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Vermisstenfall in Ramersdorf:Suchen bis zur Erschöpfung

Seit zwei Wochen werden eine Frau und ihre Tochter vermisst, dass sie noch leben, glaubt niemand mehr. Nun hat die Polizei ein Waldstück durchforstet.

Es ist kurz nach Sonnenaufgang, als am Freitagmorgen zwei Busse und sechs Mannschaftswagen der bayerischen Bereitschaftspolizei im Friedrich-Panzer-Weg parken. Still und friedlich sind die Straßen, gesäumt von Einfamilienhäusern mit gepflegten Gärten. Ein paar Jogger und Hundehalter sind in den kühlen Morgenstunden unterwegs und wundern sich über das große Polizeiaufgebot.

150 Männer und Frauen in schwarzen Uniformen schwärmen aus ins Dickicht des Oedenstockacher Holzes. Hier, so vermutet die Mordkommission, könnte Roman H. die Leichen von Maria und Tatiana Gertsuski versteckt haben. Die 41-jährige Mutter und ihre 16 Jahre alte Tochter wurden seit dem 13. Juli nicht mehr gesehen. Sie hätten sich auf den Weg ins Neuperlacher Einkaufszentrum gemacht, hatte Roman H. erklärt, als er zwei Tage später eine Vermisstenmeldung aufgab. Aber die Polizei glaubt Marias Mann und Tatianas Stiefvater nicht. Was die Spurensicherung bei der Durchsuchung zweier Wohnungen fand, genügte dem Ermittlungsrichter, einen Haftbefehl auszustellen. Seit Sonntag vergangener Woche sitzt der 44-Jährige in Untersuchungshaft. Zu den Vorwürfen schweigt er. Und die Ermittler durchkämmen den Wald.

Zwei Quadratkilometer Wald sollten die Einsatzkräfte durchsuchen, stundenlang waren sie im Oedenstockacher Holz unterwegs.

(Foto: Stephan Rumpf)

Er ist nur zehn Minuten Autofahrt von jenem Neubau an der Ottobrunner Straße entfernt, in den Maria Gertsuski mit ihrer Tochter und ihrem neuen Mann 2018 eingezogen waren. Die beiden waren erst ein Jahr verheiratet, als sie und ihre Tochter verschwanden. Es gebe "verschiedene Indizien, die auf eine Relevanz dieses Waldstücks hinweisen", sagt ein Polizeisprecher. Präziser will er nicht werden, um in einem möglichen Indizienprozess die Position der Anklage nicht zu gefährden.

An heißen Tagen werden Hund und Mensch schneller müde, also hieß es Kräfte schonen.

(Foto: Stephan Rumpf)

Ein Helikopter der bayerischen Bereitschaftspolizei kreist am Freitagmorgen über dem Waldstück. Er koordiniert die Kräfte am Boden und untersucht das Gelände mit einer Wärmebildkamera; aber die Hoffnung, Maria und Tatiana Gertsuski noch lebend zu finden, sind gering. Wegen anderer Indizien, die ebenfalls nur angedeutet werden, ist die Mordkommission seit einer Woche fast sicher, dass Mutter und Tochter getötet wurden.

In einer Reihe, Schulter an Schulter, durchsuchen die Polizistinnen und Polizisten das Gehölz. Unterholz knackt, die Stocherstöcke rascheln durch das Gestrüpp, Funkgeräte knarzen, Kommandos werden gerufen: "Links langsamer!" "Die Schaufel mal bitte!" Als der Trupp auf einen großen Haufen aus Ästen und Reisig stößt, muss die ganze Gruppe warten, bis die Kollegen jeden Zweig umgedreht haben. Wenn die anderen so lange vorausgehen würden, würde die Reihe auseinanderreißen und die Beamten könnten den Überblick verlieren, wo sie schon gesucht haben und vielleicht etwas vergessen.

150 Polizistinnen und Polizisten waren im Einsatz, um 16 Uhr wurde die Aktion allerdings beendet - erfolglos.

(Foto: Stephan Rumpf)

Durchsucht werde etwa die Hälfte des Truderinger Walds, erklärt der Polizeisprecher Michael Riehlein. "Wir ziehen eine Linie zwischen Trudering und Waldperlach. Es wird vorwiegend die Seite Waldperlach durchsucht". Zwei Leichenspürhunde unterstützen die Polizisten. Die Hundeführer mahnen, ihre Kräfte zu schonen; wenn es so heiß ist wie an diesem Tag, werden die Hunde noch schneller müde.

Die Menschen allerdings auch. Die Polizisten haben sich Wasserflaschen in die Seitentaschen ihrer Uniformhosen gesteckt. Die Suchaktion ist am Morgen mit der Ansage gestartet, das zwei Quadratkilometer große Gelände so lange zu durchsuchen, wie die Kräfte reichen. Um 16 Uhr wird die Aktion ohne Ergebnis beendet.

In der Münchner Mordkommission arbeiten seit einer Woche 20 Ermittler daran, den Fall aufzuklären. Anfang der Woche hatte die Polizei die Öffentlichkeit noch einmal um Hilfe gebeten, sowohl Fotos des Tatverdächtigen als auch der beiden Autos der Familie veröffentlicht. Zeugen, die ihn oder die Fahrzeuge in der Zeit zwischen Freitag dem 12. und Sonntag 14. Juni gesehen haben, werden gebeten, sich bei der Polizei zu melden. Der Aufruf findet sich online unter bit.ly/Gertsuski.