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Verkehrsplanung:Bau des Südrings wohl endgültig vom Tisch

Die baufällige Brücke über der Lindwurmstraße muss saniert werden. Hier soll auch ein neuer Bahnhof an der Poccistraße entstehen.

(Foto: Stephan Rumpf)
  • Der Südring als Alternative zum Bau einer zweiten Stammstrecke in München ist offenbar nicht mehr aktuell.
  • Tunnelgegner setzen seit Langem auf den Bahn-Südring als Alternative, doch Planer von Freistaat und Bahn setzen offenbar alles auf den Bau der zweiten Röhre.

Was wird, wenn aus dem geplanten zweiten S-Bahn-Tunnel nichts wird? Die Planer des Freistaats wie auch der Deutschen Bahn (DB) rechnen mit dieser Möglichkeit offenbar erst gar nicht. Vielmehr schreibt die DB einen Auftrag nach dem anderen für das Drei-Milliarden-Euro-Projekt aus. Verkehrspolitiker im Bund wie im Freistaat geben sich zuversichtlich, die Finanzierung bis zur Jahresmitte 2016 irgendwie zu stemmen. Einen Plan B scheint es nicht mehr zu geben. Interne Papiere des Freistaats, die der SZ vorliegen, belegen: Der Südring als Alternative zur zweiten Röhre ist wohl endgültig gestorben.

Tunnelgegner wie die Grünen und die Freien Wähler im Landtag, aber auch Bürger- und Verkehrsinitiativen aus der Stadt, setzen schon seit Langem auf den Bahn-Südring als Alternative. Die bestehende Südumfahrung der Innenstadt könne peu à peu ausgebaut und aufgerüstet werden, um dann zusätzliche S-Bahnen über die Strecke zu schicken, so die Idee. Neue Stationen an der Poccistraße und am Kolumbusplatz würden eine Verknüpfung zum U-Bahn-Netz herstellen.

Zweite Stammstrecke Nächster Halt: Gerichtshof
Zweite Stammstrecke

Nächster Halt: Gerichtshof

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Alternative zur zweiten Stammstrecke

Bis vor Kurzem wollte sich offenbar auch das Rathaus diese Variante als Alternative zur zweiten Stammstrecke offenhalten. Seit Monaten laufen Verhandlungen zwischen der Stadt und dem Freistaat, wer welchen Anteil an der Finanzierung für die Planungen des angedachten Regionalzughalts an der Poccistraße übernehmen soll. Zur Erinnerung: Stadt und Freistaat sind sich grundsätzlich einig, dass ein zusätzlicher Stopp dort für die Regionalzüge aus Rosenheim und Mühldorf sinnvoll wäre. Im Detail aber gibt es Streit.

Lange Zeit hatte die Stadt darauf bestanden, dass der neue Haltepunkt "aufwärtskompatibel" geplant werden müsse, eben für den Fall, dass der zweite S-Bahn-Tunnel - aus welchen Gründen auch immer - doch nicht realisiert werden kann. Das geht aus den internen Unterlagen des Freistaats hervor und wird von einer Sprecherin des bayerischen Verkehrsministeriums bestätigt.

Aufwärtskompatibel bedeutet, dass die neue Station an der Poccistraße von Anfang an so geplant würde, dass Bahnsteighöhen oder Weichen nötigenfalls relativ rasch angepasst werden können, wenn doch S-Bahnen über den Südring geführt werden müssten.

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Der Freistaat hat sich durchgesetzt

Der Freistaat lehnt eine solche Aufwärtskompatibilität jedoch strikt ab. Es sei "ausreichend", wenn an der neuen Haltestelle nur Regionalzüge halten könnten, erklärt die Ministeriumssprecherin.

Mittlerweile hat sich der Freistaat mit dieser Ansicht durchgesetzt: In einem Telefonat haben Verkehrsminister Joachim Herrmann (CSU) und Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) bereits im Sommer vereinbart, dass die Stadt auf ihre Forderung der Aufwärtskompatibilität verzichtet. Diese ist nun nicht mehr Voraussetzung für die Errichtung des neuen Haltepunkts für Regionalzüge an der Poccistraße - Plan B wäre damit vom Tisch.

Bei den Tunnelgegnern im Landtag sowie den Fahrgastverbänden der Stadt dürfte das Enttäuschung auslösen. Schließlich plädieren sie schon seit Langem dafür, die S-Bahn-Planungen nicht auf das zentrale Tunnelprojekt zu reduzieren, sondern kleinere Maßnahmen, für die schon jetzt genügend Geld vorhanden ist, anzugehen, diese Maßnahmen untereinander abzustimmen sowie aufeinander aufzubauen - und so das S-Bahn-Netz im Großraum Stück für Stück weiterzuentwickeln. Die Tunnelbefürworter auf allen politischen Ebenen indes stehen nun noch mehr in der Pflicht, die bis Mitte 2016 zugesagte Finanzierungsvereinbarung zwischen Bund, Land und Stadt unterschriftsreif vorzulegen.

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