Vergewaltigung an der Isar Wie die Polizei Emrah T. fasste

Der unter anderem wegen versuchten Mordes 28-Jährige Angeklagte Emrah T.

(Foto: dpa)
  • Am zweiten Verhandlungstag im Fall der zwei mutmaßlich von Emrah T. begangenen Vergewaltigungen erzählen Ermittler von der Aufklärung.
  • Auf den mutmaßlichen Täter stießen die Beamten durch Speichelproben, die im Zusammenhang mit einem Raubüberfall in München eingeholt wurden.
  • Eine weitere Zeugin gibt an, Emrah T. habe sie zuhause aufgesucht und sie zum Sex drängen wollen.
Von Susi Wimmer

Der Zeuge, der von einem Ermittler der Mordkommission in den Räumen des K 11 befragt wurde, sei ausgesprochen höflich gewesen, sagt der Kripobeamte vor dem Landgericht München I. Der Zeuge unterzog sich auch freiwillig einem Speicheltest. Ein freundlicher und kooperativer Mann sei er gewesen, der dem Beamten am Ende noch "viel Erfolg bei meiner Arbeit" gewünscht hatte. Der Zeuge war Emrah T., der Mann, der zurzeit wegen versuchten Mordes und Vergewaltigung von zwei Frauen vor der ersten großen Schwurgerichtskammer steht.

Am Dienstagnachmittag, dem zweiten Verhandlungstag, erzählen Polizisten von ihren Ermittlungsarbeiten - und von unglaublichen Zufällen. Bei der Vergewaltigung einer Frau in Rosenheim Ende 2015 hatte der Täter einen Handschuh zurückgelassen. An ihm wurde DNA gesichert und in die Datenbank eingespeist. Doch die Spur passte zu keiner dort eingestellten Person.

Nach der Vergewaltigung der Joggerin im Englischen Garten Ende 2016 wurde ebenfalls männliche DNA gefunden und mit dem Computer abgeglichen. Es gab einen so genannten Spur-Spur-Treffer, das heißt, die DNA des Rosenheim-Täters stimmte mit der des Münchner Angreifers überein. Spannend wurde es für die Ermittler des K 11, als bei einem Raubüberfall auf ein Paletten-Center in München die DNA eines Unbekannten auftauchte, die quasi einen Spur-Spur-Spur-Treffer mit Rosenheim und München ergab.

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Zunächst einmal luden die Ermittler Angestellte und die Personen zum Speicheltest vor, die in dem Center gearbeitet hatten. Und so kam Emrah T. zur Mordkommission. Ob der Zeuge gewusst habe, dass der Speicheltest sich auch auf zwei Sexualdelikte bezog, fragt der vorsitzende Richter Michael Höhne den Beamten. "Ja", sagt der, man habe ihm auch genau erklärt, was DNA sei. Nach der Festnahme von Emrah T. erklärte dieser bei der Polizei, er sei es nicht gewesen, das könne doch alles nur ein Spaß sein.

Als die Polizei die beiden Zimmer der vierköpfigen Familie T. in der Flüchtlingsunterkunft an der Neumarkter Straße durchsuchte, stieß sie auf eine Aktentasche mit Papieren und den Namen einer in München lebenden Frau. Die erzählte der Polizei, sie habe die Familie T. in der U-Bahn kennengelernt und sie später zwei oder drei Mal zum Essen zu sich nach Hause eingeladen. Emrah T. habe Kontakt zu ihr gesucht, sei vor ihrer Wohnungstüre aufgetaucht, sogar in den Garten geschlichen. "Er wollte Sex", sagte sie bei der Polizei - und sie habe Angst vor ihm gehabt. Denn wenn sie ihn abgewehrt habe, sei er extrem aggressiv geworden. Am Ende habe sie die Türe nicht mehr geöffnet, die Jalousien geschlossen und sich in der Wohnung versteckt.

Schließlich fand die Polizei auf dem Facebook-Profil Fotos von Emrah T. mit seinem Sohn in einer Klinik in Rosenheim. Dort wurde der Zweijährige operiert. Genau zu dieser Zeit, im November 2015, wurde direkt neben der Klinik die Spaziergängerin gewürgt und vergewaltigt. Emrah T. und seine Ehefrau haben zusammen zwei Söhne im Kleinkindalter. Als die Mordkommission die Unterkunft durchsuchte, soll die Ehefrau permanent den Kopf gegen die Wand geschlagen haben.

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