KritikMit Witz und Verve

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Universalgenie mit ungewöhnlicher Technik: Uri Caine beim Konzert in der Unterfahrt.
Universalgenie mit ungewöhnlicher Technik: Uri Caine beim Konzert in der Unterfahrt.
Ralf Dombrowski

Uri Caine ist ein Universalgenie im Jazz. Mit seinem Trio gastiert er nach langer Zeit mal wieder in der Unterfahrt - und brilliert.

Von Oliver Hochkeppel, München

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Mit 65 ist auch Uri Caine jetzt in dem Alter, in dem gerne mal zurückgeschaut wird. So ist vor ein paar Wochen bei seinem Münchner Hauslabel Winter & Winter - Stefan Winter hat Caine seinerzeit entdeckt, auf seinem ersten Label JMT debütieren lassen und bis heute weit mehr als 20 Alben von ihm verlegt - "My Choice" erschienen: eine Art persönliche Werkschau, nicht zuletzt gefärbt durch Erinnerungen an inzwischen verlorene Begleiter und Freunde wie den Schlagzeuger Ralph Peterson Jr. und den Sänger Bunny Sigler.

Bei Caine muss so etwas automatisch ein Genre- und Stil-Kompendium der Musikgeschichte werden. Gibt es doch nur wenige Universalisten wie ihn, der dann auf einem Album eben Rachmaninoff- und Schumann-Originalklang oder Bach-Variationen als New-Orleans-Dixie- wie als Electro-Stück mit Soul-Hymnen, Funk-Reißern, Hardbop und Freejazz zusammenspannt. Ein Füllhorn, dass sich im Kleinen und auf Akustisch-Jazziges konzentriert, nun in der Unterfahrt wieder auftat, wo der ehemalige Stammgast Caine jetzt nach langer Zeit mal wieder im Trio zu Gast war.

Caine ist der Leibnitz, der Picasso und der Woody Allen des Jazz in einem

Gleichzeitig war es ein Wiedersehen mit dem noch ein paar Jährchen älteren Mark Helias am Bass, der immer wieder recht verrückte Ideen in sein Spiel einzuflechten versteht, weshalb man ihn früher oft mit Exzentrikern wie Ray Anderson, Tim Berne oder Cecil Taylor zu sehen bekam. Und mit dem deutlich jüngeren Schlagzeuger Ben Perowsky, der freilich neben zahllosen anderen Bands die meisten Jazzprojekte von Caine seit 2002 begleitet hat. Ein Trio also, bei dem nichts anbrennen, das alle Einfälle Caines mitgehen kann. Ob er nun wie zum Einstieg ganz frei ansetzt und alle einfach folgen lässt, ob es zu kernigem Hardbop geht, ob kurz ein "Für Elise" in Swing eingeschoben wird, ein Latin-Rhythmus übernimmt oder ein paar Funk-Cluster dem bereitstehenden, aber nur sehr sparsam benutzten Fender Rhodes entlockt werden.

Staunen darf man nach wie vor, wie "geläufig" Caine das alles von der Hand geht, mit einer für jemanden, der von der Klassik kommt, höchst ungewöhnlichen Technik, die von den Fingerballen bis zu den Fingerrücken alles benutzt. Damit führt er alles universalgenie-artig zusammen, vollendet es aus dem Moment heraus mit präzisem, einfachem Strich und garniert vieles auch noch mit dem jüdischen Witz, der aus Titeln wie "I'm Meshugah For My Sugah" oder "Prelude To A Diss" spricht. Uri Caine ist und bleibt der Leibnitz, der Picasso und der Woody Allen des Jazz in einem.

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