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Flüchtlingsunterkunft:Die erste Traglufthalle Bayerns

Sieht aus wie ein Schlafplatz für einen Riesen, bietet aber bis zu 300 Flüchtlingen eine vorübergehende Unterkunft: die Traglufthalle in Taufkirchen.

(Foto: Claus Schunk)
  • In Taufkirchen im Landkreis München steht die erste Traglufthalle Bayerns, die als Unterkunft für Flüchtlinge genutzt wird.
  • In der Halle sollen bis zu 300 Asylbewerber untergebracht werden.
  • Das Interesse daran ist groß: Mehr als tausend Besucher haben sich die Halle angesehen.

Bevor die ersten Flüchtlinge an diesem Mittwoch die Traglufthalle in Taufkirchen betreten werden, müssen sie durch eine Schleuse aus zwei blauen Stahltüren: Wegen des Luftdruckgefälles können sie die zweite Tür erst öffnen, wenn die erste hinter ihnen geschlossen ist. Im Inneren unter dem neun Meter hohen Dach, dessen Folie das Tageslicht durchlässt, können sie das Wort "München" über einer Lounge-Ecke mit Kunstledersofas und Topfpflanzen lesen.

Gegenüber, auf einem Toilettencontainer, steht "herzlich willkommen ", auch auf Englisch, Französisch und Arabisch. Sie werden den Eingangsbereich mit Esstischen und einer kleinen Spielecke für Kinder passieren, an den Toiletten- und Duschcontainern vorbei, und sich dann sich dann zu den durchnummerierten Parzellen begeben, die man ihnen zuweist: durch Stellwände mit Vorhang abgetrennte Bereiche mit je drei Stockbetten, einem Tisch, zwei Stühlen, zwei Doppelspinden und einer Stehlampe, in denen die Enge von elf Quadratmetern für sechs Personen mit der Weite des Blickes nach oben zum Hallendach kontrastiert.

Die erste Traglufthalle Bayerns

Die neue Notunterkunft ist nicht nur die erste Halle dieser Art im Landkreis München, die sich statt über Tennisplätze oder Schwimmbäder nun über Schlafkabinen, Sitzgruppen und Cateringbereiche wölbt. Dieses gigantische weiße Gebilde, das aussieht, als hätte ein Riese sein Kopfkissen abgelegt, ist auch die erste Traglufthalle in Bayern, in der auf einer Fläche von knapp 2600 Quadratmetern vorübergehend bis zu 300 Asylbewerber untergebracht werden sollen. Entsprechend groß war der Andrang am Sonntag, als die Halle drei Stunden lang besichtigt werden konnte.

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Mehr als tausend Besucher zählte das Landratsamt an diesem doch recht einmaligen Abend der offenen Tür. Eine große Menschentraube hatte sich vor der Schleuse der weißen Kuppel gebildet, gerade so, als würde im Innern der Traglufthalle gleich ein Star auftreten. Dabei gab es nichts weiter als Stockbetten, Spinde und Waschmaschinen zu sehen, zu hören war das leise Summen des Gebläses. Bei manchen war es womöglich einfach Neugier, sich statt an der Schenke im Biergarten in die lange Schlange auf der Zirkuswiese am Köglweg einzureihen, um sich dieses Ding mal von innen zu betrachten, über das derzeit so viel geredet wird.

Insbesondere aber hatten Entscheidungsträger wie Landräte, Bürgermeister und Gemeinderäte aus ganz Bayern das Angebot des Münchner Landratsamts angenommen, diese aufblasbare Notlösung voll eingerichtet an ihrem Bestimmungsort zu besichtigen. Politische Vertreter aus Rosenheim und Neu-Ulm und sogar aus Österreich und Italien waren neben Sozialbetreuern und Vertretern zahlreicher Helferkreise an der Halle interessiert. Bislang hatte der Hersteller lediglich in Berlin eine Traglufthalle für Asylbewerber aufgebaut. Dort hatte sich vor ein paar Wochen Landrat Christoph Göbel (CSU) von dieser für ihn tragfähigen Lösung überzeugen lassen.

Wie der Landkreis die nächsten Monate plant

Der Landkreis München setzt auf insgesamt sieben aufblasbare Hallen, weil er mit dem Bau von festen Flüchtlingsunterkünften gar nicht so schnell nachkommt, wie die Zahlen der Asylbewerber steigen. 1900 sind derzeit in den 29 Kommunen untergebracht, mit zusätzlichen 2000 rechnet der Landrat bis Ende des Jahres. Die Alternative wäre eine weitere Belegung von Sporthallen gewesen. Doch nicht nur, weil der Landrat das sowohl den Flüchtlingen als auch den Vereinen und Schulen ersparen will, hält er die Traglufthallen für die bessere Idee.

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Er ist auch überzeugt davon, dass die Bedingungen für eine Unterkunft unter dem schwebenden Dach mit den Sechser-Abteilen besser sind als in einer Sporthalle, in der sich Bett an Bett reiht. Gleichwohl bleiben diese sieben Kuppeln eine Notlösung, die den Landkreis pro Halle und Monat immerhin 80 000 Euro Miete kostet. Das ist zwar günstiger als Container, aber keine Dauereinrichtung. Spätestens nach zwölf Monaten müssen diese Hallen die Felder und Wiesen im Landkreis wieder räumen, länger dürfen diese "fliegenden Bauten" nicht stehen bleiben. Bis dahin aber sollen die geplanten Unterkünfte in Modulbauweise bezugsfertig sein.

Für die Produzenten der Halle war der Sonntag auch ein wichtiger Geschäftstermin. "Die Nachfrage ist vorhanden", sagt Jürgen Wowra, Geschäftsleiter der Firma Paranet, die die Traglufthallen konzipiert hat. 20 davon wird das Unternehmen laut Wowra in diesem Jahr errichten, in Oberbayern, Baden-Württemberg und im Rheinland.