Unterbringung von Flüchtlingen 300 neue Asylbewerber

300 Asylsuchende sind allein am Donnerstag neu in München angekommen. Maria Els, die Vizepräsidentin der Bezirksregierung, steht jetzt zwischen den Zelten und versucht zu erklären, wohin sie und ihre Leute, die teils bei zur Erschöpfung und darüber hinaus arbeiten, die Flüchtlinge bringen wollen. Sie spricht vom Schulterschluss, dankt Stadt und KJR und Feuerwehr für die Kooperation, sagt, dass sie täglich neue Quartiere zu erschließen suchen.

Aber eine Antwort, wie es weitergehen soll, gibt sie nicht. Niemand hat eine Antwort. Die Flüchtlingspolitik unter Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) läuft schon lange im Not-Not-Not-Modus. Dazu gehören auch ein paar Hotelzimmer, in die die Regierung Familien mit Säugligen oder Schwangere unterbringt. Die Zimmer sind nur ein Tropfen, und der Stein, auf den sie fallen, glüht.

Asylbewerberunterkunft Debatte um neue Unterkünfte
Asylbewerber in München

Debatte um neue Unterkünfte

München will etwa 3000 neue Plätze für Asylbewerber und Wohnungslose schaffen. Allerdings behauptet die CSU, dass einige Stadtteile bei der Verteilung benachteiligt werden.   Von Dominik Hutter

"We do our best"

Am Freitagnachmittag schaut sich die Politprominenz in der Bayernkaserne um, in der Zentrale der oberbayerischen Erstaufnahme, in der weit mehr als 4000 Menschen leben, verteilt auf Dependancen in halb Oberbayern. Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) ist mit hochrangigen Vertretern des Bündnisses für Toleranz gekommen, sie wollen ein Willkommenssignal senden. Sofort ist er von einer Traube Menschen umgeben, sie sehen den großen Mann im dunklen Anzug als Hoffnungsträger. "We do our best", sagt er, und später: "I do my very best." Er kann aber nicht wirklich helfen, nicht bei individuellen Sorgen, und auch nicht, weil die bayerische Asylpolitik ist, wie sie ist.

Reiter ist sauer auf Ministerpräsident Seehofer. "Das nervt mich wirklich", sagt er. "Es kann so nicht mehr weitergehen." Wie lange schon fordere die Stadt, dass schneller mehr Unterkünfte zu schaffen seien. In einem Brief an Seehofer wird Reiter deutlich: Er wolle nicht länger hinnehmen, dass der Freistaat "am laufenden Meter provisorische Notlösungen" für kurze Zeit schaffe. Es brauche endlich einen gesamtbayerischen Krisenstab. Und die unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge müssten besser verteilt werden: "München ist nicht mehr in der Lage, für eine ordnungsgemäße Unterbringung und Betreuung zu sorgen."

Unvorhersebar sei das gewesen, sagt Spaenle

Je länger Reiter in der Kaserne zuhört, je intensiver ihn die Flüchtlinge bedrängen, desto wütender scheint er zu werden - auf die bayerische Staatsregierung. Von der sind zwei Minister da, Emilia Müller (Soziales) und Ludwig Spaenle (Kultus). Versäumnisse? Ach was. Vorreiter sei Bayern bei den Sprachkursen, lobt sich Spaenle. Und Müller sagt, dass der Bund endlich mehr tun müsse, für die unbegleiteten Minderjährigen vor allem. Und Bayern? Dass jetzt so viele Flüchtlinge kommen angesichts der Kriege, "das weiß doch keiner", sagt Müller. Spaenle assistiert: Unvorhersehbar sei das gewesen.

Im Kapuzinerhölzl richten sich die Menschen derweil vorübergehend in den großen Zelten ein. "Socken. Irgendjemand wollte doch Socken." Die junge Frau aus dem Tent-Team hat eine große Tüte in der Hand, gefüllt mit Socken. Selbst gestrickt und warm, nicht gebraucht, sondern ganz neu. Gleich kommen ein paar neue Campbewohner und greifen zu. Eine Nachbarin, erzählt die junge Frau im roten Shirt, hat die Tüte am Morgen abgegeben, sie hatte gehört, dass Flüchtlinge gekommen sind. Kinderpullis sind auch in der Tüte, ebenfalls selbst gestrickt und mit Bären vorne drauf. Auch das ist ein Signal, wie der Politikerbesuch in der Bayernkaserne. Ein Signal aus der Münchner Bevölkerung, wie es derzeit viele gibt: Wir wollen helfen, heißt es.