Verkehr Dicke Luft

Brennpunkt: Der südliche Abschnitt der Schleißheimer Straße - hier die Kreuzung mit der Heßstraße - zählt zu den neuralgischen Stellen, für die sich Anwohner ein konsequentes Einbremsen des Verkehrs von der Stadt erwarten.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Die Maxvorstadt gilt als sehr lebenswerter Stadtbezirk - doch es häufen sich die Verkehrsprobleme, wie bei der Bürgerversammlung deutlich wird. Rigorose Ideen finden allerdings keine Mehrheit

Von Stefan Mühleisen, Maxvorstadt

Von Stadtplanern und auch Immobilienmaklern wird die Maxvorstadt immer wieder gerühmt für ihre urbane Topografie. Die schachbrettartige Struktur, die dichte Bebauung mit einer Vielzahl von Kultureinrichtungen und Kneipen - das großstädtische Flair dieses innenstadtnahen Stadtteils wird geschätzt. Allerdings zählen zum urbanen Lebensgefühl auch laute und stinkende Begleiterscheinungen: Der Verkehr wird immer dichter in diesem ohnehin schon verdichteten Stadtbezirk - und die Maxvorstädter nehmen das nicht still hin, wie am Donnerstagabend bei der Bürgerversammlung deutlich wurde.

Nachdrücklich forderte nahezu ein Dutzend der gut 200 Besucher im Sophiensaal des Landesamtes für Steuern Verbesserungen an Brennpunkten. Deutlich wurde dabei, dass Teile der Bevölkerung - aber nicht die Mehrheit - inzwischen auch radikalen Lösungen zugeneigt sind. Eine Frau forderte, den Altstadtring für den Individualverkehr zu sperren, die Fahrspuren den Fahrradfahrern zuzusprechen. Der Antrag fiel nur knapp durch. Die Mehrheit fand das dann wohl doch zu extrem, wenngleich es eindeutigen Zuspruch gab für ein konsequentes Einbremsen an neuralgischen Stellen im Stadtbezirk.

Die Versammlung folgte etwa dem Gesuch zweier Anwohner, die Schleißheimer Straße im Abschnitt zwischen Gabelsberger Straße und Theresienstraße zur verkehrsberuhigten Zone zu machen beziehungsweise dort Tempo 30 auszuweisen. "Wer hier fährt, wird geradezu dazu eingeladen, Vollgas zu geben", argumentierte ein Antragsteller. Nicht weit entfernt, an der Lothstraße, herrscht nach den Worten einer Bürgerin eine "erschreckende Verkehrssituation". Sie sprach von einer "Rennstrecke" zwischen Heß- und Infanteriestraße - und bekam große Zustimmung für ihren Antrag, diesen Bereich zur Tempo-30-Zone umzuwidmen; auch auf der Maßmannstraße soll die Stadt nach dem Willen der Bürgerschaft die Autos zum langsamen Fahren verdonnern.

Den Bürgern im Umfeld des Maßmannparks und des St.-Benno-Viertels stinkt die Verkehrsbelastung unterdessen im Wortsinne: Mehrfach wurde über die Abgasbelastung geklagt, eine Frau sprach von "sagenhaft schlechter Luft". Da nahm es nicht Wunder, dass ein Meer von hochgereckten Abstimmungskarten Unterstützung für den Antrag anzeigte, an der viel befahrenen Kreuzung Dachauer Straße/Sandstraße/Gabelsbergerstraße eine Messstation einzurichten, deren Daten zudem regelmäßig zu veröffentlichen seien.

Ein junges Ehepaar lenkte den Blick der Besucher auf eine offenbar gefährliche Stelle an der Zieblandstraße, am Südwesteck des Alten Nordfriedhofs. Sie traten als Vertreter der dortigen Kindertagesstätte auf und berichteten von haarsträubenden Erlebnissen der Erzieherinnen, wenn diese mit den Kindern die Straße queren wollten. Von einem Autofahrer zum Beispiel, der mit quietschenden Reifen um die Ecke gebogen sei und mutmaßlich "die Kinder einfach weggeräumt hätte", wären diese auf der Straße gewesen. Der Lösungsvorschlag des Paares, der mit großer Mehrheit angenommen wurde: eine Querungshilfe, sei es ein Zebrastreifen oder eine Fußgängerampel, zwischen Teng- und Luisenstraße. Da dürfte übrigens auch ein Antrag der Fraktion Grüne/Rosa Liste im Stadtrat auf Wohlgefallen stoßen: Die Fraktion dringt auf einen "fahrradfreundlichen Straßenbelag" für das Südende der Tengstraße; außerdem soll sie auf der kompletten Länge zur Fahrradstraße umgewidmet werden, so der Wunsch.

Allzu rigorose Ideen, etwa die Sperrung des Altstadtrings, billigt eine Mehrheit der Maxvorstädter aber nicht, zumindest wenn man das Abstimmungsverhalten bei der Bürgerversammlung als Gradmesser nimmt. Eine Anwohnerin der Lothstraße scheiterte etwa mit ihrem Antrag, die Buslinie 153 aus der Lothstraße zu verbannen, da diese eine übermäßige Belastung für die Wohnbevölkerung darstelle. Das Gros der Versammlung ließ sich von den Ausführungen eines MVG-Mitarbeiters überzeugen, demgemäß die Linie mit 1400 Fahrgästen pro Tag gut ausgelastet sei.

Und auch wenn es um das Nachtleben im Univiertel geht, sind die Nerven der Anwohner offenbar nicht so strapaziert, als dass sie ein gestrenges Einschreiten wünschen würden. So bekamen zwei Anwohnerinnen eine Abfuhr für ihren Antrag, den Lokalen in der Türkenstraße eine Sperrstunde um 22 Uhr zu verordnen. Bis drei Uhr nachts werde da auch werktags auf der Straße gefeiert, war zu hören. Doch eine 22-Uhr-Grenze verstößt gegen die geltende Rechtslage, wie ein Vertreter des Kreisverwaltungsreferats deutlich machte. Allerdings: Die Verkehrssituation in der Türkenstraße sah die Mehrheit der Versammlung als alles andere als bereichernd für das Lebensgefühl an. "Eklatant gefährlich", nannte es jene Frau, deren Sperrstunden-Vorstoß abgeschmettert wurde. Ihr Wunsch nach mehr Polizeikontrollen in der Türkenstraße wurde aber allseits goutiert.