Umzug:Neue Anschrift mit Fragezeichen

Umzug: Noch werden täglich 4,5 Millionen Briefe für München und Umlandgemeinden in der Paketposthalle an der Arnulfstraße sortiert.

Noch werden täglich 4,5 Millionen Briefe für München und Umlandgemeinden in der Paketposthalle an der Arnulfstraße sortiert.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Die Post will ihr Briefverteilzentrum von der Arnulfstraße nach Germering verlagern. Doch ob der dortige Stadtrat am Dienstag zustimmt, ist offen

Von Andreas Ostermeier, Germering

Das Briefverteilzentrum für München und das Umland soll bis zum Jahr 2022 von der Paketposthalle an der Arnulfstraße nach Germering umziehen. So sehen es die Planungen der Deutschen Post vor. Das Logistikunternehmen hat zu diesem Zweck ein Grundstück in der westlichen Nachbarkommune erworben, von dem aus die B 2 sowie die Autobahnen A 96 und A 99 leicht zu erreichen sind. Die Entscheidung, ob das Briefverteilzentrum auch tatsächlich gebaut werden kann, fällt an diesem Dienstag im Stadtrat von Germering. Der Bauausschuss des Gremiums hatte sich im April gegen die Pläne ausgesprochen.

Trotz der 1300 Arbeitsplätze, die die Post mitbringen möchte, sehen viele Kommunalpolitiker den geplanten Umzug skeptisch. Sie monieren die Größe des vorgesehenen Gebäudes, befürchten eine Zunahme des Verkehrs und kritisieren den Flächenverbrauch. Tatsächlich soll das neue Verteilzentrum eine Fläche von mehr als 30 000 Quadratmeter einnehmen. Um das Gebäude nach außen nicht so wuchtig erscheinen zu lassen, will die Post die Fassade begrünen und zur Stadt hin Bäume pflanzen. Mit einer Begrünung des Daches sowie einer Fotovoltaikanlage will die Post den Kritikern von ökologischer Seite entgegenkommen. Überdies sollen Wildblumenwiesen entstehen. In diesen Maßnahmen sieht die Post gar eine Verbesserung der ökologischen Qualität des bislang landwirtschaftlich genutzten Geländes. Und was den Verkehr anlangt, argumentiert das Logistikunternehmen, dass die Zunahme gering sei und vor allem in die frühen Morgenstunden falle, in denen die örtlichen Straßen noch wenig befahren sind. Durch den Einsatz von Elektrofahrzeugen soll die Schadstoffbelastung erheblich reduziert werden. Außerdem hat die Post angekündigt, sich an einem zusätzlichen öffentlichen Busverkehr zu beteiligen, der vom S-Bahnhof ins Gewerbegebiet im Norden Germerings fährt.

Vorteile für Germering sind aus der Sicht der Post Gewerbesteuereinnahmen von etwa einer Million Euro im Jahr. Zudem benötige das Unternehmen pro Jahr mehrere Hundert neue Mitarbeiter. Viele davon könnten aus Germering kommen, heißt es. Die Post bietet etwa 800 Teilzeitstellen im Briefzentrum an, bei denen die Fluktuation bei 30 Prozent liegt. Das bedeutet, dass an die 250 Mitarbeiter jährlich neu eingestellt werden. Auch im Verwaltungsbereich würden durch den Umzug und die Altersstruktur der Mitarbeiter Arbeitsplätze frei.

Gegenwärtig werden im Briefverteilzentrum an der Arnulfstraße täglich etwa 4,5 Millionen Briefsendungen bearbeitet. Zuständig ist es für die Postleitzahlbereiche 80 und 81. Ebenfalls nach Germering umziehen soll auch die Zuständigkeit für den Postleitzahlenbereich 82. Der liegt bislang im Verteilzentrum Schorn, das zu Starnberg gehört. Etwa 1,5 Millionen Briefsendungen werden dort täglich bearbeitet. Auch Schorn wird aufgelöst. Insgesamt würde von Germering aus also die Briefpost für München und die Landkreise München, Starnberg, Fürstenfeldbruck, Garmisch-Partenkirchen sowie Teile der Landkreise Bad Tölz-Wolfratshausen und Weilheim-Schongau verteilt. In Germering bearbeitet würden auch die Nach- und Rücksendungen für Süddeutschland.

Ob die Argumente der Post am Ende genügend Germeringer Kommunalpolitiker überzeugen können, bleibt offen. Die Abstimmung verspricht spannend zu werden. Mit Oberbürgermeister Andreas Haas verfügt die CSU-Fraktion zwar über die absolute Mehrheit im Stadtrat. Allerdings ist etwa ein Viertel der Fraktionsmitglieder nicht einverstanden mit der Ansiedelung eines Briefverteilzentrums. Die große Mehrheit in der CSU, die die Ansiedelung befürwortet, braucht also Mitstreiter aus den anderen Fraktionen im Rat. Bei SPD und Grünen überwiegt deutlich die Ablehnung, die parteifreien Gruppierungen sowie die ÖDP und der FDP-Vertreter haben in den bisherigen Diskussionen noch nicht gesagt, wie sie an diesem Dienstag abstimmen wollen.

© SZ vom 20.05.2019
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