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Verkehrsplanung in München:Manche Verkehrsteilnehmer büxen einfach aus

Bessere Radwege, besserer Nahverkehr, und dann noch die Autofahrer, die auch schnell von A nach B kommen wollen. Was ist eigentlich mit den Fußgängern? Von denen hört man nicht so viel.

Das war lange so, aber es hat sich geändert. Früher war der Gehweg eben da, wo die Straße langging. Heute schaut man sich an: Was ist für Fußgänger die beste Verknüpfung zwischen zwei Plätzen? Verkehrsplaner sprechen von "Nahmobilität".

Kann man denn vorhersehen, welcher Weg am attraktivsten ist?

Zumindest für Kraftfahrzeuge sind die Simulationen mittlerweile sehr gut. In denen wird zum Beispiel darauf Rücksicht genommen, dass manche Autos schnell fahren und andere langsam. Man kann auch berechnen, wie es sich auswirkt, wenn eine Ampel zehn Sekunden länger grün ist. Aber klar, am Ende hat man es mit Menschen zu tun, bis ins Letzte vorhersehen kann man das nicht.

Wie bringt man einen Verkehrsteilnehmer dazu, den gewünschten Weg zu nehmen?

Man muss einfach ein richtig gutes Angebot schaffen: Die Hauptrouten liegen auf den richtigen Straßen, die Orte, an denen man die Straße queren kann, an der richtigen Stelle.

Das klingt schwierig.

Ja, da spielt wahnsinnig viel mit rein. Fußgänger und Radfahrer zum Beispiel empfinden einen kleinen Umweg als viel gravierender als ein Autofahrer. Manchmal muss man mit baulichen Maßnahmen nachhelfen, etwa ein Sperrgitter aufstellen, damit an dieser Stelle niemand die Straße quert.

Daran halten sich aber nicht alle.

Je flexibler ein Verkehrsteilnehmer ist, umso schwerer lassen sich Verbote durchsetzen. Die büxen dann einfach aus.

Zum Beispiel?

Ein Fußgänger kann über eine Absperrung klettern. Für Radfahrer ist das mühsam. Als Radfahrer kann ich dafür vielleicht noch in der falschen Richtung durch die Einbahnstraße. Als Autofahrer nicht mehr.

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Was für ein Thema wird die Stadtplaner in Zukunft umtreiben?

Wenn sich das Thema E-Mobilität weiter durchsetzt, wird das ein Thema werden. Dafür müssen dann ja im Stadtgebiet Ladestationen zur Verfügung stehen, die Reichweiten von Elektrofahrzeugen sind ja noch nicht so riesig. Dafür muss man Platz schaffen.

Und wenn nirgendwo Platz dafür ist?

Dann muss man vorhandene Flächen umwidmen, den Straßenraum neu aufteilen. Es ist nun mal so: Wenn man dem einen Verkehrsteilnehmer mehr geben möchte, muss man es dem anderen häufig nehmen.

So wie bei dem Radweg auf der Rosenheimer Straße . . .

Genau. Die Straße ist jeden Morgen zugestaut. Wenn man da eine Fahrspur wegnimmt, dann wird ein Teil der Fahrer auf andere Routen ausweichen. Ich will das nicht bewerten. Man muss sich immer überlegen: Für welchen Verkehrsteilnehmer gibt es welche Alternative? Schleichverkehr durch die Wohnviertel kann jedenfalls auch nicht das Ziel sein.