Verkehr Keine Trambahn im Englischen Garten

Stadtwerke wollen Verbindung zwischen Schwabing und Bogenhausen nun gerichtlich durchsetzen.

Von Frank Müller

(SZ vom 21.5.2001) - Die umstrittenen Pläne der Stadt für eine Trambahn durch den Englischen Garten stehen offenbar vor dem Scheitern.

Die Regierung von Oberbayern will als Genehmigungsbehörde nach Informationen der SZ schon in dieser Woche ihr Veto gegen das Projekt einlegen. Dem Rathaus bliebe damit nur noch der Rechtsweg offen, um die Straßenbahn doch noch durchzusetzen.

Die 2,2 Kilometer lange Strecke zwischen Bogenhausen und Schwabing würde auf der bisherigen Busroute durch den Englischen Garten verlaufen.

Eines der umstrittensten Projekte der Stadt

Sie ist seit langem eines der am meisten umstrittenen Verkehrsprojekte in der Stadt. Für den Bau ist ein so genanntes Planfeststellungsverfahren erforderlich, welches die dem Freistaat unterstehende Regierung von Oberbayern durchführt.

Das Ergebnis des aufwändigen Verfahrens liegt nun vor, ist aber noch unter Verschluss. Dennoch sickerte durch, dass die Behörde die Pläne verbieten will.

Möglicherweise soll die Entscheidung schon am heutigen Montag verkündet werden. Von der Regierung war am Sonntag aber keine Bestätigung zu erhalten.

Über Gründe für Veto kann nur spekuliert werden

Über die zu erwartende Begründung für das Veto der Regierung kann daher nur spekuliert werden. Vermutlich dürften sich die Beamten der Meinung der zahlreichen Schwabinger Gegner des Projekts angeschlossen haben, die sich in Bürgerinitiativen organsiert haben.

Sie halten die Pläne vor allem aus ökologischer Sicht für nicht tragbar. Der Bau der Straßenbahn hätte Eingriffe ins Wurzelwerk und in die Baumkronen zur Folge. Außerdem müssten große Masten entlang der Trasse errichtet werden.

Daher würden die Pläne eine "Schneise der Verwüstung" durch den beliebten Park schlagen, warnen die Gegner.

Dem schloss sich im OB-Wahlkampf 1999 auch die CSU an, die das Projekt zuvor im Stadtrat noch unterstützt hatte.

Klaus Bäumler (CSU), Vorsitzender des Bezirksausschusses Maxvorstadt und einer der Wortführer des Protests, meinte gestern, sollte die Regierung tatsächlich beim nein bleiben, dann handle es sich um einen "Freudentag".

Ähnlich äußerte sich Waldemar Palten, der frühere langjährige Chef des Englischen Gartens und jetzige Sprecher der Bürgerinitiative "Rettet den Englischen Garten".

OB Christian Ude bleibt gelassen

OB Christian Ude, dessen rot-grüne Mehrheit die Trambahn stets vorantrieb, kommentierte die Entwicklung dagegen mit Gelassenheit. Mit einer Ablehnung durch die Regierung sei zu rechnen gewesen, seitdem Finanzminister Faltlhauser als Grundeigentümer im Jahre 1999 die Zustimmung des Freistaats zu der Trasse zurückgezogen hatte, sagte Ude der SZ.

Die Stadtwerke als Trambetreiber würden nun umgehend vor Gericht gehen, kündigte der OB weiter an. Über die daraus auf alle Fälle entstehende Verzögerung zeigte sich Ude nicht unglücklich. So werde das Thema wenigstens aus dem Wahlkampf herausgehalten. Am 3. März 2002 finden OB- und Stadtratswahlen statt.

Die so genannte Nordtangente durch den Englischen Garten ist Teil einer Trambahn-Ringlinie, welche in großen Teilen bereits fertig ist. Schon seit einigen Jahren gibt es eine Neubaustrecke durch die Franziskaner-/Steinstraße (Au/Haidhausen). Auch in Westen wurde gebaut. Die Stadtwerke versprechen sich von der Ringlinie eine Ergänzung des sternförmigen MVV-Systems.