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Umweltschutz:"Kann mir gut vorstellen, dass das Mikroplastik von Wegwerfplastik stammt"

Und doch treibt das Mikroplastik im Fluss. Die Forscher der Universität Bayreuth können sogar eingrenzen, worum es sich handelt: Es sind überwiegend Fragmente aus Polyethylen. Mikroplastik, wie es in Kosmetik oder Zahnpasta vorkommt, kann nach Ansicht von Philipp Sommer nur für einen kleinen Teil die Ursache sein. Der Experte für Kreislaufwirtschaft bei der Deutschen Umwelthilfe kennt die Studie und hält es für sehr wahrscheinlich, dass sich die in der Isar gefundenen Kleinstpartikel bilden, "indem sich größeres Plastik zersetzt". Sommer warnt davor, das Problem zu verharmlosen: Man wisse, dass Mikroplastik "wie ein Magnet Schadstoffe anzieht", die sich dann an die Partikel heften. Wenn Fische das Mikroplastik fressen, "lagern sich die Stoffe im Fett- und Muskelgewebe ab", so Sommer. Über die Nahrungskette kämen so die Schadstoffe letztlich "bei uns auf den Teller".

Im Münchner Referat für Gesundheit und Umwelt (RGU) ist man sich des Problems mit dem Mikroplastik bewusst. Aber "da es noch keine eindeutigen, toxikologischen Kriterien zur Bestimmung von gesundheitsschädlichen Eigenschaften gibt, sind keinerlei Grenzwerte definiert, nach denen eine Untersuchung oder Beprobung ausgerichtet sein könnte", lässt RGU-Sprecher Bernd Hörauf wissen.

Das Referat kritisiert allerdings, dass die in der Studie veröffentlichten Messwerte "leider keinen Aufschluss darüber" geben, wie die Proben entnommen wurden - ob mehrmals oder nur einmalig. Es geht nicht einmal daraus hervor, ob am Tag der Probenentnahme Hochwasser war, was wiederum die Beobachtung von Gewässerökologe Ruff stützen würde. Auch der ÖDP-Politiker findet, dass das Ergebnis der Studie deshalb in Teilen unbefriedigend ist. "Da müssen sie nachlegen", fordert er.

Das Landesamt für Umwelt, einer der Auftraggeber der Mikroplastikstudie, räumt ein, dass es bislang "noch keine gesicherten Erkenntnisse" gebe, woher das Mikroplastik in der Isar stammt. Es gebe "eine Vielzahl von Eintragsfaktoren", sagt ein Sprecher des Landesamts, möglicherweise auch durch Kläranlagen. "Aber das ist wohl nicht der Hauptfaktor." Einige Forscher haben jedoch einen Verdacht: Die vielen Besucher der Isar in München könnten für die Belastung verantwortlich sein. Die Wissenschaftler wollen nicht namentlich zitiert werden, denn noch stehen Beweise dafür aus.

Doch einiges deutet darauf hin, dass die Spur heiß ist. Die untersuchten Partikel in der Isar bestehen fast ausschließlich aus Polyethylen und stammen von größeren Plastikteilen. Partymüll also? An sonnigen Wochenenden fallen in den Grillzonen der Isar durchschnittlich vier Tonnen Abfall an. Zwar sind dort 95 Gitterboxen aufgestellt, zudem an Wochenenden acht große Abfallcontainer. Doch auch das vom Baureferat beauftragte Reinigungspersonal kann nicht immer verhindern, dass Plastikmüll wie Besteck, Becher oder Tüten in der Isar landet und abtreibt. Beim lose herumliegenden Müll sei zwar "eine sinkende Tendenz festgestellt" worden, so Dagmar Rümenapf vom Baureferat. Trotzdem mussten die Reinigungstrupps in den vergangenen Jahren immer häufiger ausrücken.

"Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass das Mikroplastik in der Isar von Wegwerfplastik stammt", sagt Philipp Sommer von der Deutschen Umwelthilfe. Im Umweltreferat ist man vorsichtiger. "Ob Badegäste oder Müll im Uferbereich für diesen enormen Anstieg der Messwerte verantwortlich sein können, darf bezweifelt werden", entgegnet Sprecher Hörauf. "Also muss es andere Wege des Eintrages von Mikroplastik geben." Die Spurensuche dauert an.

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