Pandemie:Corona-Verwirrung an den Universitäten

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Pandemie: Im großen Hörsaal der Ludwig-Maximilians-Universität sorgten im Sommer 2020 weiße Aufkleber dafür, dass die Abstände eingehalten wurden.

Im großen Hörsaal der Ludwig-Maximilians-Universität sorgten im Sommer 2020 weiße Aufkleber dafür, dass die Abstände eingehalten wurden.

(Foto: Catherina Hess)

Seit knapp einer Woche gilt an den bayerischen Universitäten die 2-G-Regel - aber nicht durchgehend und für alle gleichermaßen. Kontrolliert wird nur stichprobenartig. Viele Studierende sind frustriert, wenn sie nun wieder zu Hause sitzen müssen.

Von Ben Bergleiter

Die Hallen der Ludwig-Maximilians-Universität werden immer leerer, immer trostloser. Vor einem oder vor zwei Monaten schritten noch Hunderte maskierte Studierende durch die Gänge, auf der Suche nach dem richtigen Hörsaal. Viele Erstsemester sahen ihre Uni zum ersten Mal von innen, viele höhere Semester auch. Heute huschen wieder nur vereinzelte Gestalten schüchtern durch die großen Torbögen und die langen Treppen hinauf. Der Grund für das Ausbleiben der jungen Menschen ist offensichtlich: Corona. Seit Mittwoch, 24. November, gilt an den Unis die 2-G-Regelung. Die Entscheidung, ob eine Lehrveranstaltung online, in Präsenz oder hybrid stattfindet, liegt bei den Lehrenden. Auch vor Einführung der 2-G-Regel an den Unis sagten viele Dozierende bereits Präsenz-Veranstaltungen ab. Die Unis haben zwar keine genauen Zahlen, aber sie gehen davon aus, dass der Großteil der Lehrveranstaltungen mittlerweile wieder online stattfindet.

Das frustriert viele Studierende, denn jetzt sitzen sie, wie die anderthalb Jahre davor, wieder zu Hause an ihren Schreibtischen. "Ich habe keine Lust mehr, in meinem Mini-Zimmer zu sitzen", klagt Architekturstudent Nils. Sein Semester hat mit den meisten Veranstaltungen in Präsenz angefangen, jetzt sind acht von zehn online. Auch Politikstudentin Joana hofft weiter auf Präsenz, "das sind die einzigen Vorlesungen, in denen ich geistig anwesend bin".

Nachdem der bayerische Ministerpräsident Markus Söder während der Pressekonferenz am Freitag, 19. November, in einem Nebensatz erwähnte, dass 2G an bayerischen Hochschulen gelte, gab es erst einmal Verwirrung an den Unis. Am Montag nach der Pressekonferenz waren noch Fragen offen: Gilt das auch für Lehrende? Wird eine Hybrid-Lehre verpflichtend sein? Müssen Prüfungen auch unter 2G stattfinden?

Die einzige Ansage der bayerischen Staatsregierung an die Unis sei besagter Nebensatz Söders auf der Pressekonferenz gewesen, erzählt Ulrich Meyer, der Pressesprecher der Technischen Universität (TU) München. "Wir hängen in der Luft" sagte er.

Im Laufe der Woche trug das bayerische Wissenschaftsministerium dann noch etwas zur Klarheit bei. Für das Personal der bayerischen Unis gelte lediglich eine 3-G-plus-Regelung - also geimpft, genesen oder mit gültigem PCR-Test. Bei Prüfungen gelte für Prüflinge ebenfalls nur 3G plus, und eine Verpflichtung für Dozierende, Präsenzveranstaltungen auch online - also hybrid - anzubieten, gebe es nicht.

Die Regeln werden nicht immer klar durchgesetzt

Aber ganz so klar sind diese Regelungen anscheinend doch nicht, denn die derzeit stattfindenden Juristischen Staatsexamen laufen komplett ohne irgendwelche G-Regelungen ab. Das zuständige Landesjustizprüfungsamt beruft sich bei dieser Entscheidung darauf, dass die geltenden Regelungen explizit nicht für "bereits laufende" Prüfungen gelten würden.

Die Staatsexamen haben am Dienstag, 23. November, begonnen und einen Tag später sind die Regelungen in Kraft getreten. Ein Prüfling, der anonym bleiben möchte, verurteilt diese rechtlich vermutlich unbedenkliche Entscheidung jedoch und beschreibt sie als "verantwortungslos und grob leichtfertig".

Er äußert die Sorge, dass sich die Prüfungen zu einem "Super-Spreader-Event" entwickeln könnten, da sich an elf folgenden Wochentagen 150 Menschen ohne Maskenpflicht für fünf Stunden in einem Innenraum zusammenfänden. Das Landesjustizprüfungsamt kündigte an, dass zumindest die mündlichen Staatsexamen mit einer 3-G-plus-Regelung stattfänden.

Auch mit der Umsetzung der 2-G-Regelung gibt es noch Probleme. Die Münchner Unis setzten Anfang des Semesters noch auf strikte Kontrollen der Nachweise an den Eingängen. Spätestens seit November werden diese aber nur noch stichprobenartig kontrolliert.

Luise Lorentz, die Tourismusmanagement an der Hochschule München studiert, erzählt, dass sie seit der Umstellung auf Stichproben erst ein einziges Mal kontrolliert worden sei. Manche Dozierende kontrollieren deshalb auch zusätzlich in den Veranstaltungen, doch das funktioniere auch nicht immer gut, erzählt Lorentz.

Die Hochschule kontrolliert nur noch stichprobenartig - aus finanziellen Gründen

Die Kontrolle einer Lehrkraft habe einmal daraus bestanden, in den Raum zu fragen, ob alle geimpft seien und dann auf das Nicken der Anwesenden zu warten. Die Hochschule München begründet die Entscheidung, nur noch stichprobenartig zu kontrollieren, mit finanziellen Gründen.

Die dauerhafte Bewachung der Eingänge habe 60 Sicherheitskräfte benötigt und mehr als 200 000 Euro pro Monat gekostet. Die Stichproben seien wie Fahrkartenkontrollen der MVG, sagt die Pressesprecherin der Hochschule, Christina Kaufmann: Mal wird man monatelang nicht kontrolliert, mal zwei Tage in Folge. Was zähle, sei das Bewusstsein über negative Konsequenzen.

Das reicht vielen Studierenden auch an der LMU nicht aus, deswegen hat sich ein Kollektiv an Studierenden mit einem Brief an das Präsidium der LMU gewandt und unter anderem striktere Kontrollen gefordert. Bis jetzt gab es noch keine Antwort.

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