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Unbekannte Sehenswürdigkeiten:Geheimes München

Das älteste Kajak, ein Museum für die Kartoffel und eine kuriose Kapelle: Ein Reiseführer zeigt Sehenswürdigkeiten, die wohl nur die wenigsten Münchner kennen.

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Das älteste Kajak, ein Museum für die Kartoffel und eine kuriose Kapelle: Ein Reiseführer zeigt Sehenswürdigkeiten, die wohl nur die wenigsten Münchner kennen. Die Geheimtipps sind dem Buch "Nur in München - Ein Reiseführer zu sonderbaren Orten, geheimen Plätzen und versteckten Sehenswürdigkeiten" von Duncan J. D. Smith entnommen.

Feuerwehrmuseum

Das Haus der Kunst oder die Pinakothek der Moderne besucht fast jeder München-Tourist. Seit 30 Jahren hat München aber auch ein Feuerwehrmuseum, das die Entwicklung der Münchner Feuerwehr von seinen Anfängen bis heute dokumentiert. Dort waren wahrscheinlich bislang nur die wenigsten. Zu sehen sind unter anderem ein von Pferden zu ziehendes Löschfahrzeug, Messingtrompeten, mit denen früher Alarm geblasen wurde, und ein ausgebrannter U-Bahnwagen als Zeugnis eines Feuerausbruchs 1983 in der Nähe der Haltestelle Königsplatz.

An der Hauptfeuerwache 8, 80331 München, Telefon: 089/2353001, geöffnet Samstag von 9 bis 16 Uhr, sowie nach Voranmeldung.

Foto: Heddergott

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Jugendstil-Juwelen

Ende des 19. Jahrhunderts erlebte München einen starken Anstieg der Zahl der Einwohner sowie einen Bauboom und war wegweisend für eine neue Kunstrichtung: den Jugendstil. In Schwabing waren die innovativsten Künstler am Werk. Die Highlights sind heute noch zu sehen: In der Römerstraße 11 steht ein Jugendstilhaus mit pharaonischen Masken, in der Ainmillerstraße 22 ist noch das erste Jugendstilhaus Münchens erhalten, in der Franz-Joseph-Straße 19 ist eine Fassade mit Schlangen zu sehen und in der Gedonstraße 4 befindet sich das reichlich verzierte Gebäude, das auf dem Foto abgebildet ist.

Spaziergang zwischen Herzogstraße und Georgenstraße, Ausgangspunkt Haltestelle Münchner Freiheit

Foto: SZ

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Wunden der Erinnerung

An der Westseite der Alten Pinakothek steht die Figur eines Mannes, der ein Pferd an der Leine führt. Das Pferd ist mit Einschusslöchern aus dem Zweiten Weltkrieg übersät. Davor ist eine Plexiglasscheibe, auf der geschrieben steht: "Wunden der Erinnerung".

Beate Passow und Andreas von Weizsäcker haben mit ihrem Projekt "Wunden der Erinnerung" in vielen europäischen Städten Zeugnisse aus dem Zweiten Weltkrieg sichtbar gemacht. In München sind neben dem Pferdebändiger die Einschusslöcher an der Mauer der Universität Ecke Schelling-/Ludwigstraße die zweiten "Wunden der Erinnerung".

Foto: Sonnabend

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Alles über die Kartoffel

Langweilig ist die Kartoffel keineswegs. Sie wird zu Bier, Kaffee, Schnaps, Brot, Wurst, Papier, Seife oder Kerzen verarbeitet und blickt in Deutschland auf eine über 360-jährige Geschichte zurück. München hat dem Grundnahrungsmittel deswegen ein Museum gewidmet, 1996 eröffnete das erste Kartoffelmuseum Europas. In der Grafinger Straße erfährt man seitdem alles über das Nahrungsmittel.

Grafinger Straße 2, 81671 München, Telefon: 089/404050, geöffnet Freitag 9 bis 18 Uhr, Samstag 11 bis 17 Uhr

Foto: Haas

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Das Erbe von Väterchen Timofej

Der Orthodoxe Tomofej Wassiljewitsch Prochorow wurde 1943 in den Wirren des Krieges aus Russland vertrieben und strandete 1952 in München. Er war überzeugt, dass die Gottesmutter ihm in einer Feuersäule erschienen war und ihn nach München geschickt hatte. Auf dem Oberwiesenfeld baute der Einsiedler gemeinsam mit seiner Freundin Natascha Kartoffeln an und errichtete zwei Kapellen und zwei Wohnhäuser. Da es Schwarzbauten waren, war die Anlage immer wieder vom Abriss bedroht. Doch heute ist die Stadt bemüht, sie zu erhalten - auch fünf Jahre nach seinem Tod. Sergey Kokasin und Alexander Penkowski versuchen, das Erbe von Väterchen Timofej zu bewahren und kümmern sich um die Anlage im Olympiapark. Das Wohnhaus von Timofej ist als Museum umgestaltet worden und auch die von ihm erbaute Ost-West-Friedenskirche kann man besichtigen.

Foto: Haas

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Nicht nur für Dinosaurierfans

Ein gigantisches Mammut (Foto), ein Säbelzahntiger oder das Skelett eines Riesenhirsches: Das Paläontologische Museum imponiert allein schon wegen der Größe seiner Exponate. Aber auch die Sammlung kleiner Fossilien aus bayerischem Kalkstein beeindruckt. Dort ist unter anderem der früheste bekannteste Vogel der Welt zu sehen, der die Verbindung zwischen Sauriern und Vögeln darstellt und somit als Beweis für Darwins Evolutionstheorie gesehen wird.

Paläontologisches Museum München, Richard-Wagner-Straße 10, 80333 München, geöffnet Montag bis Donnerstag von 8 - 16 Uhr, Freitag von 8 - 14 Uhr und erster Sonntag im Monat von 10 - 16 Uhr mit Sonntagsführungen und Multimediashow.

Foto: Heddergott

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Das Zuhause von Thomas Mann

1891 zog Thomas Mann von Lübeck nach München. Zunächst lebte er in Schwabing, wo er unter anderem für den Simplicissimus schrieb. Nachdem er mit "Die Buddenbrooks" und "Der Tod in Venedig" großen Erfolg hatte, kaufte er sich eine neu gebaute Villa an der Isar in Bogenhausen. Von 1914 bis 1933 lebte er in dem dreistöckigen Gebäude mit großem Garten, hier schrieb er unter anderem den "Zauberberg". 1933 ging Mann ins Exil, nur einmal - im Jahr 1948 - kehrte er zu seinem Grundstück zurück, die Villa war zerstört. Von der Schweiz aus verkaufte er 1952 das Grundstück, ein neues Haus wurde errichtet. Im Jahr 2006 wurde dieses Gebäude wieder abgerissen und eine Villa erbaut, die von außen dem Zuhause von Thomas Mann ähnelt. Die Straße wurde in Thomas-Mann-Allee umbenannt.

Thomas-Mann-Villa, Poschinger Straße 1, Bogenhausen. Die Villa ist nicht öffentlich zugänglich.

Foto: Heddergott

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Der geheimnisvolle Schutzpatron

Über St. Benno, den heiligen Schutzpatron Münchens, ist bis heute wenig bekannt. Er lebte von 1010 bis etwa 1106 und war Bischof von Meißen. 1523 sprach der Papst Benno heilig. 1539 wurde sein Grab in Meißen geschändet, seine Gebeine kamen deswegen nach München und die katholischen Wittelsbacher erklärten ihn zum Schutzpatron der Stadt. Ende des 19. Jahrhunderts ging die Geschichte von Benno in München weiter. Eine neue Kirche am Ferdinand-Miller-Platz wurde dem Heiligen geweiht. Dort ist auch heute noch die Skulptur des Heiligen Bennos zu sehen, seine Gebeine ruhen in der Frauenkirche.

St. Benno-Kirche, Ferdinand-Miller-Platz, Maxvorstadt

Foto: Archiv des Erzbischoftums

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Das älteste Kajak der Welt

In München gibt es das größte Volkstfest der Welt, den erfolgreichsten Fußballverein Deutschlands, das beste Bier der Welt - und, was sicherlich nur wenige wissen, das älteste Kajak der Welt. Es stammt aus dem 16. Jahrhundert und befindet sich im Museum für Völkerkunde. Wahrscheinlich gelangte das Kajak bei einer Fahrt aus der Subarktik nach Holland. Das Schiff aus Seehundleder wurde dann zu Ausstellungszwecken Herzog Wilhelm V. von Bayern geschenkt. Außerdem kann man im Völkerkundemuseum Holzstatuen aus dem Kongo, einen Schrein aus Indien oder Zeremonienmasken aus Ozeanien ansehen.

Maximilianstraße 42, 80538 München, Telefon: 089/210136100, geöffnet Dienstag bis Sonntag: 9.30 - 17.30 Uhr.

Foto: SZ

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Der Beginn der U-Bahn

"An dieser Stelle wurde 1965 mit dem Münchner U-Bahn-Bau begonnen." Eine bescheidene Plakette in der Ungererstraße erinnert an den Bau der U-Bahn in München. Am 1. Februar 1965 wurde mit der ersten Nord-Süd-Verbindung entlang des Nordfriedhofs in der Ungererstraße angefangen. Die Gedenktafel erinnert an den Tag, an dem der damalige bayerische Ministerpräsident Alfons Goppel mit Oberbürgermeister Hans-Jochen Vogel die erste Schaufel Erde aushob. Die U-Bahn-Strecke, die die Haltestellen Kieferngarten und Goetheplatz verband (heute U6), eröffnete im Oktober 1971.

Das U-Bahn-Denkmal befindet sich in der Ungererstraße außerhalb der Haltestelle Nordfriedhof.

Foto: AP

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Fabriken der Kriegszeit

Einige der größten Rüstungsfabriken des Dritten Reichs befanden sich in Münchens Vororten. In Allach gibt es heute noch Überreste davon. Vom S-Bahnhof sieht man bereits die Firma Krauss-Maffei Wegmann (Krauss-Maffei-Straße 2), hier mussten Kriegsgefangene Lokomotiven und Panzer bauen. Heute werden hier Rad- und Kettenfahrzeuge hergestellt. In der Ludwigsfelder Straße 11 steht noch das Lager des Baukonzerns Sager & Woerner. Fritz Todt, der spätere Chefplaner von Hitler für die deutschen Autobahnen, arbeitete hier als Leiter. Zudem gibt es in Allach noch einen Bunker (siehe Foto, nahe S-Bahnhof), eine Porzellanfabrik (Reinhard-von-Frank-Straße 8) sowie die Überreste der Junker Maschinenfabrik (Schöllstraße 8) zu sehen.

Foto: SZ

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Kaffeetrinken mit Münchner Originalen

Im Johannis Café am Kirchplatz in Haidhausen weiß man nie, was einen erwartet - man sollte aber mit allem rechnen. Die Mischung der Gäste macht die Kneipe so einzigartig und auch so unvorhersehbar. Es kommen alteingesessene Haidhauser, Geschäftsmänner, Kreative und Studenten. Die Gäste spielen Schafkopf, lesen Zeitung, diskutieren oder widmen sich ganz dem Getränk vor ihnen. Ausgeflippte sitzen neben Angepassten, Jugendliche neben Rentnern und Verlotterte neben Schickimickis. Bei einem Besuch im Johannis Café lernt man wahre Münchner Originale kennen.

Johannis Café, Johannisplatz 15, 81667 München, Telefon: 089/4801240, geöffnet: Montag bis Sonntag von 11 bis Open End, Dienstag ist Ruhetag.

Foto: Hess

Die Besichtigungstipps sind entnommen dem Buch: Duncan J. D. Smith: Nur in München - Ein Reiseführer zu sonderbaren Orten, geheimen Plätzen und versteckten Sehenswürdigkeiten. Christian Brandstätter Verlag, April 2009, 19,90 Euro.

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