bedeckt München

Verdienst von Wiesnwirten:Ernst & Young hat errechnet, wann die Mass 15 Euro kosten wird

Ein schlechtes Geschäft soll das Oktoberfest aber für die Stadt sein - jedenfalls bemängelte dies das städtische Revisionsamt. Die Rechnungsprüfer nahmen sich die Standgelder und Kosten seit 2002 vor - und bekrittelten, dass Wirte und Schausteller gemessen an ihren Umsätzen viel zu billig davonkämen.

Die Stadt als Veranstalterin will mit den Standgeldern selbst kein Geld verdienen; setzt sie doch auf die gesamtwirtschaftlichen Effekte der Wiesn für die Stadt. Auf "rund eine Milliarde Euro" schätzt Wiesn-Chef und Zweiter Bürgermeister Josef Schmid (CSU) das Ausmaß dieser Wertschöpfung.

Davon profitieren nicht nur die Wirte und Schausteller, sondern auch andere Gastronomen und Hoteliers der Stadt, dazu Taxifahrer oder der Innenstadthandel. Dennoch, so die Rechnungsprüfer, sei es doch ein Unding, dass die Stadt mitunter sogar Miese mache. Allein 2008 stand hinter dem Minus die Zahl von 212 889 Euro und 74 Cent. Seitdem sind die Standmieten leicht gestiegen - aber auch der Bierpreis.

Durchschnittsgewinn von 1,2 Millionen Euro pro Wirt

2024 wird für Wiesnbesucher wohl ein hartes Jahr - dann, so hat es das Münchner Team der Unternehmensberatung Ernst & Young (EY) berechnet, werden Kunden erstmals 15 Euro und mehr pro Mass zahlen müssen. Mit einem Augenzwinkern nimmt sich EY seit vier Jahren der Wiesn an, für die Digitalkonferenz "Bits & Pretzls" und für ihre Kunden haben die Berater die harten Wiesnfakten in eine Präsentation gepackt, die daherkommt wie eine Analyse.

Tatsächlich ist sie aber nicht so bierernst zu nehmen, wie sie aussieht. Beachtet man alle Kosten und bekannten Durchschnittsverzehre, kommen die Unternehmensberater zu einem Durchschnittsgewinn von 1,2 Millionen Euro für einen Wiesnwirt vor Steuern.

Kein schlechter Schnitt für 16 Geschäftstage. Wobei die Berechnung manchen Unsicherheitsfaktor enthält. Die verzehrten Ochsen der gleichnamigen Braterei haben die Berater realitätswidrig auf alle Zelte aufgeteilt. Und die Wiesnbedienungen verdienen in dieser Berechnung mit durchschnittlich 3712 Euro weit kärglicher, als kolportiert wird: nämlich bis zu 15 000 Euro bei einem idealen Verhältnis aus Armstärke, Durchsetzungskraft und Charme, deren Zusammenspiel die Trinkgeldquote bestimmen.

Es gibt Menschen, die Urlaub nehmen, um Krüge zu stemmen, statt im Büro Emails zu schreiben. Und Studenten, die mit dem größten Volksfest der Welt ihre Ausbildung finanzieren. Mit 16 Tagen auch ökonomischen Wahnsinns.

© SZ vom 02.10.2015/tba

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite