Und jetzt?:Ein Luxusleben ohne festen Wohnsitz

Und jetzt?: Auch in kleinen Tomaten steckt großer Geschmack: Antje de Vries mit einem Demonstrationsobjekt.

Auch in kleinen Tomaten steckt großer Geschmack: Antje de Vries mit einem Demonstrationsobjekt.

(Foto: Robert Haas)

Antje de Vries ist als Food-Nomadin und Gastro-Beraterin in der ganzen Welt unterwegs. Nebenbei hat sie auch noch ein Buch über die Grundlagen des Geschmacks geschrieben

Interview von Franz Kotteder

Sie braucht nicht viel zum Leben, sagt Antje de Vries, 37. Meistens sei sie nur mit einem kleinen Rucksack unterwegs. Mit dem aber kommt sie ganz schön herum in der Welt, eine eigene Wohnung hat sie nicht. Die gelernte Köchin, Restaurantberaterin und "Food-Nomadin", wie sie ihr Verlag nennt, ist gerade in München, um ihr Buch "Abenteuer Geschmack" vorzustellen, in dem sie anhand von 15 Gemüsesorten und einer Fülle unterschiedlichster Rezepte die vielfältige Welt des Geschmacks aufzeigt (Gräfe und Unzer Verlag, 220 Seiten, 29,99 Euro).

SZ: Sie sind in Ostfriesland geboren und aufgewachsen - als Bayer hätte man sich da eher ein Fischkochbuch erwartet.

Antje de Vries: Tatsächlich war mein Großvater einer der letzten Krabbenfischer. Aber zu meinen Kindheitserinnerungen zählen auch die ganzen wilden Gemüsegärten bei uns zu Hause, mit den Riesenzucchini. Ich bin auch bald geflohen. Erst mit 16 Jahren für ein Austauschjahr nach Texas. Da habe ich angefangen zu kochen, jeden Tag etwas anderes. Dort habe ich mich auch dafür entschieden, Köchin zu werden und bin nach dem Abitur direkt nach Bremen, für die Ausbildung. Danach habe ich dann Ernährungsökonomie studiert und eine ganze Weile Marketing gemacht für Fisch und Seafood. Ich hatte das Glück, mit vielen Sterneköchen Seminare machen zu dürfen, mit Eckart Witzigmann zum Beispiel oder mit Bobby Bräuer. Das war superspannend. Später war ich Betriebsleiterin in einem Gutshof und Restaurantleiterin in einem Lokal, in Norwegen auch mal Küchenchefin. Danach versuchte ich alles zusammenzubringen und wurde Beraterin für Restaurants und Foodkonzepte. Damit rechtfertige ich ein bisschen, dass ich dauernd um die Welt reise und mir alles angucke. Ich habe ja keine Wohnung mehr seit fünf Jahren.

Das ist dann sozusagen ein Luxusleben ohne festen Wohnsitz?

Ja! Ich sage mir jeden zweiten oder dritten Tag, dass ich eigentlich das coolste Leben überhaupt habe. Es ist wirklich purer Luxus, auch wenn ich manchmal morgens nicht weiß, wo ich abends schlafe. Manchmal ist das sogar einfach der Flughafen.

Da sind Sie auch genügsam?

Ich übernachte oft in Hostels oder bei Freunden. Aber beim Essen haue ich schon immer ziemlich auf die Sahne, ehrlich gesagt. Aber nicht nur die Zwei- oder Drei-Sterne-Restaurants, sondern eben das Besondere am jeweiligen Ort.

Das fließt alles wieder in Ihre Arbeit ein?

Ja. Kürzlich war ich auf einem Foodfestival und habe beim legendären Drei-Sterne-Koch Sergio Hermann mitgekocht. Ich habe einfach gefragt, ob die jemanden brauchen können - und die können immer jemanden brauchen. Daraus ziehe ich dann wieder Input für die Beratungsaufträge und die Bücher.

Wie kommen Sie an all Ihre Jobs?

Na ja, ich arbeite ja mit drei Agenturen zusammen, da läuft vieles parallel. Das eine Buch habe ich gerade herausgebracht, das zweite schreibe ich gerade. Dazu habe ich gerade zwei Beratungen für Restaurants am Laufen, einen Laden in Wien haben wir gerade aufgemacht, und in Istanbul bin ich jetzt dann, um zu lernen, wie man ein komplettes À-la-carte-Geschäft nur mit Grillgerichten macht ...

... verstehe: Da haben Sie natürlich keine Zeit, um einfach nur mal zu wohnen.

Genau. Keine Zeit zum Wohnen! Ich wüsste auch gar nicht so richtig, welche kulinarische Heimat mir die liebste wäre.

Ihrem Buch nach zu urteilen, müsste dort vor allem viel Gemüse wachsen, oder?

Im Buch haben wir Gemüse als Basis genommen, aber es ist kein vegetarisches Kochbuch, es gibt auch Rezepte mit Fisch und Fleisch. Es geht darum, was im Grundprodukt drinsteckt, und wie man verschiedene Geschmäcker und Aromen miteinander kombinieren kann. Und es wird auch erklärt, wie Geschmack funktioniert, auf eine recht spielerische Art und Weise, die man auch zu Hause ausprobieren kann.

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