VerkehrWie der Zebrastreifen in die Bundesrepublik kam

Lesezeit: 2 Min.

Vor 70 Jahren wurden in München zwölf Fußgängerüberwege markiert - eine Premiere in Deutschlands Westen. Doch am Anfang war die Skepsis der Passanten groß.

Von Andreas Schubert

Die Londoner Abbey Road hat den wohl berühmtesten, München immerhin hatte den ersten im damaligen Westen Deutschlands. Am 18. Juli vor 70 Jahren wurden in Bayerns Landeshauptstadt zwölf Zebrastreifen markiert - eine Premiere in der Bundesrepublik; die DDR war mit einem Verkehrsversuch am Bahnhof Schöneweide in Ostberlin vier Monate früher dran.

Die Idee kam aus Großbritannien, wo 1949 mit ersten Überwegen experimentiert wurde, die zunächst noch in Blau und Gelb markiert waren. Im selben Jahr legten die Vereinten Nationen die längs zur Fahrbahn verlaufenden Markierungen als Fußgängerüberweg fest. 1952 kamen die inzwischen weißen zebra crossings dann auch in Deutschland an. "Goldene Brücken für Fußgänger" titelte die Süddeutsche Zeitung damals und übernahm den Namen "Zebras" und "Zebrastreifen" aus dem Englischen - die offizielle Bezeichnung lautet Fußgängerüberweg.

Die Skepsis der Passanten war groß, da zunächst für Autofahrer nur galt, ihnen das Überqueren der Straße "in angemessener Weise zu ermöglichen". In den ersten Wochen stellte die Münchner Polizei extra Beamte dazu ab, den Fußgängern über die Straße zu helfen. An den Einfallsstraßen mahnten Schilder die Autofahrer zur Vorsicht an den neuen Markierungen.

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Obwohl der Zebrastreifen 1953 in der Straßenverkehrsordnung auftauchte, müssen Kfz-Lenker dort erst seit 1964 verbindlich anhalten. Die Haltepflicht führte dazu, dass zum Beispiel Berlin die Überwege nach und nach wieder abschaffte, um den Verkehrsfluss nicht zu behindern. In den Neunzigerjahren waren in der Hauptstadt von mehr als 1000 nur noch knapp 100 übrig. Inzwischen sind es wieder rund 600.

Zebrastreifen gibt es auf der ganzen Welt. Ob man an ihnen heil über die Straße kommt, ist eine Frage, wo man sich gerade befindet. In vielen Ländern nehmen Auto- und Motorradfahrer die Fußgängerüberwege trotz saftiger Strafen eher als unverbindliche Empfehlung wahr. In Thailand etwa ignorieren laut lokalen Medienberichten 90 Prozent die Markierungen. Reiseportale warnen alle Jahre wieder generell davor, im Ausland allzu leichtfertig den Fuß auf die Straße zu setzen.

In London ist das anders: Am berühmten Zebrastreifen an der Abbey Road kann man dank einer Webcam jeden Tag die Geduld der Autofahrer beobachten, die brav warten, wenn Touristen wieder mal das Beatles-Cover von 1969 fürs Foto nachstellen. In Deutschland ist die Disziplin ebenfalls gut, aber lange noch nicht zufriedenstellend. 2021 kamen hierzulande 14 Menschen an Zebrastreifen ums Leben, 517 wurden schwer, 3044 leicht verletzt. Das ist verglichen mit früheren Zahlen eine Verbesserung.

In München, wo es aktuell 400 Zebrastreifen gibt, werden es so schnell nicht mehr werden. Denn neue zu markieren, ist für Kommunen wegen einer Menge Regeln gar nicht so einfach. Unter anderem braucht es in Spitzenzeiten pro Stunde mindestens 50 Fußgänger und 200 Fahrzeuge, in Tempo-30-Zonen sind Zebrasteifen nicht erwünscht, ebenso nicht in der Nähe von Ampeln. Der allererste Zebrastreifen in der Neuhauser Straße ist übrigens längst verschwunden, dort befindet sich seit 50 Jahren eine Fußgängerzone.

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