Süddeutsche Zeitung

Verkehr:Tüfteln am Tunnel

Für eine Anbindung der Schleißheimer Straße an die Autobahn A 99 favorisieren die Verkehrsplaner deren direkte Verlängerung unter dem Naturschutzgebiet Nordhaide hindurch. Geprüft werden aber sieben denkbare Varianten

Ziemlich genau fünf Jahre hat es gedauert seit dem Stadtratsbeschluss vom 22. Oktober 2014, bis die Münchner Stadtverwaltung nun ein detaillierteres Konzept zu einer Anbindung der Schleißheimer Straße an die Autobahnumgehung A 99 und zum weiteren Vorgehen auf den Tisch legen konnte. Genauer gefasst handelt es sich um die nun erarbeiteten "Voraussetzungen für die Einleitung einer Vorplanung". Das federführende Baureferat hat dem Stadtrat bereits Anfang Juli insgesamt sieben denkbare Tunnelvarianten vorgelegt, die nun weiter untersucht werden. Eine Abstimmung im Rathaus war dafür nicht nötig, der gegenwärtige Stand der Planungen wurde lediglich bekannt gegeben und hat jetzt auch die örtlich betroffenen Bezirksausschüsse Schwabing-Freimann, Milbertshofen-Am Hart und Feldmoching-Hasenbergl passiert.

Bei den bisherigen Untersuchungen ist einmal mehr deutlich geworden, dass neben technischen Herausforderungen wie einer Querung des U-Bahnhofs Dülferstraße vor allem der Naturschutz dem Projekt im Wege steht. Um die für ein Bauen im Naturschutzgebiet auf der Nordhaide nötige Ausnahmegenehmigung überhaupt erhalten zu können, muss ein erhebliches öffentliches Interesse nachgewiesen werden. Und es muss gezeigt werden, dass zumutbare Alternativen nicht vorhanden sind. Für die Planung bedeutet das, dass alle Alternativen ernsthaft und, wie es heißt, "ergebnisoffen" geprüft werden müssen.

Immerhin geklärt ist, dass eine Querung des Bahnhofs Dülferstraße durch einen Tunnel mit je zwei Fahrspuren pro Richtung grundsätzlich realisierbar, wenngleich mit Konsequenzen etwa für den U-Bahn-Brandschutz und die -Fluchtwege verbunden ist. Da die neue Achse als Kreisstraße einzustufen ist, zieht dies zudem die Verpflichtung nach sich, eine Planfeststellung mit Umweltverträglichkeitsprüfung vorzunehmen. Die ebenfalls nötige europaweite Ausschreibung der Planung ist bereits abgeschlossen. Ende November 2018 habe man den Auftrag an eine Planungsgemeinschaft vergeben können, heißt es im Papier von Baureferentin Rosemarie Hingerl. Damit sind auch weitere Detailplanungen angelaufen, das Baureferat listet insgesamt 18 Einzelbausteine auf.

Das eigentliche Tunnelprojekt in der klassischen Variante geradewegs in Verlängerung der Schleißheimer Straße, das nach wie vor favorisiert wird, besteht aus dem Neubau großteils entlang der Achse der bestehenden Fahrbahn sowie einer Querung unter der A 99 mit einer Grundwasserwanne sowie der Anbindung an die bestehende Verkehrsinfrastruktur in Form einer Rampe zum Portal Süd, einer Rampe für eine Zwischeneinfahrt südlich der Neuherbergstraße, jeweils einer Ein- und Ausfahrtsrampe nördlich der Dülferstraße im Bereich des Einkaufszentrums Mira sowie der Anbindung an die A 99 im Bereich des Nord-Portals. Am südlichen Eingang und im Rampenbereich sind außerdem Lärmschutzwände vorgesehen.

Zu den insgesamt sechs Alternativen zählt ein Tunnel unter der Nordhaide (ehemals Panzerwiese), der entlang der bestehenden Schleißheimer Straße bis circa 100 Meter nördlich des U-Bahnhofs Dülferstraße verläuft, danach in östlicher Richtung quer durch die Heidelandschaft bis zur Ingolstädter Straße. Die Autobahnanbindung würde über die Anschlussstelle Neuherberg erfolgen. Die Variante "Neuherbergstraße" verläuft ebenfalls entlang der Schleißheimer Straße bis zur Neuherbergstraße, danach in deren Verlauf bis zur Ingolstädter Straße, ebenfalls mit einem Autobahnanschluss in Neuherberg. Der Tunnel Hasenbergl weicht von der Schleißheimer Straße circa 300 Meter nördlich des U-Bahnhofs Dülferstraße ab, verläuft danach westlich zur Aschenbrennerstraße bis zur Kleingartenanlage mit anschließendem Richtungswechsel zum Autobahndreieck Feldmoching (Autobahnen A 99 und A 92). Denkbar ist auch ein Tunnel im Grünzug zwischen dem Hasenbergl und Feldmoching: Er würde in westlicher Richtung entlang der Achse der Augustin-Rösch-Straße mit Führung in Richtung des Autobahnkreuzes A 99/A 92 durch nicht bebaute beziehungsweise landwirtschaftliche Flächen geführt. Das Konzept "Ingolstädter Straße" verläuft entlang der Achse der bestehenden Ingolstädter Straße ab Höhe Sudetendeutschestraße bis auf Höhe des Bundesamtes für Strahlenschutz in Neuherberg. Die Autobahnanbindung würde wiederum über die Anschlussstelle Neuherberg erfolgen. Der Tunnel Rathenaupark unter dem sogenannten Rathenaupark bis zur Ingolstädter Straße berücksichtigt eine mögliche Trasse der U 26, der optionalen Spange zwischen den U-Bahn-Linien 2 und 6. Von dort aus ginge es entlang der Achse der Ingolstädter Straße bis auf Höhe des Bundesamtes für Strahlenschutz.

Ziel aller Variantenuntersuchungen ist die maximale Reduzierung von Routenlängen und Reisezeiten aller Verkehrsteilnehmer in diesem Teil des Münchner Nordens, außerdem eine Reduzierung des Durchgangsverkehrs. Damit eine neue Autobahn-Anschlussstelle möglich wird, hat das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur dem Vorhaben zuzustimmen. Tatsächlich den Startschuss für das Projekt und die letztlich zu verfolgende Tunnelvariante geben muss der Münchner Stadtrat. Die Regierung von Oberbayern müsste dann ein Planfeststellungsverfahren einleiten, das soll idealerweise im Jahr 2021 geschehen. Im Planfeststellungsverfahren werden die Planungen dann auch mit der Gemeinde Oberschleißheim und dem Landkreis München abgestimmt.

Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es bisher keine kritischen Wortmeldungen aus den Vierteln. Auch die Lokalpolitiker aus Schwabing-Freimann nahmen als letzte das Vorhaben in ihrem Feriensenat am vergangenen Dienstagabend lediglich zur Kenntnis.

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Quelle:
SZ vom 16.08.2019
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