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Uschi Obermaier über München:"Rainer hat bis heute keinen Humor"

Anita And Keith

"Wo es krachen konnte, hat es gekracht": Uschi Obermaier hat in München Keith Richards (im Bild) und Mick Jagger geliebt.

(Foto: Getty Images)

Von einer Kommune in die nächste?

Ja. Das war eine sehr harte Zeit für mich. Die Kommune I war sehr verkopft. Deswegen sind die ja zusammengezogen - weil sie Probleme mit ihren Emotionen hatten. Ich wusste nichts. Ich kannte nicht mal den Unterschied zwischen Kapitalismus und Kommunismus .

Die Kreise, in denen Sie sich bewegt haben, waren sehr politisch. Aber hatten die auch Humor?

Nee, absolut nicht. Rainer hat bis heute keinen Humor. Ich mag es ja eher leichter, dahinschwebend - das war da gar nicht.

Wenn man heute Zeitschriften von damals liest, hat man den Eindruck, Sie hätten sich damals alle nur ständig geliebt.

Ja, wir konnten damals nicht von uns lassen, stand damals immer in der Zeitung.

"Wer zweimal mit derselben pennt, gehört schon zum Establishment . . .",

. . war einfach nur ein flotter Spruch.

Aber Sie hatten trotzdem einige Männer, vor allem Musiker. Erst Jimi Hendrix, dann Mick Jagger und Keith

Richards. Wie haben Sie denn die Stones kennengelernt?

Die Stones, das war total meine Kragenweite. Aber angefangen hat es mit den Beatles: Als ich das erste Mal "Love me do" gehört habe, war ich wie vom Blitz erschlagen. Das war genau mein Feeling, das die da rüberbrachten. Kurz darauf kamen dann die Rolling Stones, da waren mir die Beatles schnell zu brav. Die richtigen bad boys waren die Stones. Die haben mir gefallen. Mein Vater war ja ein bad boy. Zum ersten Mal war ich in München im Circus Krone bei einem Konzert der Rolling Stones. Da war ich nur Fan. Da habe ich im Süddeutschen Verlag gearbeitet, in der Sendlinger Straße.

Wie bitte? Das steht in keiner Biografie.

Ich bin ja mit 13 aus der Schule. Da ich Grafikerin werden wollte, für die Grafikerschule aber zu jung war, habe ich beim Süddeutschen Verlag als Tiefdruckretuscheurin angefangen. Dort hieß ich "Mausi". Die wussten alle, dass ich ein Stones-Fan bin. Irgendwann haben meine Kollegen gesagt, "Alle herkommen außer der Mausi." Das war am Tag nach dem Stones-Konzert. Sie haben gelacht und gefragt "Wie war es denn so?" Ja, hab' ich gemeint, die Leute haben geschrien. "Und hast du geschrien?" Nee, hab' ich gesagt. Dann war ein Foto in der Zeitung, mein Mund sooo weit auf.

Und wann haben Sie die Stones dann so richtig kennengelernt?

Das war die Zeit von Woodstock. Rainer und ich haben gesagt, das wollen wir auch, wir wollen auch ein Woodstock-Festival machen. Irgendwo außerhalb Münchens. Über Freunde sind wir dann nach London, in so ein ganz bekanntes Aufnahmestudio. Das weiß ich noch ganz genau: Mick kam eine Treppe runter, ich stand unten, ganz heiß hab' ich ausgeschaut, die ersten Hotpants, langer Fransenmantel und Schlangenlederstiefel. Ich schau' ihn an, und er nur so: "You are so beautiful." Dann sind wir mit ihm ins Stones-Office gegangen, und er hat uns tatsächlich 'nen Brief geschrieben: "To whom it may concern. We are willing to come to a concert with Uschi Obermaier" und dann die Einzelheiten.

Grandios.

Gott sei Dank ist das nie was geworden. Ein großes Konzert zu organisieren, das hätte nur Chaos gegeben. Das hat nie stattgefunden, aber der Kontakt war da. Dann haben wir Mick im Londoner "Roundhouse" getroffen, das war damals so eine Konzerthalle, da haben wir Santana gesehen. Das war so ein Zufall, dass uns Mick da über den Weg gelaufen ist. Er hat dann gesagt, wir sollen da in einen Nightclub gehen, also gingen wir in den Nightclub, und da der Rainer ja nicht eifersüchtig war, hab' ich mit dem Mick zu schmusen angefangen. Heftig!

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