radfahrer an der Isarparallele oder der Idee eines Flussbades in der großen Isar. Dabei soll aber auch der Umweltschutz berücksichtigt werden.

Bei der Stadt ist neben dem Baureferat und dem Planungsreferat vor allem das Referat für Gesundheit und Umwelt (RGU) maßgeblich für die Isar zuständig. Gesundheitsreferentin Stephanie Jacobs hat sich schon mehrmals für den Bau eines Flussbads ausgesprochen. Und mit der Umsetzung der neuen Bade- und Bootsverordnung können Münchner künftig an mehr Stellen im Fluss schwimmen und mit dem Boot fahren als bisher.

© SZ vom 16.07.2016
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