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Umstrittenes Plakat:Der Apfelkrieg

Das umstrittene Plakat hing zwei Tage am Karlsplatz.

(Foto: Umweltinstitut München)

Im Streit um Pestizide zeigt Südtirol das Münchner Umweltinstitut an. Das umstrittene Plakat war für zwei Tage am Stachus zu sehen.

Es ist ein Konflikt über Grenzen hinweg. Und der Disput zwischen der Landesregierung in Südtirol und dem Verein Umweltinstitut München nimmt bizarre Formen an. Der Südtiroler Landesrat Arnold Schuler hat nun laut der Zeitung Dolomiten die Münchner Umweltschützer und den österreichischen Filmemacher Alexander Schiebel wegen übler Nachrede sowie der Verbreitung von Falschinformationen zum Schaden der Südtiroler Landwirtschaft bei der Bozener Staatsanwaltschaft angezeigt.

Im Fall des Umweltinstituts geht es um eine Kampagne, die im August mit einem Plakat am Stachus seinen kurzfristigen Höhepunkt fand. Die Naturschützer mieteten für eine Woche eine Fläche im S-Bahn-Zwischengeschoss. Auf dem Plakat stand unter anderem: "Südtirol sucht saubere Luft. Südtirol sucht sich." Damit spielte das Umweltinstitut darauf an, dass in Teilen Südtirols große Mengen Pestizide in Apfelanbaugebieten ausgebracht werden. Seit drei Jahren wehrt sich die Marktgemeinde Mals im Vinschgau gegen Pestizide auf ihrem Gebiet. Darüber hat Alexander Schiebel ein Buch geschrieben und den Protest im Film "Das Wunder von Mals" dokumentiert.

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"Völlig inakzeptabel"

Direkt nach dem Start der Kampagne des Umweltinstituts meldeten sich Landwirtschaftslandesrat Schuler und der Südtiroler Landeshauptmann Arno Kompatscher zu Wort. In einer gemeinsamen Erklärung sagten sie, "wir werden es sicher nicht hinnehmen, dass Südtirol und die Südtiroler Obstwirtschaft verunglimpft werden". Jetzt legte die Landesregierung nach. "Strafanzeige gegen das Umweltinstitut", schrieb Dolomiten, die meistgelesene deutschsprachige Tageszeitung der autonomen Provinz, am Freitag auf der Titelseite. Dazu druckte sie Teile des Plakats.

Das war nur für zwei Tage am Stachus zu sehen, dann wurde es wegen einer rechtlichen Androhung gegen den Werbeanbieter abgedeckt. Für die Münchner könnte die Aufregung Werbung in eigener Sache sein, aber sie wehren sich natürlich trotzdem. "Dass der stetig wachsende Widerstand gegen Pestizide nun mit Hilfe von Strafanzeigen mundtot gemacht werden soll, ist völlig inakzeptabel", sagt Fabian Holzheid, Sprecher und Vorstand des Umweltinstituts.

Die Naturschützer sehen sich nur als Unterstützer der Gemeinde Mals. Sie hatten unter anderem die Südtiroler dazu aufgerufen, einen Appell an Landeshauptmann Kompatscher zu schreiben, nach dem dieser die Kommunen auf dem Weg zu einer pestizidfreien Landwirtschaft unterstützen soll. Mit der Klage sieht sich das Umweltinstitut als Opfer. "Wir werden uns nicht davon einschüchtern lassen, dass die Landesregierung unbequeme Wahrheiten nun als üble Nachrede diffamieren will", sagt Holzheid. "Damit gesteht die Landesregierung nur ein, dass ihr die Argumente ausgegangen sind."

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