Untergiesing Luxussanierung verhindert

Im Fokus von Sanierungsplänen, die für Mieter teuer werden könnten: ein Wohnblock in der Konradinstraße.

(Foto: Schellnegger)
  • In einer Wohnanlage an der Konradinstraße in Untergiesing ist eine Luxussanierung verhindert worden.
  • Das Bündnis für bezahlbares Wohnen und die Mieter haben mit dem Wohnungsunternehmen GBW einen Kompromiss verhandelt, der nun eine Teilsanierung vorsieht.
  • Für einige Mieter wäre die durch die Sanierung entstandene Mieterhöhung nicht bezahlbar gewesen.
Von Stephanie Beutel

Dem Bündnis für bezahlbares Wohnen ist es gelungen, die Luxussanierung einer Wohnanlage in Untergiesing zu verhindern. In mehreren Verhandlungssitzungen haben die Mieterschützer gemeinsam mit dem Wohnungsunternehmen GBW einen Kompromiss gefunden, der nur noch eine Teilsanierung vorsieht.

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Vergangenen Herbst haben die Mieter an der Konradinstraße 23 bis 29 von einer geplanten Vollsanierung erfahren. Die GBW plante, an den Fassaden neue Wärmedämmungen anzubringen, neue Fenster und Balkone einzubauen und das Dachgeschoss mit acht neuen Wohnungen aufzustocken. Die Mieten für die 32 Wohnungen sollten danach um drei Euro pro Quadratmeter steigen; was eine Mieterhöhung von monatlich 150 Euro bei 50 Quadratmetern ausmacht. Die Mieter informierte die GBW in mündlichen Einzelgesprächen, wodurch die Informationspolitik des Unternehmens in die Kritik geriet.

Unbezahlbar nach dem Umbau

Für acht Bewohner mit finanziellen und gesundheitlichen Schwierigkeiten war die Mietpreissteigerung zudem unzumutbar. Sie befürchteten, sich ihre Wohnung nach dem Umbau nicht mehr leisten zu können. Kollektiv stemmten sich die Bewohner deshalb gegen die Sanierung, mit der Unterstützung des Bezirksausschusses. Der forderte die Stadt München dazu auf, die Anlage zu kaufen, um die Mieter zu schützen. Im November vergangenen Jahres zeichnete sich dann eine Lösung ab, die GBW trat in Verhandlungen mit den Bewohnern und dem Bündnis für bezahlbares Wohnen.

Im Gespräch: Karl Scheinhardt (GBW), SPD-Stadträtin Anne Hübner, Maximilian Heisler (Bündnis) und SPD-Bezirksrätin Helga Hügenell (v. links).

(Foto: Peljak)

Das Resultat: Eine Sanierung kommt, aber in einem Umfang, der für alle Mietparteien tragbar ist - mit besonderer Rücksicht auf die Bedürfnisse älterer Mieter und sozialer Härtefälle. Sozial benachteilige Bewohner bekommen so während der Bauzeit die Miete erlassen, Mieterhöhungen werden individuell vereinbart, damit keiner nach der Modernisierung ausziehen muss. Während der Baumaßnahmen betreut die GBW die Mieter durch ein Baucontainer-Büro unmittelbar vor Ort.

Kosten werden nicht auf Mieter umgelegt

Von den geplanten Maßnahmen setzt die GBW einiges um: Die Wärmedämmung ist fix; Flächenverluste sollen durch größere Balkone kompensiert werden. Deren Kosten werden nicht wie geplant auf die Mieter umgelegt, heißt es seitens der GBW. Neue Fenster und Heizkörper werden zeitversetzt ausgetauscht, sodass die Mieter sich stets in den Räumen ihrer Wohnungen aufhalten können, die nicht vom Umbau betroffen sind. Der Hauseingangsbereich wird erneuert, die vorhandenen Garagen werden saniert, der Fahrradabstellplatz erhält ein Dach.

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In der vorigen Woche stellte die GBW den Kompromiss in einer Mieterversammlung an der Konradinstraße vor, die Bewohner zeigten sich zufrieden, so Maximilian Heisler, selbst Mieter und Vorsitzender des Bündnisses für bezahlbares Wohnen. Auch er ist euphorisch: "Wir haben gemeinsam mit der GBW ein Rundum-sorglos-Paket für alle Bewohner geschnürt", sagt er, "dass wir alles im Vorfeld ohne Gericht klären konnten, ist unglaublich".

Mieter machten sich für andere Mieter stark

Die Öffentlichkeitsarbeit und der Einsatz aller Mieter haben eine große Rolle bei der Kompromissfindung gespielt, so Heisler. Dass jeder Bewohner über den eigenen Tellerrand blicke und sich für andere Mieter stark mache, sei selten. Seitens der GBW heißt es, die konstruktiven Verhandlungen mit dem Bündnis bezahlbares Wohnen haben während der vergangenen acht Monate entscheidend dazu beigetragen einen Mittelweg zu finden.

Eine Lösung wie im Fall Konradinstraße gab es bei GBW-Wohnungsbauten bislang noch nie. Dass es auch anders geht, zeigt unter anderem die Sanierung an der Rhein-/Mainzer Straße in Schwabing; die Wohnungen wurden größtenteils als Eigentumswohnungen verkauft. Maximilian Heisler hofft auf eine Strahlkraft der Einigung. "Wenn es die Politik nicht schafft, müssen Wirtschaft und Mieter eben zusammenkommen", sagt er, "es wäre toll, wenn sich unser Kompromiss auf andere Anlagen auswirkt".