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Vereinsheim:Daheim ist Vereinsheim

Erst Konzerte, Kleinkunst, Currywurst und dann Kickern: Im Vereinsheim in Schwabing fühlt sich fast jeder zu Hause.

Jeder, der schon einmal eine Sportart ausgeübt hat - Fußball, Volleyball vielleicht oder Tennis - wird sie kennen: die Atmosphäre im Vereinsheim in der Occamstraße. Beim Betreten des Lokals ist alles wieder da: Der sanfte Geruch nach Bier, nach Frittiertem, eine wohlige Wärme, verbrauchte Luft, der Geräuschpegel. An der Wand hängen Poster mit legendären Spielern des FC Bayern. Eine Gruppe sitzt an der Bar. Sie sehen nach Stammgästen aus, plauschen mit der Bedienung. Doch was passiert vorne auf der Bühne? Da macht sich die Blaskappelle - gutgenährte Männer in Trachtenjacken und mit Federhut - schon bereit. Das gibt es im Vereinsheim des Sportclubs allerdings nicht! Wie fast jeden Dienstag gibt es auch an diesem Abend Livemusik, gern "made in Oberbayern".

Volksmusik Stammtisch im Vereinsheim, 2009

Im Vereinsheim in Schwabing gibt es mehrmals die Woche Programm: Volksmusik, Kabarett oder Lesungen.

(Foto: Stephan Rumpf)

Instinktiv fällt der Blick auf eine Sofaecke im hinteren Teil des Raums. Ein kleiner Beistelltisch und zwei Sessel, die ihre beste Zeit bereits überschritten haben, sind auch da. "Chill-out area" im Vereinsheim? In jedem Fall ist die Bühne ein Stück entfernt, es dürfte also nicht zu laut werden. Wann denn die Gruppe zu spielen anfängt und wie lange sie musiziert, weiß der Barmann leider auch nicht. "Es ist mein erster Abend heute, sorry", grinst er und zuckt die Schultern.

Auf alles gefasst überraschen die Musiker jedoch gegen 20.30 Uhr mit einem professionellen, modernen Sound im Stil von La Brass Banda. Das Vereinsheim füllt sich jetzt innerhalb weniger Minuten. Von Studenten bis zu einigen Pärchen mittleren Alters ist alles dabei. Als nach einer guten Stunde das Programm zu einer Kabarett-Revue übergeht, versiegen die Plaudereien. Manch einer vergisst gar, dass er bezahlen wollte. Die reife Blondine, gehüllt in Rosarot, versprüht auf der Bühne Ironie und Sarkasmus.

Bleibt endlich Zeit, die Speisekarte zu studieren. Der Schriftzug "Vereinsheim" findet sich zwischen zwei dicken Buntstiftstreifen. Eine Fahne? Würde zu einer Sportlerszunft zumindest gut passen. Auf sechs an einer Ecke zusammengehaltenen Schreibmaschinenbögen erfährt man alles über das Angebot an Speisen und Getränken. Die Blaskapelle hat sich in der Zwischenzeit auch zu Tisch begeben, vor ihr häufen sich mit allerlei Häppchen versehene Vesperplatten.