Verkehr in München Tram durch den Englischen Garten kommt

So sollte die Akku-Tram aussehen.

(Foto: Simulation: SWM/MVG)
  • Ministerpräsident Horst Seehofer spricht sich für eine Trambahn durch den Englischen Garten aus.
  • Der Freistaat Bayern ist Eigentümer des Parks, bislang verweigerte sich das Land dieser Idee konsequent. Die Stadt München dagegen fordert die Tram schon lange.
  • Der Münchner CSU-Chef Spaenle hat sich gegen Seehofers Entscheidung ausgesprochen.
Von Andreas Schubert

Die Tram durch den Englischen Garten kommt. Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) hat Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) zugesagt, dass die Staatsregierung die Tram durch den Park nicht weiter blockieren wird. Dies teilte das Rathaus am Freitag mit.

"Das ist ein Durchbruch im jahrelangen Ringen um dieses wichtige Projekt und eine sehr gute Nachricht für die Münchnerinnen und Münchner", kommentiert Reiter die Kehrtwende der Staatsregierung. "Ich freue mich, dass sich jetzt der Ministerpräsident der Sache angenommen hat." Der Freistaat ist Eigentümer des Englischen Gartens und hat die Pläne für eine Tram jahrelang abgelehnt.

Noch vor einer Woche ließ Finanzminister Markus Söder (CSU) erklären, der Park dürfe nicht zerteilt werden. Durch die notwendigen technischen Einbauten wie Schienen, Signalanlagen und Warnschilder seien massive Eingriffe in den Englischen Garten zu erwarten. Zudem müsste wegen der dann außen verlaufenden Radwege die Straße verbreitert werden. Man plane hingegen eine Verschmälerung.

Reiter betonte am Freitag, diese ablehnende Haltung gegen eine batteriebetriebene und umweltfreundliche Tram habe er noch nie nachvollziehen können. Noch am selben Tag wolle er die Verwaltung beauftragen, möglichst schnell eine Beschlussvorlage zu erarbeiten und dem Stadtrat zur Entscheidung vorzulegen.

Gar nicht glücklich darüber ist hingegen der Münchner CSU-Chef Ludwig Spaenle. Er sagte zu Seehofers Vorstoß: "Die CSU München lehnt nach wie vor dieses Projekt ab."

Die Tram-Nordtangente ist aus Sicht des Rathauses ein wichtiger Baustein für den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) in München. Mit neuen und attraktiven Direktverbindungen zwischen den einwohnerstarken Stadtteilen Neuhausen beziehungsweise Schwabing und Bogenhausen sollen sowohl die U-Bahnlinien als auch die Umsteigestationen in der Innenstadt entlastet werden, da mehr Fahrgäste direkt und schnell nördlich an der Innenstadt vorbeifahren. Zudem soll sie das Straßennetz entlasten und sei, so heißt es aus dem Rathaus, schnell realisierbar.

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Bereits 1998 hatten die Stadtwerke München (SWM) bei der Regierung von Oberbayern die Einleitung eines Planfeststellungsverfahrens für die Straßenbahnstrecke durch den Englischen Garten beantragt. Dieser Antrag wurde 2001 abgelehnt, mit der Begründung, dass die Oberleitung das Gartendenkmal Englischer Garten beeinträchtigen würde. Dies ist inzwischen hinfällig: Die Tram kann die Strecke durch den Englischen Garten heute per Akkubetrieb zurücklegen, eine Oberleitung ist nicht mehr notwendig.