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Valentinstag:Hotline für enttäuschte Herzen

Valentinstag

Ganz so romantisch wie diese Liebesschlösser auf der Wittelsbacher Brücke in München es vermuten lassen, endet der Valentinstag für viele Paare nicht.

(Foto: dpa)

Von wegen Harmonie: Der Valentinstag endet für viele Paare im Streit. Die psychologische Beraterin Sandra Neumayr hat eine Hotline für den Notfall eingerichtet. Ein Interview über Missverständnisse, falsche Erwartungen und das perfekte Geschenk am 14. Februar.

Von Elisa Britzelmeier

Der Valentinstag wird immer mehr zur Belastungsprobe für Beziehungen, sagt die psychologische Beraterin Sandra Neumayr. Sie hat heuer zum zweiten Mal eine eigene Telefonhotline für den Notfall eingerichtet. Die Beratung am Telefon (0800 / 88 999 66) ist gratis, die Hotline koste "nur den Mut, anzurufen".

Süddeutsche.de: Frau Neumayr, wie sieht für Sie der perfekte Valentinstag aus?

Neumayr: Ich freue mich auf ein paar freie Stunden mit meinem Mann. Was wir genau machen, ist nicht wichtig. Hauptsache, wir haben Zeit füreinander.

Für viele Paare ist der 14. Februar offenbar komplizierter. Wie kamen Sie auf die Idee mit der Hotline?

Früher kamen besonders viele Paare nach Weihnachten und nach den Sommerferien zur Beratung. Ich habe in den vergangenen Jahren aber festgestellt, dass die schlimmen Beziehungskrisen sich immer mehr auf den Valentinstag konzentrieren.

Wie kam das Angebot an?

Wir saßen zu dritt drei Tage lang fast ununterbrochen am Telefon: Mehr als 30 Menschen aus ganz Deutschland haben täglich angerufen, fast die Hälfte davon waren Männer. Jedenfalls richten wir die Hotline heuer wieder ein. Und wenn sich die Gemüter nicht gleich beruhigen lassen, vermitteln wir den Anrufern einen kostenlosen Besuch in unseren Beratungspraxen.

Was sind denn die häufigsten Probleme der Anrufer?

Missverständnisse. Wenn die Beziehung ohnehin nicht so rund läuft, wenn man also gestresst ist oder vielleicht eine übergroße Erwartungshaltung hat, gibt es am Valentinstag Konflikte. Falsche Geschenke und vergessene Blumen sind dann oft nur die Auslöser für den Krach, die Probleme sind meist schon vorher da. Wenn die Beziehung an sich stabil ist, geht man mit einem solchen Tag gelassener um.

Wie helfen Sie dann weiter?

Bei akuten Krisen versuchen wir zu verstehen, wie der Konflikt entstanden ist. Hat der Partner kein Interesse? Oder hat er sich auf seine Art und Weise Mühe gegeben und etwas gemacht, was er für schön hielt? Stecken berufliche Schwierigkeiten dahinter? Hat der Partner womöglich gerade selbst ein Problem? All dies können Gründe sein, wieso die Erwartungen an diesen speziellen Tag nicht so perfekt erfüllt werden.

Was ist mit Singles? Benötigen die nicht viel eher Hilfe, weil sie sich am Valentinstag einsam fühlen?

Das dachten wir zunächst auch. Aber tatsächlich waren maximal 20 Prozent der Anrufer im vergangenen Jahr Singles.

Psychologin Sandra Neumayr

"Es kostet nur den Mut, anzurufen": Die psychologische Beraterin Sandra Neumayr hilft zum Valentinstag Paaren in der Krise am Telefon.

(Foto: dpa)

Braucht eine gute Beziehung so etwas wie den Valentinstag überhaupt? Der ist doch eigentlich eine kommerzielle Erfindung...

Man kann natürlich unter dem Jahr mehrere "Valentinstage" feiern. Der Druck von außen ist am 14. Februar aber enorm groß, weil der Tag massiv beworben wird. Gerade, wenn eine Beziehung nicht so gut läuft, werden solche "Festtage" zum Indikator. Früher gab es nur Blumen, inzwischen kauft einem der Partner beinahe so viele Geschenke wie an Weihnachten.

Was ist denn Ihrer Meinung nach dann das beste Geschenk zum Valentinstag?

Nichts Materielles. Man sollte vielmehr zeigen, dass man sich das nächste Jahr über um die Beziehung und um den Partner bemühen will. Ein kleines symbolisches Geschenk ist dann viel mehr wert.

Wie verhält man sich am ersten Valentinstag nach zwei Wochen Beziehung?

Blumen sollten reichen, denke ich. Aber am besten folgt man seinem Herzen - jeder weiß, was er von Herzen gerne selber macht.

Die Hotline ist bis zum 15. Februar unter der Nummer 0800 / 88 999 66 zu erreichen.

© Süddeutsche.de/tba
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