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Urteil:Reparatur für 18 600 Euro

Jaguar-Besitzer klagt gegen Werkstatt-Rechnung und will sein Fahrzeug lieber kaputt wiederhaben

Juristen lieben Dreiecksgeschichten - nicht die sexueller Natur, sondern solche aus dem Vertragsrecht: Wenn der eine den anderen mit etwas beauftragt, und der dann die Dienste eines Dritten in Anspruch nimmt, womöglich ohne dem Ersten etwas davon zu sagen, dann wird's kompliziert, und kompliziert mögen sie auch, die Juristen. Womöglich also haben die Richter des 7. Senats am Oberlandesgericht Spaß gehabt bei der Formulierung dieses Urteils.

Die zugrunde liegende Geschichte spielt im Jahr 2012: Es ging um ein schickes Auto, einen Jaguar XJ 4.2, der allerdings den Geist aufgab - auf einer Fahrt von München nach Starnberg sank plötzlich die Leistung des Motors rapide ab, er verlor massiv Öl. Der Besitzer brachte den Wagen noch bis zu seiner Werkstatt. Bei der Diagnose kam heraus: defekte Zylinderkopfdichtung, zwei Zylinder, Kolben und Laufbuchsen irreparabel zerstört. Die Werkstatt schlug vor, einen Austauschmotor einzubauen und erstellte einen Kostenvoranschlag über 7000 Euro, dem der Fahrzeugbesitzer zustimmte. Als die Reparatur vollendet war, kam bei einer Probefahrt heraus, dass doch noch nicht alles in Ordnung war - der Motor lief nicht rund, es gab Zündaussetzer. Weil die Mechaniker den Fehler nicht finden konnten, brachten sie das Auto in eine Jaguar-Vertragswerkstatt. Davon erfuhr der Eigentümer jedoch erst später, und begeistert war er darüber nicht, weil er bereits negative Erfahrungen mit dieser Firma gemacht hatte. Die Jaguar-Spezialisten fanden nach mehrwöchiger Suche eine defekte Schwungscheibe und einen verstopften Katalysator.

Dem Autobesitzer war mittlerweile der Geduldsfaden gerissen - im März war der Defekt aufgetreten, jetzt war es Ende Juli. Er setzte der Werkstatt eine Frist von einer Woche "zum ordnungsgemäßen Abschluss der Reparaturarbeiten". Die schrieb zurück, dass es Schwierigkeiten mit der Lieferung des Ersatzkatalysators gebe. Als der - von der Jaguar-Werkstatt - eingebaut war und dem Besitzer mitgeteilt wurde, dass er sein Auto jetzt abholen könne, teilte er mit, dass er vom Reparaturvertrag zurücktrete und die Kosten der Jaguar-Werkstatt nicht tragen werde - insgesamt sollte er nun mehr als 18 600 Euro bezahlen. Dagegen klagte er. Er verlangte, die komplette Reparatur rückgängig zu machen, die alten Teile statt der neuen wieder einzubauen oder ihm diese zumindest herauszugeben, außerdem machte er Kosten für Nutzungsausfall geltend und dafür, dass er sich wegen der Dauer der Reparatur einen gebrauchten Audi A6 kaufen musste, für 33 000 Euro.

Vor dem Landgericht war die Klage abgewiesen worden - das Oberlandesgericht folgte großteils der Begründung der ersten Instanz. Am meisten Schrift verwendeten die Richter im Urteil dabei auf den Rücktritt vom Vertrag: Dazu hatte der Jaguarfahrer kein Recht, stellten sie fest. Denn ein Sachverständiger hatte ein Gutachten erstellt, wonach die Fehlerfindung in der Tat aufwendig gewesen sei und auch Lieferverzögerungen keine Seltenheit seien. Deshalb war die Rückgabe noch nicht "fällig" - und deshalb durfte der Eigentümer nicht vom Vertrag zurücktreten. Die Werkstatt aber bekam auch nicht vollständig Recht: Sie hatte ihren Kostenvoranschlag von 7000 Euro um das Zweieinhalbfache überschritten. In diesem Fall aber hätte sie den Auftraggeber informieren und sein Einverständnis einholen müssen. Aus diesem Grund muss der Besitzer nur die vereinbarten 7000 Euro - plus Kleinigkeiten - bezahlen. (AZ.: 7 U 3687/18)