Uschi Glas wird 65 Das weißblaue Supergirl

Es war die Zeit, in der ich Uschi Glas mit Elmar Wepper teilen musste. Mehr als zehn Jahre lang verkörperten beide das Traumpaar des deutschen Fernsehens. Diese Serie brachte Uschi Glas für die "positive Vermittlung des bayerischen Wesens" den Bayerischen Verdienstorden ein.

Vom Schätzchen, den Schwabinger 68er Zeiten, dem Durchbruch des jungen deutschen Films, redete keiner mehr. Meine Uschi wurde dafür zur Quotenkönigin, hatte als "Tierärztin Christine" und "Anna Maria - eine Frau geht ihren Weg", mehr Zuschauer als die Tagesschau, wurde mit Preisen und Orden überschüttet. Es war die Zeit, in der ich nun doch etwas auf Distanz zur Angebeteten ging.

Uschi, die neue bayerische Volksheldin, stellte ihr Familienglück mit den drei Kindern im Dirndlschick zur Schau, zeichnete sich durch zelebrierte Bodenständigkeit aus, die sich in innigen Sympathiebekundungen für die CSU äußerte. Uschi Glas, das Gesicht Bayerns: fleißig, adrett, hübsch, ein kleines bisschen sexy, aber nicht zu viel, ein weißblaues Supergirl. Dass dies alles hart, mit unglaublichem Willen, ja auch mit Sturheit erarbeitet wurde, zeigte sich erst viel später, als die Fassade bröckelte.

Meine platonische Jugendliebe

Natürlich war es Zufall, dass mein erster Titel als Gala-Chefredakteur sich mit Uschi Glas, meiner platonischen Jugendliebe, beschäftigte. Es war die Zeit, in der sie lernen musste, sich neu zu finden. Sie hatte das Mitgefühl der ganzen Nation, als sich ihr Mann mit einer Jüngeren erwischen ließ, und sie erntete das triviale Mitleid von Millionen, als sie sich, wie einst in "Zur Sache Schätzchen", mit Ende 50 im Bikini und erotischen Posen von Max, dem inzwischen eingestellten Lifestyleblatt, fotografieren ließ. Ihr niederbayerischer Sturschädel hatte beschlossen, die Zeit noch mal zurückzudrehen, um es allen zu zeigen, vor allem ihm, ihrem Ex-Mann Bernd Tewaag.

Genützt hat's nix. Die negativen Schlagzeilen nahmen zu. Der Streit um eine von ihr vermarktete Hautcreme mit Stiftung Warentest eskalierte derart, dass man sich vor dem Berliner Landgericht wieder traf, die Sorge um den einen Sohn wurde zum Dauerthema. Schlägereien, Alkohol- und Drogenexzesse und ein momentaner Gefängnisaufenthalt zerstörten endgültig das Heile-Welt-Bild, um das sich die Schauspielerin ihr Leben lang bemüht hat. Plötzlich war selbst sie in der Realität angekommen. "Das verlorene Glück" haben wir bei Gala damals getitelt.

Sie hat es sich ein bisschen zurückverdient. Sie ist wieder verheiratet, lebt zurückgezogen. Aus dem Schätzchen ist eine Frau geworden, die durch Höhen und Tiefen gegangen ist. Fast wie im richtigen Leben - und das macht sie wieder so sympathisch. Alles Gute und Liebe zum 65. Geburtstag, Frau Glas.

Der Autor ist Chefredakteur der Illustrierten Gala.