Bürger-Workshop geplant:Wahrzeichen mit Schattenwurf

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Bürger-Workshop geplant: Gewagt und deshalb umstritten: Der Entwurf für den geplanten Neubau am Candidplatz in Untergiesing.

Gewagt und deshalb umstritten: Der Entwurf für den geplanten Neubau am Candidplatz in Untergiesing.

(Foto: Heller & Partner)

Das Candid-Tor wird die Höhe des Dachfirsts der Heilig-Kreuz-Kirche erreichen. Den Nachbarn verspricht der Investor eine positive Lärmbilanz und Gastronomie, den Bestandsmietern faire Konditionen.

Von Julian Raff

Wegen seiner spektakulären Architektur hat das "Candid-Tor" bereits als Entwurf eine lebhafte Diskussion in der Stadtgestaltungskommission ausgelöst. Der Bezirksausschuss Untergiesing-Harlaching, wo Bauherr und Investor Michael Ehret das Projekt nun vorgestellt hat, interessierte sich dagegen vor allem für Nutzung, Energiebilanz, Schallreflexion und Schattenwurf der Neubauten, die das in die Jahre gekommene Ärzte- und Bürohaus auf der Verkehrsinsel zwischen dem Mittleren Ring und der Candidstraße zu einem Torbogen aus gestapelten Kuben komplettieren sollen. Die Anwohner können zum Entwurf des niederländischen Büros MVRDV wohl im Frühjahr Stellung beziehen.

Wie Ehret in der Online-Runde ausführte, wird das Tor durch die Tallage etwa die Höhenmarke des Dachfirsts der Heilig-Kreuz-Kirche erreichen, die als Giesinger Wahrzeichen weiter nördlich aufragt. Der Bau werde somit von der Kreuzung Tegernseer Landstraße/Grünwalder Straße zu sehen, vom Wettersteinplatz aus aber eher zu ahnen sein. Die Verschattung der nördlich, jenseits des Rings angrenzenden Wohnbauten rechnete Ehret für die Tag-Nacht-Gleiche um den 21. März vor. Anwohner-Vertreter, die sich um Wohnkomfort und Solar-Erträge sorgen, mahnten dabei eine ergänzende Winter-Simulation an.

Trotz teilweiser Verschattung entsteht ein Zuwachs an Photovoltaikfläche

Die Solarpaneele an der südlichen Lärmschutzwand des Mittleren Rings werden durch den Neubau auf jeden Fall verschattet, allerdings entstehe in der Summe ein Zuwachs an Photovoltaikfläche, versicherte der Projektentwickler. Nicht restlos zerstreuen konnte er Bedenken, der Bau könnte den Lärm vom Ring-Norden reflektieren, auch wenn er sich von Schall schluckenden Fassadenverkleidungen eine neutrale, wenn nicht sogar positive Lärmbilanz für die nördlichen Nachbarn verspricht.

Das für seine eher triste Lage üppig bepflanzte Grundstück wird laut Ehret trotz Verdichtung nicht an horizontalem und vertikalem Grün einbüßen, wobei Dach- und Fassadenbepflanzungen großteils mit Niederschlagswasser versorgt werden sollen, das in Zisternen und "Retentionsboxen" gesammelt wird. BA-Chef Sebastian Weisenburger (Grüne) sah sich sogar an den Mailänder "Bosco Verticale" erinnert, auch wenn der dortige Vegetationsanteil in Untergiesing wohl nicht erreicht werden kann. Besonders kritisch fragten die BA-Vertreter in puncto Wirtschaftlichkeit und Vermietung nach, schließlich findet Gentrifizierung und Verdrängung in Untergiesing längst auch bei den Gewerbemieten statt.

Auf der Dachterrasse soll Gastronomie Platz finden

Mit Hinweis auf Referenzprojekte wie das "Heimeran" am gleichnamigen Platz beansprucht Ehret für sich, aufgekaufte Flächen zu "kuratieren", anstatt sie bloß mit maximaler Rendite zu verwerten. Bestandsmieter sollten demnach auf jeden Fall zu fairen Konditionen am Standort bleiben können. Dieser lasse sich zugleich um weitere medizinische Dienstleister erweitern, ein Krankenfahrdienst habe schon Interesse angemeldet. Darüber hinaus solle das Tor generell eine "versorgende Wirkung" fürs Viertel übernehmen, eventuell mit einem Bürger- und Kulturzentrum und Lebensmittel-Nahversorgern, ziemlich sicher aber mit einer Gastronomie auf der Dachterrasse.

Die bestehende Tiefgarage soll nicht erweitert, sondern mit alternativen Mobilitätsangeboten effizienter genutzt werden. Derzeit steht sie nach Ehrets Angaben trotz oberirdischer Parkplatznot meist halb leer. Miterschließen und -aufwerten möchte der Investor die großteils öffentlichen Flächen unter der Candidbrücke, derzeit als Parkplatz und demnächst mit einem Boulderblock vielleicht auch sportlich genutzt. Gelegenheit zur kritischen Mitsprache vor den weiteren Verfahrensschritten soll ein mehrtägiger Bürger-Workshop bieten, voraussichtlich Ende April nach den Osterferien.

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