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Umweltschutz in Kulturinstitutionen:Geht's auch in grün?

Lenbachhaus nimmt an Klima-Pilotprojekt teil

Von Evelyn Vogel

Einer der wenigen positiven Aspekte des Corona-Lockdowns ist die verbesserte Klimabilanz. Im vergangenen Jahr wurden 2,4 Milliarden Tonnen weniger CO₂ produziert, der Ausstoß im Vergleich zum Vorjahr um sieben Prozent reduziert. Ein großer Teil der diesjährigen CO₂-Reduktion - kaum verwunderlich, wenn viele von zu Hause aus arbeiten und das Reisen generell eingeschränkt bis unmöglich ist - stammt aus dem Transportsektor wie dem Straßen- und Luftverkehr.

Aber in normalen Zeiten hinterlassen nicht nur Verkehr und Industrie einen gewaltigen CO₂-Fußabdruck. Auch in allen Kulturbranchen steht es mit der Klimabilanz nicht gerade zum Besten. Opern und Theater lassen Sänger, Darsteller und Regisseure für Kurzeitengagements, mitunter nur für einen Abend, von überall her anreisen, Orchester und Bands karren sich und einen riesigen Teil ihres Equipments von Kontinent zu Kontinent, Filmproduktionen ziehen wie Karawanen durch die Lande. Und auch die Museen mit ihrem hochfrequenten internationalen Leihverkehr und ihren vielfältigen Ausstellungskooperationen weltweit müssen sich fragen lassen: Geht's nicht vielleicht auch ein wenig grüner?

Nun hat die Kulturstiftung des Bundes das Pilotprojekt "Klimabilanzen in Kulturinstitutionen" initiiert, das 19 Kultureinrichtungen in ganz Deutschland dabei unterstützen soll, im "Konvoi-Verfahren" eine Klimabilanz zu erstellen und den eigenen CO₂-Fußabdruck zu ermitteln.

Als einzige Münchner Institution dabei ist das Lenbachhaus. Des Weiteren auf der Liste: das Deutsche Nationaltheater Weimar, die Gedenkstätte Sachsenhausen, die Kampnagel Kulturfabrik in Hamburg, das Konzerthaus Berlin, die Kunsthalle Rostock, das Künstlerhaus Mousonturm Frankfurt, der Kunstverein Hannover, das Museum Folkwang Essen, das Saarländisches Staatstheater Saarbrücken, die Schaubühne am Lehniner Platz in Berlin, die Stadtbibliothek Berlin-Pankow, die Stadtbücherei Norderstedt, die Staatliche Kunstsammlungen Dresden, die Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz in Ludwigshafen, das Staatsschauspiel Dresden, das Staatstheater Darmstadt, das Tanzhaus NRW in Düsseldorf und das ZKI / Zentrum für Kunst und Medien in Karlsruhe. Die Pilotgruppe deckt also ganz verschiedene Sparten ab, von der Bildenden und der Darstellenden Kunst über die Literatur und Musik bis zur Erinnerungskultur. Unterschiedliche Vorkenntnisse, Größen und Standortbedingungen flossen in die Auswahl ein.

Das Pilotprojekt ist auf vier Monate angelegt. In diesem Zeitraum erhalten die teilnehmenden Einrichtungen Unterstützung bei der Bilanzierung, um sich über die eigenen CO₂-Emissionen klar zu werden, sowie ein spezifisches Klima-Coaching, um einen Strategie für ein gemeinsames Umwelthandeln zu erarbeiten. Darüber hinaus soll das Pilotprojekt auch klären, wie ökologische Nachhaltigkeit im Fördersystem der Kulturstiftung des Bundes geltend gemacht werden könnte.

Das Lenbachhaus hat angekündigt, auf Basis von 2019 eine Klimabilanz zu erstellen. Untersucht werden sollen einerseits naheliegende Parameter der Treibhausgasemissionen, die durch den täglichen Betrieb bei Heizung und Strom sowie Energie zur Konservierung der Kunstwerke entstehen. Aber auch Dienstreisen und Materialbedarf der Mitarbeiter sowie Energieaufwand für Kommunikation wie beispielsweise Druck und Versand von Einladungen und Publikationen werden erfasst. Abschließend erhält das Lenbachhaus eine intensive Beratung wo und wie Treibhausemissionen reduziert werden könnten.

Nicht zuletzt will sich das Münchner Museum aber auch fragen: Welche Werke sollen reisen? Welche Ideen liegen den Ausstellungen zugrunde und müssen in internationalen Kooperationen entwickelt werden, welche nicht? In welchen Fällen muss Kommunikation und Begegnung von Menschen mit Kunstwerken vor Ort stattfinden, wann ist dies nicht nötig? Und wann können die Laufzeiten der Projekte als nachhaltig gelten? Denn nur wer weiß, wo's genau herkommt, kann auch an den richtigen Stellschrauben drehen und damit nachhaltig agieren.

© SZ vom 26.01.2021
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