Umwelt Streit um radioaktives Abwasser

Die Technische Universität will die Einleitungsgenehmigung in die Isar bei Garching verlängern. Dagegen regt sich Kritik

Von Gudrun Passarge, München/Garching

Wie gefährlich ist die Einleitung schwach radioaktiver Abwässer in die Isar, und ist sie überhaupt notwendig? Diese Fragen muss das Landratsamt München in einem öffentlichen Genehmigungsverfahren klären. Die Technische Universität als Betreiberin des Forschungsreaktors FRM II hat eine Verlängerung der seit 20 Jahren bestehenden Genehmigung zur Abwassereinleitung für ihren Reaktor und die Radiochemie beantragt. Die Grünen sehen das kritisch, ebenso wie das Umweltinstitut in München. "Im Strahlenschutz gilt das Minimierungsgebot. Wir sind der Ansicht, dass technisch alles Mögliche ausgeschöpft werden sollte, um die radioaktiven Einleitungen zu minimieren", sagt der Physiker Hauke Doerk. Auch Markus Büchler und Claudia Köhler, die zwei Landtagsabgeordneten der Grünen aus dem Landkreis, rufen die Bürger dazu auf, Einwendungen gegen diesen Antrag einzureichen. Die Grünen bemängeln etwa, dass eine Auflistung fehle, welche Nuklidgemische eingeleitet werden, um nachzuprüfen, ob die Gefahr von Toxizität für die Umgebung besteht. Fraglich sei auch, warum die TU eine Genehmigung für die nächsten 30 Jahre beantrage. Die Grünen fordern, die Nullvariante zu prüfen, also die radioaktiven Stoffe als Atommüll zu behandeln. Und es fehlt auch nicht die Kritik daran, dass der Forschungsreaktor immer noch mit hochangereichertem Uran arbeitet, einem "international geächteten, waffenfähigen" Material.

Das Landratsamt macht schon vor dem Ende der Einwendungsfrist Angaben etwa zu den neuen Mengen. "Die vom Betreiber beantragte Jahresaktivitätsableitung für Tritium und andere Radionuklide ist insgesamt geringer als die bisherige. Für die Radiochemie (RCM) soll diese für Tritium nur noch ein Zehntel betragen, für die anderen Radionuklide etwa die Hälfte. Die beantragte Jahresaktivitätsableitung des FRM II bleibt gleich", teilt die Behörde mit. Auch mengenmäßig werde weniger Abwasser eingeleitet, zuvor werde das gesammelte radioaktive Abwasser zudem aufbereitet. Die dabei herausgefilterte Radioaktivität werde als radioaktiver Abfall entsorgt. In den vergangenen Jahren habe die tatsächliche Einleitung unterhalb von einem Prozent des gesetzlichen Grenzwerts gelegen. Laut der Pressesprecherin des Reaktors, Andrea Voit, haben die Forschungseinrichtungen, der Reaktor und die Radiochemie an der Gesamtbelastung der Radioaktivität der Isar einen Anteil von 0,33 Prozent. Dagegen gingen 93 Prozent auf die Kernkraftwerke Isar I und II zurück, die Kläranlage Großlappen steuere 3,78 Prozent bei, sagt Voit.