Ausstellung:Hinter die Löffel schreiben

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Ausstellung: Das letzte Abendmahl, in der Hasen-Variation des Cartoonisten Markus Grolik.

Das letzte Abendmahl, in der Hasen-Variation des Cartoonisten Markus Grolik.

(Foto: Markus Grolik (Ausschnitt))

Hasen können viel mehr als an Ostern Eier verstecken. Eine Kunstausstellung im Valentin-Karlstadt-Musäum weitet das Spektrum - zeigt falsche Hasen und "blaue Rammler".

Von Michelle Rigohrt

Auch ohne Ohren ist Til Schweigers Keinohrhase wohl einer der berühmtesten seiner Art. Lediglich der Osterhase kann ihm das Wasser reichen. Hasen sind ein Teil unserer Gesellschaft. Schon Unut, die altägyptische Göttin mit Hasenkopf, wurde als Symbol der Furchtbarkeit verehrt. Heute ist der Hase für die meisten zwar keine Gottheit mehr, aber an Ostern himmeln ihn die Kleinen dann doch an. Die Eiersuche ist Tradition und eine hektische Phase im Leben des Hasen. Was aber machen Hasen zur Weihnachtszeit? Dieser und mehrerer bisher ungeklärter Hasenfragen sind 55 Künstlerinnen und Künstler nachgegangen. Ihre Interpretationen sind nun im Valentin-Karlstadt-Musäum zu sehen.

Der kleine Raum im Turm des Isartors ist voll mit Karikaturen, Skulpturen, Gemälden und allem, was man sich zum Thema Hasen vorstellen kann. Eingeteilt sind die Exponate in Kategorien wie "Kosehasen", "Hasenmusen", "Hasen privat" und "falsche Hasen". "Manche Themen habe ich selbst vorgeschlagen und manche sind entstanden, als ich die Kunstwerke erhielt", sagt Kurator Steffen Haas. Es geht darum, was die flauschigen Tiere fern der Frühlingszeit arbeiten, wie sie sich ihre Zeit vertreiben und wie sehr der Mensch die Hasenattribute ins eigene Leben aufnimmt. Auf den ersten Blick scheinen die meisten Arbeiten harmlos. Ganz oben an einer der vollen Wände hängt das Bild einer Hasen-Abschlussklasse 1990, mit einem Fuchs als Lehrer. Die Künstlerin Eva Muggenthaler erzählt, ihr eigener Abschluss hat als Inspiration für das Gemälde gedient - samt ihres damaligen Mathelehrers namens Fuchs.

Ausstellung: "Warten aufs Christkind ... oder was?" So nennt der Cartoonist Rudi Hurzlmeier seinen Beitrag.

"Warten aufs Christkind ... oder was?" So nennt der Cartoonist Rudi Hurzlmeier seinen Beitrag.

(Foto: Rudi Hurzlmeier)

Zugegeben, das klingt nach einer Ausstellung, zu der man seine Kinder mitnimmt. Ein Familienausflug. Wären da nicht die subtil politischen und teilweise obszönen Werke zwischen kuschelnden Häschen und Küken. Unerwartet provokante Kunstwerke, die Eltern schnell in Erklärungsnot bringen können. Andererseits verleihen gerade diese Arbeiten der Ausstellung ihre Spannung. Wie zum Beispiel die Hasen in intimen Beziehungen zu Hühnern. Logisch, woher sonst kriegen sie ihre Eier her? Der Cartoonist und Künstler Papan stellt eines der flauschigen Tiere in den Bundestag. Wie seine menschlichen Kollegen spricht es von Klimakatastrophen, Rassismus, Kindesmissbrauch, Krieg und Nazis in nur einem Satz und endet mit: "... mein Name ist Hase, ich weiß von nix!".

Oder die Illustration von Ari Plikat. Anstatt eines von Hugh Hefners Bunnys zu illustrieren, setzt der Künstler einen Mann im Hasenkostüm an die Bar, an der er mit "Hallo Playboy" von einer Frau angesprochen wird. Unterhaltend ist das Ganze also schon, wenn auch nicht unbedingt für Kinder. Kunstkenner können unter den Werken auch Arbeiten wie "Blaues Pferd" von Franz Marc oder die Venus von Willendorf erkennen. Eben neu interpretiert als prächtigen Hasen betitelt als "Der blaue Rammler" oder der Venus mit Hasenohren und -zähnen.

Ausstellung: Hasen im Wunderland: Das Titelbild der Ausstellung hat der Kurator Steffen Haas selbst komponiert.

Hasen im Wunderland: Das Titelbild der Ausstellung hat der Kurator Steffen Haas selbst komponiert.

(Foto: Steffen Haas)

Zu den "falschen Hasen" könnte man auch das Titelbild der Ausstellung zählen. Als Vorlage hat Steffen Haas das vom Illustrator John Tenniel gemalte Kaninchen aus "Alice im Wunderland" gedient, das häufig mit einem Hasen verwechselt wir. Da die Ohren beim Hasen länger als der Kopf sind, hat Haas die Ohren selbst verlängert. Passend zu der Kunstausstellung hat er dem Hasen noch einen Pinsel in die Hand gegeben, und fertig war das Aushängeschild der Ausstellung: "Ich wollte ein Bild von einem Künstler nehmen, der nichts mit der Ausstellung zu tun hat und das somit dann für alle Werke steht". Zusammengetragen hat Haas Werke von Künstlern aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, einige waren bereits fertig, andere sind für die Ausstellung angefertigt worden. Herr Haas zeigt seine Hasen noch bis zum 8. März. Welches Tier den Turm des Musäums als nächstes beehren soll, ist auch schon bekannt. Es hat ungefähr dieselbe Größe, ist jedoch deutlich stacheliger als der Hase, mehr wird nicht verraten.

"Herr Haas zeigt: Hasen", bis 8. März 2022, 11-18 Uhr (Mi. geschlossen), Valentin-Karlstadt-Musäum, Im Tal 50

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