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Verhandlung:Aus heiterem Himmel

Gabriele Kröner fordert eine Ehrenerklärung des Ex-Arbeitgebers.

(Foto: Robert Haas)

José-Carreras-Stiftung suspendiert Geschäftsführerin

Von Stephan Handel

Die Spanier kamen morgens um halb elf - zehn Minuten später war Gabriele Kröner ihren Job los. Bis zum Besuch aus Barcelona agierte Kröner als geschäftsführender Vorstand der José-Carreras-Leukämie-Stiftung. Seit dem 11. Oktober ist sie von allen ihren Funktionen abberufen beziehungsweise freigestellt. Bei einem ersten Gerichtstermin in dieser Angelegenheit am Dienstag vor dem Landgericht wurde deutlich, wie tief der Graben zwischen den beiden Seiten und die Verletzungen bei Gabriele Kröner sind - aber auch, dass es die Möglichkeit auf eine einvernehmliche Trennung gibt.

Der weltberühmte spanische Tenor José Carreras gründete die Stiftung 1988 in seinem Heimatland, nach dem er selbst eine Leukämie überwunden hatte. Mitte der Neunziger Jahre folgte die Gründung in Deutschland, zunächst als Verein, danach zusätzlich als Stiftung. Aus den Stiftungsmitteln werden nach eigenen Angaben "innovative medizinische Forschungsprojekte im Kampf gegen Leukämie und verwandte Blutkrankheiten finanziert, wichtige neue Infrastrukturmaßnahmen auf den Weg gebracht sowie soziale Angebote für Patienten und deren Angehörige finanziert". Gabriele Kröner begann ihre Arbeit in der deutschen Stiftung 2011, seitdem hat sie, wie sie sagt, 100 Millionen Euro an Spendengeldern eingesammelt.

Umso unverständlicher, meint Kröner, sei deshalb die Suspendierung aus heiterem Himmel - und die Behandlung, die ihr an jenem 11. Oktober widerfahren sei: Nicht nur habe sie sofort alle Schlüssel abgeben müssen, es sei ihr auch verwehrt worden, persönliche Gegenstände aus dem Büro in der Elisabethstraße mitzunehmen, am Ende sollte sogar ihre Handtasche durchsucht werden - was die Anwälte der Stiftung bestreiten. Am Schlimmsten aber für Kröner: Banken und andere Geschäftspartner der Stiftung seien ohne Angabe von Gründen informiert worden, dass sie nicht mehr Geschäftsführerin sei - das habe natürlich zu Spekulationen darüber geführt, dass sie sich etwas habe zuschulden kommen lassen. Zwar schrieben die Stiftungsanwälte zu Kröners Empörung in Schriftsätzen von Unregelmäßigkeiten bei der Spesenabrechnung, dieser Vorwurf kam in der Verhandlung jedoch nicht mehr zur Sprache, auch eine Strafanzeige oder ähnliches gibt es nicht.

So bleiben die Gründe für die Trennung zunächst im Dunklen - aus anderen Quellen ist zu hören, dass es bei der spanischen Stiftung wohl Begehrlichkeiten finanzieller Art gegen die ungleich erfolgreichere, rechtlich komplett eigenständige deutsche Organisation gab - und dass Kröner sich mit Verweis auf das deutsche Stiftungsrecht dagegen gewehrt habe. In der Verhandlung am Dienstag legte Kröners Anwalt den Entwurf eines Aufhebungsvertrags vor: Dieser beinhaltet eine Zahlung der Stiftung an Kröner von knapp 260 000 Euro, bestehend aus ausstehenden Spesenabrechnungen, Boni und einer Abfindung, sowie, und das scheint ihr mit am wichtigsten zu sein, eine Ehrenerklärung für sie. Darüber werden die Anwälte nun verhandeln. Ihre Privatsachen aus dem Büro darf sie am Mittwoch in Anwesenheit der Anwälte abholen, von 17 bis 19.30 Uhr, wenn die Mitarbeiter schon nach Hause gegangen sind.

© SZ vom 06.11.2019
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