Kritik:Witz als Wertstoff

Petra Winterstellers rasantes Stück "Sperrmüll" ist ein Vergnügen am Theater ...undsofort.

Von Yvonne Poppek, München

Im Theater ...undsofort ist es im Prinzip natürlich nicht anders als an den anderen Bühnen. Es dürfen viel weniger Zuschauer hinein, die dann auf Abstand sitzen, Maske im Gesicht. Im Undsofort muss sogar nach 50 Minuten gelüftet werden. Die Pandemie ist also nicht wegzudenken - und trotzdem gelingt es Petra Wintersteller und Heiko Dietz mit ihrem Abend "Sperrmüll" so etwas wie vorpandemische Theaternormalität zu erzeugen. Die Stimmung ist gelöst, der Witz der Dialoge weht nicht durch die löchrigen Zuschauerreihen hindurch, sondern verfängt, Energie überträgt sich. Und dann macht dieser Abend auch noch richtig Spaß. Kurzum: Es passt eben alles.

Petra Wintersteller hat das Stück, das noch bis zum 15. August gespielt wird, für zwei Personen geschrieben, Winfried Frey führte Regie. "Sperrmüll" beginnt wie eine Boulevardkomödie, um dann hinten raus noch eine schöne Stille zu erreichen. Wintersteller beherrscht die knackigen Pointen, streut sie als Theaterfutter vors Publikum hin. Das wartet so freudig darauf wie ein Hund auf sein Leckerli. Und es funktioniert gut, weil Wintersteller eine Frau-Mann-Geschichte entworfen hat: Evelyn ist eine End-Dreißigerin, die einmal mehr von einem Mann verlassen wurde. Sie ist in der Küchenpsychologie zuhause, sucht ihre innere Mitte und redet in Dauerschleife. Jürgen hingegen ist ein wortkarger Grantler, dessen Humor so trocken ist, dass man meint, die Worte zwischen seinen Zähnen knirschen zu hören.

Der Schauplatz ihrer Begegnung ist der Wertstoffhof. Jürgen wohnt und arbeitet dort, Evelyn entsorgt in den diversen Containern, die Heinz Konrad auf die Bühne gebaut hat, die Reste ihrer Beziehungen. Zwei Welten prallen aufeinander - Winterstellers aufgedrehte Großstadtbewohnerin, die ihr zerschossenes Nervenkostüm in kurze Kleider steckt, und Heiko Dietz' schlurfender Silbenzähler, der sein aufkeimendes Interesse am liebsten auch in eine Tonne werfen würde. Naturgemäß entsteht hier Reibung, und Reibung schafft Energie, die hier in feinste Theaterkraft kanalisiert wird.

© SZ
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