Süddeutsche Zeitung

Verleihsystem:Wie sich die neuen MVG-Räder fahren

An einigen Stellen hakt es beim neuen Leihradsystem noch. Aber immerhin kommt man so mit anderen Nutzern in Kontakt.

Zum Start scheint noch recht wenig Betrieb zu sein beim neuen Radverleih. Die Dame am Servicetelefon der MVG jedenfalls geht prompt ran ans Telefon. Noch ehe man sein Problem konkret geschildert hat ("stehe am Olympiazentrum und das Schloss öffnet sich nicht"), hat sie es per Ferndiagnose schon behoben. Klick macht das Schloss. "Eine gute Fahrt", wünscht sie am Telefon. Und schon geht's los.

Seit vergangenem Freitag ist das neue Radverleihsystem der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) freigeschaltet. 1200 Fahrräder stehen nun stadtweit zur Verfügung, bislang verteilt auf 24 Standorte. Bis Ende des Jahres 2016 sollen 125 Radverleihstationen daraus werden. Beim offiziellen Startschuss am Freitag hatte Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) die Münchner aufgefordert, "die letzten Herbsttage zu nutzen". Na dann: Schau' ma mal.

Insgesamt acht Routen absolviert die SZ am ersten Wochenende zur Probe, unterwegs mit fünf verschiedenen Rädern. Mal in der Nacht, mal am Tag. Mal in den Außenbezirken, mal quer durch die City. Die Räder Nummer eins und zwei funktionieren tadellos. Das Anmieten über die neue Smartphone-App klappt ohne Probleme, ebenso die Rückgabe, sowohl an den Stationen wie auf freier Strecke innerhalb des definierten Rückgabegebiets.

Rad Nummer drei und vier bereiten Probleme

Rad Nummer drei dagegen scheint ein Montagsmodell zu sein. Nicht nur, dass die Ausleihe am Olympiazentrum zunächst nicht funktioniert und die Dame am (immerhin: kostenlosen) Infotelefon weiterhelfen muss. Nein, nach gut vier Kilometer lässt der Hinterreifen langsam Luft entweichen. Ein Platten! Zum Glück ist die nächste Station am Romanplatz nicht weit entfernt. Also: Rückgabe des defekten Rads. Und rasch ein Neues anmieten.

Bei dem dann, Rad Nummer vier also, hat der Mechaniker offenbar geschlampt. Nach gut einem Kilometer stellt man fest, dass der Sattel stückweise nach unten rutscht. Das Problem: Die Schnellspannerschraube an der Sattelstütze ist nur locker montiert, hält das Gewicht des Fahrers nicht aus. Also: Rauf aufs nächste Rad.

Wie Münchner auf die neuen Radl reagieren

Bei dem knackt dann nach einer Weile das Tretlager lauter, als es eigentlich sollte. Immerhin: Man kommt in Kontakt mit anderen Radlern. Die erkennen die neuen Räder am Design, vor allem an dem kleinen Gepäckträger vorn am Lenker. "Und", fragt ein junger Mann, "was taugen die Dinger?" Schwer sind sie: 23 Kilogramm bringt ein MVG-Rad auf die Waage. Und sie bieten relativ wenig Platz fürs Gepäck. Einen größeren Einkauf zu transportieren? Ohne zusätzlichen Rucksack wird das schwierig.

Ein anderer Radler berichtet, dass er sich schon ärgern musste: Denn eigentlich gewährt die MVG den Kunden, die ein Zeitkarten-Abo haben, einen Rabatt. Dies gilt aber nur für die, die das MVV-Abo bei der MVG abgeschlossen haben. Der Neu-MVG-Radler hat dagegen einen Abo-Vertrag mit der Bahn - und kriegt daher keinen Rabatt. "Das ist Quatsch", empört er sich. "Gibt es einen gemeinsamen Verbund oder nicht?"

Dann düst er los. Verärgert, aber relativ flott. Tatsächlich nimmt man mit dem Rad rasch Tempo auf. Am Samstagmittag stutzt ein Pärchen im Denninger Anger: "Da, schau mal, die neuen MVG-Radl", sagt die Frau zum Mann an ihrer Seite. "Der ist aber flott unterwegs." - "Klar", antwortet der Begleiter, "die haben ja alle einen Elektromotor." Das lässt den MVG-Radler kurz grinsen: Zwar will die MVG auch 50 Stromer in ihre Velo-Flotte aufnehmen. Die Pedelecs sollen aber frühestens Mitte 2016 Fahrt aufnehmen.

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SZ vom 13.10.2015/mmo
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