Verfahren gegen Wiesn-Wirt:Gerangel um die Krätz-Nachfolge

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Sepp Krätz bei der Eröffnung Frühlingsfest in München, 2013.

Sepp Krätz muss zusehen, wie sein Gastroimperium zerbricht.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Der Steuerprozess gegen den Wiesn-Wirt Sepp Krätz hat noch nicht begonnen, da stehen schon die Bewerber für seinen Platz auf dem Oktoberfest parat. Drei Gastronomen haben bereits mit den Planungen für ein neues Zelt begonnen.

Von Astrid Becker

Es geht um Zeit - und ums Geld: Noch hat der Prozess gegen Sepp Krätz wegen des Verdachts auf Steuerhinterziehung nicht begonnen, doch das Gerangel um seine mögliche Nachfolge auf der Wiesn ist groß. Mehrere Wirte haben dem Vernehmen bereits bei den beiden Zeltbaufirmen Deuter und Pletschacher Planungen für ein neues Zelt in Auftrag gegeben. Mit fatalen Folgen - auch für Sepp Krätz. Denn die Möglichkeit, sein Hippodrom für ein paar Millionen Euro an seine Mitbewerber zu verkaufen, ist damit wohl hinfällig. Zudem könnte dann auch das Hippodrom, eines der traditionsreichsten Zelte, für immer von der Wiesn verschwinden.

Zu den Interessenten gehören etwa Lorenz Stiftl, der unter anderem bereits das kleine Wiesnzelt "Zum Stiftl" und die Innenstadtgastronomie "Spöckmeier" betreibt, Jürgen Lochbihler, Wirt vom "Zum Pschorr" und Karlheinz Reindl von der Firma Rubenbauer, der die "Bahnhofsgaststätten" gehört. Eigentlich haben sich die Drei gegenseitig größtes Stillschweigen versprochen, durchgesickert ist es nun aber doch: Zusammen haben sie die Firma Deuter beauftragt, die Konstruktion und Statik für ein neues Zelt zu planen. Alle drei haben, jeder für sich, zum 31. Dezember 2013 fristgerecht ihre Bewerbung bei der Stadt als große Wiesnwirte abgegeben. Weil die Stadt jedoch erst am 28. April über die Zulassung auf der Wiesn entscheidet, wäre die Zeit für einen kompletten Zelt-Neubau viel zu knapp geworden.

Daher, so sagt Jürgen Lochbihler, habe man der Firma den Auftrag für diese Vorplanungen schon jetzt erteilt - für den Fall des Falles. Um das Risiko für alle zu mindern, hätten sie sich zusammengetan und die Kosten gedrittelt. Sollte also einer von ihnen den Zuschlag erhalten, müsste er die anderen entsprechend auszahlen. Immerhin geht es da bereits um rund 100 000 Euro, die eine solche Vorplanung verschlingt.

Ein rein kaufmännischer Akt

"Wenn keiner von uns zum Zuge kommen sollte, dann hat halt jeder von uns Geld verloren - aber wer nicht wagt, der nicht gewinnt", sagt Lochbihler, der dieses Vorgehen aber nicht als Schachzug gegen Krätz verstanden haben will, sondern als reinen kaufmännischen Akt: "Es geht uns nur darum, keine Zeit zu verlieren." Und wohl auch kein Geld in ein Zelt zu stecken, das, nach Lochbihlers Einschätzung etwas in die Jahre gekommen ist. Auch die Firma Pletschacher hat dem Vernehmen nach bereits ein neues Zelt für einen möglichen Krätz-Nachfolger geplant, für wen, ist allerdings nicht bekannt.

Falls Krätz auf der Wiesn nicht mehr zum Zuge kommen sollte, haben die Mitbewerber offenbar weder ein Interesse daran, ihm das Hippodrom abzukaufen, noch daran, sein Konzept zu kopieren oder neu aufzulegen. "Ich denke da eher an etwas diametral anderes", sagt Lochbihler. Auch den Namen Hippodrom zu kaufen, den sich Krätz angeblich sogar hat schützen lassen, zieht er nicht in Erwägung: "Das wäre unpassend." Krätz selbst war nicht zu erreichen. Im Handelsregister findet sich aber neuerdings eine "Hippodrom Oktoberfest OHG" - mit Krätz, seiner Frau Tina und seiner Schwester Johanna Barsy als Gesellschafter. Barsy betreibt mit ihrem Mann das Forsthaus Kasten und hatte sich schon vor zwei Jahren für die Wiesn beworben.

Viele Bewerber, eine Unbekannte

Lorenz Stiftl wollte sich zu der Dreier-Übereinkunft nicht näher äußern, sondern sagte lediglich, dass er sein kleines Wiesnzelt "selbstverständlich" aufgeben werde, falls er den Zuschlag für ein großes Zelt erhalte. Dies gilt wohl auch für Siegfried Able, der bislang auf der Wiesn die Kalbskuchl betreibt. Auch er hat sich um die Nachfolge von Sepp Krätz beworben - bereits zum zweiten Mal. Im vergangenen Jahr galt er als aussichtsreichster Kandidat - er hatte immerhin in dem Vergabesystem, nach dem die Bewerbungen beurteilt werden, die meisten der möglichen Punkte erhalten.

Knapp hinter ihm hatte damals die Familie Hochreiter (die unter anderem den Biergarten auf dem Viktualienmarkt betreibt) rangiert. Die Hochreiters haben in diesem Jahr keine Bewerbung für ein großes Wiesnzelt abgegeben - wohl aber für ein neues kleines. So soll Erich Hochreiter, einer der drei Brüder, ganz klar auf Stiftls bisheriges Zelt spekulieren. Aber es gibt auch noch mehr neue Bewerber für die Wiesn. So sollen beispielsweise auch Heinz und Petra Schöniger, die bereits die Festhalle Bayernland auf dem Frühlingsfest führen, und Thomas und Iris Zeilermeier ihren Hut in den Ring geworfen haben.

Die Unschuldsvermutung gilt

OB Christian Ude kann das Gerangel um eine mögliche Nachfolge von Sepp Krätz nicht ganz nachvollziehen. Es gelte noch immer die Unschuldsvermutung, betont er. Es ist ihm aber anzumerken, dass er die Lage für Krätz als sehr ernst einschätzt. Dass daher Wiesnchef und OB-Kandidat Dieter Reiter Krätz bereits geraten haben soll, seine Bewerbung zurückzuziehen, wie in den vergangenen Tagen immer wieder kolportiert wurde, bestreitet er nicht. Ude nennt es einen Rat, den die Stadt Krätz ja wohl noch geben dürfe.

Auf die Frage, ob nicht die Familie des Wiesnwirtes das Zelt im Falle einer Verurteilung weiterführen könnte, reagierte der Oberbürgermeister ausweichend: "Das Ganze ist hochkomplex und muss genau geprüft werden", sagte Ude. Auch in Rathauskreisen hält man offenbar nicht viel von den Damen aus der Familie Krätz: Es fehle ihnen an der nötigen Erfahrung für die Wiesn, heißt es von gleich mehreren Seiten. Die Verhandlung gegen Sepp Krätz beginnt am 13. März und ist auf drei Tage angesetzt.

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