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Unterwegs an Tankstellen in München:Anzapfen und abzapfen

Benzin ist teuer wie nie und nicht mal mehr Bier können sie verkaufen, wie sie wollen: Münchner Tankstellen haben es derzeit nicht einfach. Die Kunden sind nicht nur verärgert - auch die Zahl der Benzindiebe steigt rapide.

Diese Szene läuft immer wieder gleich ab, wie ein ständig wiederkehrender Werbespot im Fernsehen: Ein Kunde tankt, sieht sich vorsichtig um, hängt den Zapfhahn ein - und springt blitzschnell in sein Auto, um das Weite zu suchen. "Da rege ich mich nicht mehr auf", sagt Frau Heindl, wie die Kassiererin der Tankstelle am V-Markt in der Balanstraße von ihrer Stammkundschaft genannt wird.

Bernhard Bader sucht per App nach günstigen Angeboten.

(Foto: Stephan Rumpf)

"Ich würde ihn eh nicht erwischen. Bis ich aus meinem Häuschen draußen bin, ist der über alle Berge." Nur eben nicht unerkannt, schließlich wird die Zapfanlage auf dem Parkplatz des Großmarktes per Video überwacht. Kein Detail - vor allem kein Autokennzeichen - entgeht den Kameras, weiß Heindl: "Wir kriegen sie alle."

Eine Tankstelle, das ist ein kleiner geschlossener Mikrokosmos, der dennoch viel über das große Ganze, über soziale Zusammenhänge und gesellschaftliche Probleme verrät. Und wie so oft im Leben geht es letztlich um ein uraltes Thema: ums Geld. "Jeder Preissprung, jede Steigerung und jede Verbilligung machen sich hier an den Säulen bemerkbar", weiß die Kassiererin. "Und das Geld sitzt halt nicht mehr so locker." Dass immer mehr Menschen das Risiko eines Diebstahls an einer Tankstelle eingehen, sei bezeichnend: "Und da geht es eigentlich nie um große Beträge. Wenn einer abhaut ohne zu zahlen, hat er fast nie vollgetankt." Das Gewissen, sagt Frau Heindl. Das Gewissen der Leute verhindere den Betrug mit einem vollen Tank.

Verantwortungsbewusstsein an der Tankstelle? Darüber kann Josef Dierl, der an der Anlage in der Rosenheimer Straße in der Spätschicht arbeitet, nur lächeln. "Das ist schon komisch, was sie sich da wieder ausgedacht haben", sagt Dierl beim Blick auf ein Schreiben des Münchner Kreisverwaltungsreferats, das den Betreiber der Tankstelle bereits im März dieses Jahres erreicht hat. Es nahm damals eine Gesetzesänderung der bayerischen Staatsregierung vorweg, die seit Juni für alle Tankstellen im Freistaat gilt.

Der Freistaat legt per Gesetzesnovelle die Tankstellen gewissermaßen trocken. "Tankstellen ohne Gaststättenerlaubnis dürfen nach Ladenschluss kleinere Mengen an Lebens- und Genussmitteln nur noch an Reisende verkaufen", lautet der Gesetzestext. Soll heißen: Zwei Liter Cola oder vier Halbe Bier, zwischen acht und 14 Prozent Alkoholgehalt nur noch ein Liter - für Autofahrer oder deren Beifahrer ab 20 Uhr. An Fußgänger und Radfahrer darf gar nichts mehr verkauft werden.

"So einen Schmarrn habe ich noch nie gehört", sagt der 18-jährige Michael aus Giesing, der sich mit seinen Freunden auf dem Weg in die Kultfabrik befindet - zu Fuß. "Aber vielleicht stell' ich mein Auto das nächste mal einfach an der Tanke ab. Und wenn ich nach Hause fahr', kann ich ja noch was einkaufen." Einen Alternativvorschlag präsentiert Michaels Kumpel Anian, der sich eigentlich nicht über die Vorschriften amüsieren kann: betrunken das Auto zur Tankstelle schieben. "Dann müsste man doch auch einkaufen dürfen."