bedeckt München 14°
vgwortpixel

Unterbringung:Zufluchtsort für Frauen

In Ramersdorf ist eine Unterkunft für weibliche Flüchtlinge geplant

In München entsteht erstmals in Bayern eine Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge, in der nur Frauen und ihre Kinder wohnen. An der Rosenheimer Straße sollen etwa 40 Frauen und 20 Kinder Platz finden, wie der Verein Condrobs mitteilt. Sie werden dort rund um die Uhr betreut. "Durch den großen Flüchtlingsansturm und die überfüllten Erstaufnahmeeinrichtungen ist der Bedarf an einer solchen Einrichtung größer denn je", sagte die Condrobs-Vorsitzende Eva Egartner.

Bislang gibt es nur vereinzelt spezielle Wohngruppen für besonders schutzbedürftige oder traumatisierte Frauen - die Initiative für Münchner Mädchen (IMMA) zum Beispiel betreibt eine solche im Lehel. Auch gibt es in der Bayernkaserne ein Haus, das nur mit Frauen und Kindern belegt wird. Das aber reiche nicht, argumentieren die Initiatoren der neuen Unterkunft, da Frauen auch dort nicht ausreichend geschützt seien - etwa vor Gewalt oder sexuellen Übergriffen. Deshalb entsteht in Ramersdorf nun erstmals eine große Gemeinschaftsunterkunft nur für Frauen - völlig unabhängig und getrennt von anderen Unterkünften.

Sie wird von drei Verbänden gemeinsam betrieben: Condrobs, Frauenhilfe und Pro Familia. Mit ihrer Idee sind sie nach eigenen Angaben auf die Stadt zugegangen. Condrobs und Frauenhilfe sind auch Teil des "Münchner Frauennetzes", das im April großen Wirbel ausgelöst hatte mit einem Papier, in dem von regelmäßigen Vergewaltigungen und Zwangsprostitution in der Bayernkaserne die Rede war. Damit begründeten die Verbände ihre Forderung nach einer getrennten Unterbringung, sie hatten aber keine Belege für ihre Behauptungen. Politiker nahezu aller Couleur bis hin zur bayerischen Sozialministerin Emilia Müller (CSU) kritisierten dieses Vorgehen als unverantwortlich. Laut Condrobs kommen in München jeden Monat etwa 80 bis 90 Frauen alleine an. Zwar flüchten sie in der Regel "im Familienverbund", werden aber während der Flucht oft von ihrem Partner oder anderen männlichen Begleitern getrennt.

© SZ vom 21.12.2015 / kast
Zur SZ-Startseite