Umzug an den Frankfurter RingNeue Zentrale, alte Probleme

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Die neue Firmenzentrale von M-Net liegt am Frankfurter Ring.
Die neue Firmenzentrale von M-Net liegt am Frankfurter Ring.
Robert Haas

Die Stadtwerke-Tochter M-Net kämpft mit einem Auftrag in Cham, der die Firma viele Millionen kosten könnte

Von Heiner Effern und Pia Ratzesberger

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Der Umzug in eine neue Zentrale, endlich alle Mitarbeiter in einem Haus vereint - eigentlich hat die Firma M-Net Grund zum Feiern, wenn sie am Donnerstag ihren neuen Sitz am Frankfurter Ring einweiht. Doch in den Wochen vor der Party wurde öffentlich, dass der Anbieter von Glasfaserverbindungen in einer massiven Krise steckt. Die Stadtwerke München (SWM) als Hauptgesellschafter mussten sich vom Stadtrat eine Blankovollmacht erteilen lassen, dass sie ihrer Tochter um die 50 Millionen Euro zuschießen dürfen. Anlass ist ein außer Kontrolle geratener Auftrag im Landkreis Cham. Krisengespräche laufen, die Zentrale werden bereits neue Geschäftsführer eröffnen.

Neben den SWM sind auch die Stadtwerke Augsburg, die Erlanger Stadtwerke, das Allgäuer Überlandwerk, die Infra Fürth und die N-Ergie aus Nürnberg Gesellschafter. Das Unternehmen machte zuletzt einen Umsatz von etwa 250 Millionen Euro und betreibt Glasfasernetze in mehr als 170 Städten und Gemeinden. M-Net ist für die sogenannte aktive Technik zuständig, also das Beleuchten der Glasfaser zum Beispiel und die Umwandlung von optischen in elektrische Signale sowie den Betrieb und die Vermarktung der Netze.

Die Firma M-Net ist für die Münchner bedeutend, denn das kommunal getragene Unternehmen ist auf Glasfasernetze spezialisiert - und kümmert sich damit um schnelle Verbindungen in der Stadt, die schon seit vielen Jahren nach und nach ausgebaut werden. Die SWM verlegen die Leitungen, um das technische Angebot kümmert sich M-Net. In der Innenstadt ist der Ausbau schon weit vorangeschritten, von 2019 an sollen nun die Viertel außerhalb des Mittleren Rings die moderne Technik erhalten. Auch für diese Investitionen, so steht es in der Vorlage für den Stadtrat, braucht M-Net "eine Stärkung der Kapitalbasis", sprich Geld.

M-Net erfüllt für München und die anderen beteiligten Städte also eine wichtige Aufgabe für die digitale Zukunft. Auch deshalb kann ein M-Net-Sprecher erklären, dass "Gerüchte zu einer möglichen Insolvenz" definitiv falsch seien. M-Net wird aus München und voraussichtlich auch Augsburg das Geld bekommen, das die Firma benötigt. "Es bestehen keine finanziellen Schwierigkeiten und es besteht keine Grundlage für derartige Spekulationen", sagt der Sprecher. Und er droht rechtliche Schritte an, falls es doch jemand behaupte.

Dabei dürften die Juristen von M-Net und auch der SWM damit beschäftigt sein, aus dem Problem in Cham mit einem erträglichen Verlust herauszukommen. Dort übernahm M-Net 2017 den Auftrag, den Landkreis mit Glasfasertechnik auszustatten. Das Volumen betrug 58 Millionen Euro. In ländlichen Gebieten, in denen kein Gesellschafter des Unternehmens vor Ort ist, engagiert M-Net Partner für den Tiefbau. Doch die Firma, die in Cham den Boden aufgraben und etwa 1600 Kilometer Leitungen für 6000 Haushalte verlegen sollte, war sehr schnell wieder weg. Die harten, teils felsigen Böden konnten zum vereinbarten Preis nicht aufgerissen und wieder gefüllt werden. Man fand deshalb auch keinen Ersatz für den Tiefbau-Partner. Der Landkreis Cham pochte bisher auf Erfüllung. Nach dem letzten Krisengespräch im Januar, zu dem SWM-Chef Florian Bieberbach eigens nach Cham reiste, wurde Stillschweigen vereinbart.

Momentan ist noch unklar, zu welchem Ergebnis die Gespräche führen werden. "Wir können nur hoffen, dass ein möglichst günstiges Ergebnis dabei rauskommt, ohne in Cham zu viel verbrannte Erde zu hinterlassen", sagt Stadtrat Richard Quaas (CSU), der im Aufsichtsrat der Stadtwerke sitzt. Auch wenn der Landkreis momentan verlange, dass auf jeden Fall gebaut werde, egal wie, müsse ein Kompromiss ausgehandelt werden, sagt die Grünen-Stadträtin Sabine Krieger, die ebenfalls im Aufsichtsrat sitzt. Dass die SWM einspringen müssen, davon gehen sie alle aus. Nur wie, ist noch unklar. Die SWM haben sich einige Optionen offen gelassen. Neben einer Kapitalspritze könnten sich auch neue Gesellschafter einkaufen. Neue Geschäftsführer sind schon da. Diese sollen nicht nur aufräumen, so ist aus Eigentümer-Kreisen zu hören, sondern neben dem neuen Firmensitz bald auch ein neues tragfähiges Geschäftsmodell vorstellen.

© SZ vom 07.02.2019 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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