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Versand von Lebensmitteln:Online-Händler Shopwings gibt auf

Konjunkturelle Lage in Deutschland

Per Klick in den virtuellen Einkaufskorb - noch bestellen die Deutschen relativ wenig Lebensmittel via Computer. Jetzt gibt wieder ein Online-Händler auf.

(Foto: Julian Stratenschulte/dpa)
  • Der Online-Lebensmittelhändler Shopwings legt sein Geschäft in Deutschland auf Eis.
  • Acht Monate war der Händler in München und Berlin am Markt.
  • Derzeit allerdings geht es in der Branche des Online-Einkaufs von Lebensmitteln nicht so schnell voran wie gedacht.

Die Idee war ambitioniert: Per Mausklick im nahen Supermarkt einkaufen, eine Firma liefert dann die Produkte bis an die Haustür. So dachten es sich die Gründer von Shopwings und gewannen auch den Startup-Spezialisten Rocket Internet als Finanzier. Die gesamte, junge Branche blickte gespannt auf den Neuling, der zunächst nach München und Berlin lieferte.

Acht Monate ist das her. Nun aber hat Shopwings seinen Nutzern per Rundmail "Goodbye" gesagt. Man pausiere mit dem Geschäft in Deutschland und richte seinen Fokus auf andere Länder, heißt es darin.

Die acht Monate haben vor allem die Erkenntnis gebracht, dass es in der Branche des Online-Einkaufs von Lebensmitteln doch nicht so schnell vorangeht wie gedacht. Der Markt ist hart. Matthias Hensler vom Münchner Konkurrenten Freshfoods bezeichnet das so: "Learning by burning". Warum das Konzept von Shopwings nicht geklappt hat, darüber lässt sich im Detail nur rätseln. Denn Gründer Conrad Bloser ist schon nach Thailand gereist, um die Neuausrichtung vorzubereiten, und bleibt eine Antwort schuldig.

Eine Pause in Deutschland

Shopwings Vorteil war: Die Firma stand bei den Einkäufen immer im persönlichem Kontakt mit den Kunden. "Die Idee war grundsätzlich gut", sagt Handelsforscher Sascha Berens. "Das gibt es im normalen, anonymen E-Commerce nicht." Problematisch sei eher die Preisgestaltung gewesen, sagt er.

Shopwings verkaufte die Produkte mit Aufschlag und verlangte zudem eine Liefergebühr von etwa fünf Euro. "Die Kunden kennen die Preise in ihren Supermärkten", sagt Berens. "Und zumindest in Deutschland ist man nicht bereit, mehr für Lebensmittel zu zahlen." In einer Branche mit derart niedrigen Gewinnmargen ist der Schritt in den Onlinehandel riesig. Die vergangenen Monate, das glaubt Hensler, hätten gezeigt, dass sich im Onlinehandel Konzepte mit eigenem Einkauf und Lager durchsetzen werden, keine reinen Lieferservices.

Der Markt wird wachsen

Womit Shopwings zudem nicht gerechnet hat: Seit Dezember müssen Lebensmittelhändler detaillierte Angaben zu den Inhaltstoffen und der Herkunft des Artikels machen - ein deutlicher Aufwand. Shopwings war davon ausgegangen, dies als Bringdienst nicht leisten zu müssen, und die Handelsketten verweigerten offensichtlich die Zusammenarbeit.

Dass die Münchner dem Onlinehandel mit Lebensmitteln nicht per se abgeneigt sind, zeigt Henslers Firma Freshfoods, die regionale Produkte vertreibt und langsam wächst. In den vergangenen Monaten zog sie laut Hensler in ein größeres Lager um und stellte mehr Mitarbeiter ein. Der Markt, so klein und umkämpft er noch ist, da sind sich Berens und Hensler einig, werde wachsen.