Unterbringung von Geflüchteten Bamf-Chef verteidigt "Ankerzentren"

Von Viktoria Spinrad

Der Präsident des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (Bamf), Hans-Eckhard Sommer, hat das Konzept der sogenannten Ankerzentren verteidigt. "Das Prinzip, was dahintersteht, ist durch und durch vernünftig", sagte er am Montag bei einer Veranstaltung im Münchner Presseclub. In den "Ankerzentren" könnten viele Asylverfahren deutlich beschleunigt werden, weil die zuständigen Behörden vor Ort seien, in "teils unter zwei Monaten" hätten die Antragsteller eine finale Entscheidung. Auch werde viel getan, "um die Ankerzentren kindgerecht zu gestalten" , sagte Sommer - eine Aussage, die in München noch vor Kurzem für Empörung gesorgt hätte. Die Zustände in der Funkkaserne waren teils verheerend: Verschimmelte Duschen, überfüllte Wohnräume, kein Platz für spielende Kinder, das waren nur einige der Kritikpunkte an der Unterkunft. Inzwischen wurde nachgebessert. In der zweiten staatlichen Einrichtung in Trudering, die am 1. Juni öffnen wird, haben die Behörden von vorneherein darauf geachtet, dass auch Familien mit mehreren Kindern ordentlich untergebracht werden können.

Das Bamf war vergangenes Jahr in die Schlagzeilen geraten, von tausendfachem Asylmissbrauch war die Rede. Im Juni 2018 übernahm Hans-Eckhard Sommer die Behörde. Inzwischen habe sich die Lage im Bamf beruhigt: Es gebe weniger Asylanträge, weniger befristete Arbeitsverhältnisse und weniger von den Gerichten aufgehobene Asylentscheide - "wir sind wieder in der Lage, qualitativ gut zu arbeiten". Der 57-Jährige, der früher im bayerischen Innenministerium als Leiter des Sachgebiets Ausländer und Asylrecht arbeitete, bezeichnete sich selbst als "Hardliner" und gilt als einer der Architekten der umstrittenen "Ankerzentren".

Von Initiativen, die sich dafür einsetzen, Geflüchtete schneller und unbürokratischer in Jobs zu bringen, hält Sommer nichts. In München haben die Sozialgenossenschaft Bellevue di Monaco und der bayerische Flüchtlingsrat vor Kurzem das Projekt "Lass mas halt arbeiten" gegründet. Es soll auf Arbeits- und Ausbildungsverbote für Tausende Geflüchtete aufmerksam gemacht werden. Sommer verwies darauf, dass es bundesweit knapp 500 000 anerkannte Geflüchtete gebe, die zwar arbeiten dürften, aber arbeitslos sind. "Warum muss es der eine abgelehnte Afghane sein?" Unternehmer, die dringend nach Arbeitskräften suchen und in dem einen Afghanen genau den richtigen Angestellten gefunden hätten, sehen das wohl anders.