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Verkehr:Besseres Carsharing, City-Maut und flexibler Arbeitsbeginn

Breiteres Carsharing-Angebot

Nach Schätzungen von Experten könnte bei einem ausreichend großen Angebot ein Carsharing-Wagen etwa zehn Privatautos ersetzen. Gäbe es 30 000 Carsharing-Autos in München, der Effekt wäre enorm. Derzeit gibt es nur 1680, von denen ein Großteil nicht einmal im ganzen Stadtgebiet genutzt werden kann. Zwar brüsten sich die Anbieter mit steigenden Kundenzahlen, doch je mehr sich an dem Modell beteiligen, desto seltener findet man inzwischen einen freien Wagen in seiner Nähe. Warum gibt es so wenige Carsharing-Autos? Und warum weitet man die Sharing-Modelle, wie sie etwa Drive Now und Car-2-Go anbieten, nicht auf das gesamte S-Bahn-Gebiet aus? Wenn die S-Bahn ausfällt, wäre das eine gute Alternative für geplagte Pendler. Zum Flughafen kann man ja auch schon mit dem Carsharing-Wagen fahren. Und der ist nun wirklich weit draußen.

Ein besseres Tarifsystem

Der MVV hat ein kluges und attraktives neues Fahrpreissystem entwickelt. Vor allem die München-Karte besticht: Es gibt für die ganze Stadt ein einheitliches Monatsticket für einen Preis. Oberbürgermeister Dieter Reiter und die SPD sträuben sich aber gegen die Kalkulation, weil Bürger in der Innenstadt zwar mehr Leistung bekämen, aber zehn Euro mehr im Monat zahlen müssten. Verglichen mit den Kosten fürs Auto ist das lächerlich, aber natürlich wäre das Ticket noch attraktiver, wenn es deutlich günstiger wäre. Dafür bräuchte es andere Einnahmequellen.

City-Maut

In London muss man für private Fahrten in der Innenstadt genauso zahlen wie etwa in Mailand, in Bergen oder in Stockholm. Aber die Idee einer City-Maut treibt viele Autofahrer hierzulande zur Weißglut. Dabei ist die Idee nicht dumm: Sie hielte viele davon ab, überhaupt ins Auto zu steigen, weil ihnen die Wege ums Zentrum herum zu weit sind. Und sie würde generell den Verkehr in der Innenstadt verringern. Die Maut muss ja nicht gleich für das gesamte Gebiet innerhalb des Mittleren Rings gelten; man könnte es durchaus enger schnüren. Die Erlöse der City-Maut müssen dem öffentlichen Nahverkehr zugute kommen. Das Argument, dass sich Besserverdiener generell nicht von der Maut oder von höheren Parkgebühren abschrecken ließen, mag in vielen Fällen zutreffen, aber sicher nicht in allen. Wer mit dem Auto ins Zentrum muss, weil er etwa einen größeren Einkauf zu transportieren hat, dem könnte der Einzelhandel Rabatte gewähren.

Andere Förderung durch den Bund

Als Befreiungsschlag aus der Diesel-Misere hat die Bundesregierung Pilotprojekte für einen kostenlosen öffentlichen Nahverkehr angekündigt. Das wäre in München Unsinn. U- und S-Bahn könnten den Massenansturm, den ein Gratis-MVV auslösen könnte, gar nicht bewältigen. Das Geld, das der Bund dafür ausgeben möchte, kann er besser investieren. Etwa so: Jährlich wird den von Schadstoffen besonders belasteten Metropolen ein hoher, dreistelliger Millionen-Betrag zur Verfügung gestellt, den diese in den Ausbau ihrer Bus- und Tramflotte oder aber in den Bau neuer Strecken investieren können. Das könnte auch das unsinnige Fördersystem ablösen, das es derzeit etwa beim Bau von U-Bahn-Strecken gibt. Der Bund zahlt nur mit, wenn rasch eine Wirtschaftlichkeit der Strecke nachgewiesen werden kann. Die Folge davon ist, dass in München jahrelang der U-Bahn-Ausbau zum Erliegen gekommen war, jetzt aber Strecken fehlen.

Flexibler Arbeits- und Schulbeginn

Wenn der Nahverkehr zu bestimmten Tageszeiten zu kollabieren droht, muss man ihn ausbauen oder aber die Belastung besser verteilen. Dabei könnten Firmen und Schulen helfen. In Betrieben, die auf S-Bahn-Verkehr angewiesen sind, hat eine feste Regelarbeitszeit angesichts der Unzuverlässigkeit des Systems einfach keinen Sinn, mehr Heimarbeit aber schon. Dass der Schulunterricht um acht Uhr beginnt, hat in Bayern Tradition, führt in München aber täglich zwischen sieben und acht Uhr zu völlig überfüllten Bahnen und Bussen, obwohl die MVG jeden Morgen zusätzliche Fahrzeuge einsetzt. Eine Staffelung des Unterrichtsbeginns an Schulen um 30 bis 45 Minuten würde eine spürbare Entlastung bringen, wurde errechnet. Am Truderinger Gymnasium beginnt der Unterricht daher erst um 8.15 Uhr. Das spart der MVG Busse, Pendlern wie Schülern Nerven und kostet: nichts.

© SZ vom 10.03.2018/huy

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