Süddeutsche Zeitung

Unterföhring:Leichenfund am Feringasee: Frau wurde womöglich ermordet

  • Landschaftsgärtner haben am Montag am Feringasee in Unterföhring eine verkohlte Frauenleiche gefunden.
  • Die Experten der Spurensicherung stellten bei der Leiche Spuren von Brandbeschleuniger fest.
  • Für die Ermittler ist das ein Hinweis darauf, dass die Frau womöglich ermordet wurde.

Von Thomas Schmidt

Die Leiche war völlig verkohlt. Der Körper der Frau muss so stark gebrannt haben, dass die Experten der Mordkommission selbst am Tag nach dem grausigen Fund nicht wagten, auch nur vorsichtige Einschätzungen abzugeben: Wie alt das Opfer war, ganz grob? Keine Antwort. Ob sie europäisch aussah, asiatisch, vielleicht afrikanisch? Wieder keine Antwort.

"Wir müssen auf das Ergebnis der Obduktion warten", erklärte der Pressesprecher des Polizeipräsidiums, Thomas Baumann, am Dienstag. Er rechnete mittags zwar "stündlich" mit dem Bericht aus der Rechtsmedizin. Anschließend müssen Mordkommission und Staatsanwaltschaft aber immer noch klären, welche Informationen an die Öffentlichkeit gelangen dürfen - und welches Täterwissen die Ermittler vorerst lieber für sich behalten. Und da gab es bis zum Abend keine Entscheidung.

Was bisher bekannt ist: Landschaftsgärtner mähten am Montagnachmittag die Wiesen am Feringasee und stießen dabei auf eine verkohlte Frauenleiche. Sie lag vor einem dichten Gebüsch ganz am Rand eines mit Gras bewachsenen Parkplatzes, der laut Polizei nur zur Hochsaison benutzt wird, wenn am Badesee richtig viel Betrieb herrscht. Die Gärtner riefen die Polizei, die Mordkommission übernahm die Ermittlungen und ließ den Fundort weiträumig absperren.

Die Experten der Spurensicherung arbeiteten bis in die Nacht hinein und stellten bei der Leiche Spuren von Brandbeschleuniger fest. Für die Ermittler ist das ein deutlicher Hinweis darauf, dass die Frau getötet, womöglich ermordet wurde. Ein Unfall oder ein Suizid können zunächst zwar nicht vollständig ausgeschlossen werden, erscheinen aber sehr unwahrscheinlich.

Die Obduktion der Leiche soll nun Klarheit über die Todesursache bringen. Außerdem entnehmen die Gerichtsmediziner DNA-Proben und versuchen, ein Zahnschema zu erstellen, um die Identität der Frau zu klären. Die Spurensicherung fand keine Ausweispapiere bei ihr, überhaupt hatte die Frau kaum persönliche Gegenstände bei sich. Während die medizinische Untersuchung noch lief, war die klassische Polizeiarbeit längst angelaufen. Auch kleinsten Spuren wird gefolgt.

Im näheren Umfeld des einsamen, abgelegenen Fundorts wurden keine Fahrzeuge oder Fahrräder entdeckt, es ist noch völlig unklar, wie die Frau dorthin gelangte, ob sie zu Fuß zum Parkplatz lief oder womöglich von jemandem gebracht wurde. Die Polizei überprüft deshalb alle Fahrzeuge, die rings um den Feringasee abgestellt waren, vielleicht gehörte eines davon der Frau. Ermittler gleichen zudem die aktuellen Vermisstenfälle in München und Bayern ab, womöglich wird bereits nach der Toten gesucht.

Wie lange die Leiche östlich des Sees auf dem Gras lag, als sie schließlich von den Gärtnern gefunden wurde, war am Dienstagmittag ebenfalls noch nicht geklärt. Der Feringasee liegt nordöstlich von München auf Unterföhringer Gemeindegebiet. Eine weitere Absuche des Geländes bei Tageslicht ist laut Polizeisprecher Baumann zunächst nicht geplant, außer die Ermittler stoßen auf neue Hinweise, die eine zweite Suche sinnvoll erscheinen lassen.

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SZ vom 13.09.2017/amm
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