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Vergewaltigung in München:Wie die Polizei dem Tatverdächtigen so schnell auf die Spur kam

Pressekonferenz zur Vergewaltigung einer Elfjährigen in München mit Ignaz Raab von der Polizei

Ignaz Raab leitet als Chef des für Sexualdelikte zuständigen Kommissariats 15 die Ermittlungen.

(Foto: Peter Kneffel/dpa)

Keine 48 Stunden nach der Vergewaltigung einer Elfjährigen erfolgte der Zugriff - dank Rechtsmedizin, Videokameras und mehr als hundert Beamten.

Der mutmaßliche Maskentäter ist gefasst, aber die Ermittlungen sind noch nicht beendet. Auch am Donnerstag und Freitag hat die Polizei im Umfeld des Tatorts beim S-Bahnhof Fasangarten Spuren gesichert und Zeugen befragt. Obwohl DNA-Spuren des Tatverdächtigen an dem elfjährigen Mädchen gefunden wurden, das am Dienstag gegen 16.30 Uhr von einem Mann mit einer Wolfsmaske überfallen und schwer missbraucht worden war, werden weitere Beweise gesammelt. Sie werden vor Gericht benötigt. Ein Ermittlungsrichter erließ am Freitag Haftbefehl. Der mehrfach wegen sexueller Übergriffe auf Kinder vorbestrafte 43-Jährige wurde wieder in den Maßregelvollzug der Psychiatrie in Haar eingewiesen.

Ein ganzes Viertel atmet auf. Dass ein maskierter Mann am helllichten Tag ein Kind überfällt und missbraucht, hatte Eltern und Anwohner in der sogenannten Ami-Siedlung in Obergiesing schwer verunsichert. Er persönlich sei froh, dass es gelungen sei, den Tatverdächtigen so schnell festzunehmen, sagt Ignaz Raab, der als Chef des für Sexualdelikte zuständigen Kommissariats 15 die Ermittlungen leitet. "Es freut mich noch mehr für die Eltern und Kinder im Münchner Süden." Aber am wichtigsten war die Festnahme für das elfjährige Mädchen. Der Täter hatte ihr gedroht, sie und ihre Eltern zu töten, sollten sie zur Polizei gehen. "Jetzt sagen zu können: Du brauchst keine Angst mehr haben, das hat mich am meisten gefreut."

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Der Aufwand war enorm, aber er wurde belohnt. Sofort, nachdem die Mutter des Mädchens am Dienstag gegen 17 Uhr die Polizei gerufen hat, schwärmen alle verfügbaren Kräfte der Polizeiinspektion 23 in Giesing aus, um den Tatort zu sichern und nach dem Täter zu fahnden. Aus dem ganzen Münchner Osten werden zusätzlich Streifen, Zivilpolizisten und Beamte der Einsatzhundertschaften angefordert. Die Spurensicherung rückt aus, der Kriminaldauerdienst übernimmt in der Nacht die Ermittlungen. Das Mädchen wird in der Rechtsmedizin untersucht, die Familie vom Kommissariat für Opferschutz betreut. Insgesamt sind weit mehr als einhundert Beamte im Einsatz.

Als Ignaz Raab am Mittwochmorgen um sechs Uhr ins Büro kommt, kann er schon die Bilder vom Tatort und der Wolfsmaske begutachten; er liest die Berichte der Kollegen. Anderthalb Stunden später steht die Einsatzgruppe "Wolf" mit allen verfügbaren Kräften aus dem Kommissariat für Sexualdelikte. Zur Verstärkung stellt die Mordkommission Ermittler ab, die unter anderem die Aufnahmen aller Videokameras einsammeln und auswerten; nicht nur in der Nähe des Tatorts, sondern auch aus den S-Bahnen, die am Dienstagnachmittag vor der Tatzeit aus allen Richtungen zum Fasangarten fuhren. Ebenso Aufzeichnungen von Kameras auf allen Wegen, auf denen sich der Täter vom Tatort entfernt haben könnte.

"Das ist unheimlich viel Bildmaterial", sagt Raab. Im Präsidium gibt es eine eigene Fachdienststelle, die das Material auswertet. Mögliche Zeugen werden befragt und in jedem Gebüsch wird nach Spuren gesucht. "Da ist jeder Papierfetzen wichtig", sagt der Ermittler. Es muss schnell gehen: "Am besten am ersten Tag, in der ersten Stunde. Da zählt jede Minute."

Nur die Maske bleibt unauffindbar

Fährtenhunde nehmen Witterung auf, um herauszufinden, aus welcher Richtung der Täter gekommen sein könnte und wohin er floh. Derweil werten Experten die Spuren aus, die der Täter an seinem Opfer hinterlassen hat - aus winzigen Hautschüppchen wird die DNA ausgelesen. "Ich muss ein hohes Lied auf die Rechtsmedizin singen", sagt Raab. "Was die geleistet haben, war top!"

Unterdessen bemühen sich die Jugendbeamten aus der Polizeiinspektion Giesing, die Bevölkerung zu beruhigen. Die Beamten klären darüber auf, was passiert ist und geben Empfehlungen, wie Schulen und Familien mit dem Vorfall umgehen können, um Hysterie vorzubeugen. Ein Sexualverbrecher, der frei herumläuft, verunsichert die Stadt.

Keine 48 Stunden nach der Tat erfolgt der Zugriff. "Als wir den Treffer in der Datenbank hatten, haben wir sofort alles stehen und liegen lassen", erzählt Raab. "Binnen Sekunden haben wir alles über die Person aus dem Computer gezogen und sind los." Der Schrecken ist vorbei. Nur die Maske bleibt unauffindbar.

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