Urban Priol auf der Anti-Atomkraft-Demo:Nach Drohanrufen Geheimnummer beantragt

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Muss so etwas, darf so etwas sein? Wer den 49-Jährigen das fragt, erntet Spott. Priol erzählt die Geschichte, dass er vor einem Jahr in der Kaczynski-Sache eine Geheimnummer beantragen musste, weil seine Kinder Drohanrufe entgegennehmen mussten. Dass der Server seiner Agentur zusammenbrach, der Protest-Mails wegen. Dass aber die ganze Aufregung eher einem Übersetzungsfehler einer polnischen Zeitung geschuldet gewesen sei, weil die "das mit der Sau" missverstanden hätten.

Urban Priol auf der Anti-Atomkraft-Demo: Seit 2007 leitet Priol die ZDF-Anstalt, es gibt nicht wenige Kollegen, die das mindestens für eine Überraschung halten.

Seit 2007 leitet Priol die ZDF-Anstalt, es gibt nicht wenige Kollegen, die das mindestens für eine Überraschung halten.

Priol erzählt das so, als würde er gerade auf der Bühne stehen. Aus der Antwort auf die Frage, ob Humor Grenzen kennen müsse, macht er eine Kabarettnummer, ein bisschen wirkt das zwanghaft. "Ich bin ein Getriebener, das würde ich so gelten lassen", sagt Priol. Und nun die Sache Brüderle? Es mag Kritik daran geben, aber er sehe keinen Anlass, sich dazu zu äußern.

Seit 2007 leitet Priol die ZDF-Anstalt, es gibt nicht wenige Kollegen, die das mindestens für eine Überraschung halten. Denn erstens musste man Priol vor vier Jahren nicht unbedingt zur ersten Garde der Kabarettisten in Deutschland rechnen, auch wenn er zuvor in Unterfranken zwei Kabarettbühnen aus der Taufe gehoben und schon damals so ziemlich alle Kabarettpreise gewonnen hatte.

Und zweitens gab es das zuvor 27 Jahre lang nicht: Kabarett im ZDF. Dass sich Priol zu seinen politischen Präferenzen wie kaum ein anderer deutscher Kabarettist bekennt, machte die Sache eher noch verblüffender: Priol sagt von sich selbst, seit vielen Jahren ein Grüner zu sein. Im ZDF galt das nicht immer als ein Grund, im Sender Karriere zu machen.

Gerade nach dem eher laschen Nockherberg wird Priols Auftritt auf dem Odeonsplatz nun heftig im Internet debattiert. Da gibt es jene, die nichts mehr fürchten als eine "weichgespülte Kabarettisten-Szene", die den Spießbürgern nur als Feigenblatt diene. Und da gibt es jene, die Priols Brüderle-Bemerkung nicht fassen können und fragen, ob dieser Kabarettist keine Schamgrenze kenne. Priol hat die Passage schon seit Monaten im Programm. Größere Proteste, sagt sein Sprecher, habe es nie gegeben.

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