Verkehr in München Mehr rote Ampeln für bessere Luft an der Prinzregentenstraße

Ein Teilstück der Prinzregentenstraße in Bogenhausen soll durch die Umprogrammierung diverser Ampeln entlastet werden.

(Foto: Alessandra Schellnegger)
  • Um die Schadstoffbelastung an der Prinzregentenstraße zu reduzieren, sollen Ampeln umprogrammiert werden.
  • Außerdem soll eine Busspur geprüft werden, damit würden aus vier Fahrspuren für Autos nur noch zwei.
  • CSU und Bayernpartei kritisieren, die Maßnahmen würden Autofahrer behindern.
Von Dominik Hutter

So richtig glücklich war Dieter Reiter mit dem Vorschlag seiner Verwaltung nicht: Eine Umprogrammierung diverser Ampeln solle bewirken, dass weniger Autos in den Bogenhausener Abschnitt der Prinzregentenstraße einfahren. Dort misst ein sogenannter Passivsammler die Stickstoffdioxid-Belastung, die deutlich höher ist als die EU erlaubt.

Eine Gesamtlösung der Münchner Verkehrsproblematik sei sinnvoller als der Spot auf ein "Teilstück von 300 Metern, wo eine Messstelle steht", findet der Oberbürgermeister. Letztlich aber trug auch Reiter den Vorschlag mit, den Verkehr durch eine "Zuflussdosierung" per Ampel um 15 Prozent zu reduzieren. Seine SPD setzte noch eins drauf - zur Freude der Grünen, die dies schon ohne Erfolg vor einigen Monaten gefordert hatten: Eine Busspur soll geprüft werden - was im Klartext bedeutet, dass dann aus vier Fahrspuren für Autos nur noch zwei würden. Auch dieser Antrag erhielt eine Mehrheit im Stadtratsplenum.

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Nicht nur Teile der Opposition, sondern auch die CSU schrie Zeter und Mordio. Erst vor Kurzem sei der Wegfall von Fahrspuren auf der Ludwigsbrücke beschlossen worden. Wird jetzt auch noch die Prinzregentenstraße zwischen Ismaninger Straße und Prinzregentenplatz verengt, sei der Münchner Osten autotechnisch praktisch abgehängt, warnt CSU-Stadtrat Sebastian Schall. "Sie wollen die Autos behindern, da ist Ihnen jedes Mittel recht", schimpfte Johann Altmann (Bayernpartei) an die Adresse der sich bereits in der Debatte abzeichnenden Mehrheit.

Und CSU-Fraktionschef Manuel Pretzl erinnerte daran, dass die ganze Diskussion ja auf eine Untersuchung des Landesamts für Umwelt zurückgehe, die zum Ergebnis habe, dass der wirkungsvollste Beitrag zur Senkung der Stickoxid-Belastung die Verkehrsreduzierung um 15 Prozent bei Beibehaltung aller Fahrspuren gewesen sei. Die Busspur sei erst der zweite Schritt - falls der erste nicht ausreiche. In den Augen von FDP-Fraktionschef Michael Mattar ist eine neue Busspur ja prinzipiell überlegenswert. Nur: Lohnen müsse es sich halt, und das sei erst dann der Fall, wenn die Busse in deutlich kürzeren Abständen fahren. Aktuell rollt in der Prinzregentenstraße die Linie 100 im Zehn-Minuten-Takt.

Es wird schnell grundsätzlich im Münchner Stadtrat, wenn es um Busspuren, Radwege oder die hohe Luftbelastung geht. Und es zeichnet sich ab, wie es in den kommenden Monaten weitergeht - bis bei der Kommunalwahl die Karten neu gemischt werden: mit Beschlüssen, die eine Verkehrswende zum Ziel haben. Und daher den Münchner Autofahrern nicht besonders schmecken dürften.

"Es ist nicht mein Ziel, die Bevölkerung zu ärgern", versichert Reiter, der seit einigen Monaten deutlich energischer in Richtung ökologische Verkehrspolitik marschiert. Es gehe nicht um einen Wettbewerb, möglichst viele Fahrspuren oder Parkplätze wegzunehmen, so der OB. Aber die Luft müsse sauberer, die gesetzlichen Vorgaben eingehalten werden. Also auch in der Prinzregentenstraße, die nicht allein dasteht: In der Landshuter Allee, Tegernseer Land- und Chiemgaustraße ist die Belastung ebenfalls zu hoch, und auch noch einige weitere Straßenabschnitte bedürfen der Aufmerksamkeit der Politik. In der Prinzregentenstraße soll die Buslinie 100 auf Elektrofahrzeugen umgestellt werden. Die es aber noch nicht in so großer Zahl auf dem Markt gibt, wie es sich die Stadt wünscht.

Die nötigen Technologien seien nicht verfügbar, aber der Stadtrat tue mit seiner "Deklarationspolitik" so, als könne man sie einsetzen, wetterte CSU-Stadtrat Richard Quaas, der erst einmal einen prüfenden Blick auf das angeblich völlig marode U-Bahn-Netz empfahl. Was SPD-Fraktionschef Alexander Reissl auf den Plan rief, der Quaas indirekt vorwarf, verbotenerweise aus dem Aufsichtsrat der MVG geplaudert und so eine heillos übertriebene Darstellung der Münchner U-Bahn-Probleme in einer Boulevardzeitung provoziert zu haben. Quaas reagierte mit einem wenig salonreifen Zwischenruf - und fing sich eine ernste Rüge Reiters ein. Der OB will nun die Rechtsabteilung prüfen lassen, ob der Kraftausdruck eine juristisch relevante Beleidigung darstellt. Quaas entschuldigte sich und versicherte später der SZ, nicht die "undichte Stelle" zu sein.